RTL-Medizinexperte schätzt ein

Corona: Geht Schweden langfristig den richtigen Weg?

Mittsommer in Schweden
© dpa, Andres Kudacki, nwi

30. Juni 2020 - 12:36 Uhr

WHO: Schweden kein Corona-Risikoland mehr

Immer wieder wird Schweden für seinen Sonderweg in der Corona-Pandemie kritisiert. Doch vielleicht ist dieser doch nicht ganz verkehrt? Die Weltgesundheitsorganisation nimmt zumindest ihre Einstufung als Risikoland zurück. Unser Allgemeinmediziner Dr. Specht schätzt ein.

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Corona-Todesrate fünf mal so hoch wie in Deutschland

Im Vergleich zu Deutschland hat Schweden im Kampf gegen das Corona-Virus eine fünf mal so hohe Todesrate. Die Lage wurde stets als dramatisch schlecht eingestuft, doch die Schweden blieben entspannt. Während in Deutschland Cafés und Restaurants über Wochen geschlossen waren, saßen die Menschen trotz Corona in den Kneipen. Auch die Strände sind voll, Mindestabstand eher eine freiwillige Maßnahme. Dennoch: Mittlerweile ist die Ansteckungsrate in Schweden stabil. Haben die Skandinavier also alles richtig gemacht?

"Entweder überlebt oder gestorben"

Das die Schweden zahlenmäßig so schlecht da stehen, hat eine ganz einfache Erklärung: "Die Schweden wurden auch aufgefordert, ihre Kontakte zu reduzieren und weniger zu reisen oder weniger ins Büro zu fahren. Und das haben sie auch gemacht. Der große Unterschied zwischen Schweden und uns liegt darin, dass man die älteren, erkrankten Menschen aus Pflegeheimen nicht auf die Intensivstationen gebracht hat. Entweder haben die es überlebt oder sie sind gestorben", so Mediziner Dr. Christoph Specht. Aber warum geht die WHO nun davon aus, das Schweden langfristig doch alles richtig gemacht hat?

Corona-Strategie der Schweden erst in ein bis zwei Jahren bewertbar

"Die Überlegung der WHO geht davon aus, das wir eben doch noch von einer nächsten Welle und höheren Infektionszahlen getroffen werden und dann möglicherweise mit einem erneuten Lockdown auch wirtschaftlich einen Riesen Schaden haben, trotzdem viele Todesfälle nicht verhindern können, während die Schweden vielleicht weniger neue Fälle haben, weil sie schon mehr Leute angesteckt haben." erklärt Dr. Specht. "Ob das aber so ist, wird man aber erst in ein bis zwei Jahren feststellen können."