Unterstützung in der Pandemie

EU will Impfstoff-Fabriken in Afrika bauen

„Afrika importiert heute 99 Prozent seiner Impfstoffe und das muss sich ändern.“
„Afrika importiert heute 99 Prozent seiner Impfstoffe und das muss sich ändern.“
© dpa, Gregorio Borgia, GB frd

21. Mai 2021 - 19:05 Uhr

Afrika wartet auf Impfstoff

Während wir in Deutschland schon darüber reden, ob man zwei verschiedene Impfstoffe mischen darf, warten viele ärmere Länder sehnsüchtig darauf, dass überhaupt irgendein Impfstoff geliefert wird. Das will die EU nun ändern – wohl auch aus eigenem Nutzen heraus.

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Zwei Milliarden Impfdosen für Afrika

Die Impfquote in Afrika ist schlecht – sehr schlecht. Nimmt man als Beispiel Nigeria – das bevölkerungsreichste Land des Kontinents – wird die Dramatik erst richtig deutlich. Von mehr als 200 Millionen Einwohnern sind erst knapp 1,9 Millionen geimpft. Das ist eine Quote von weniger als 1 Prozent. Und Nigeria gehört laut dem Statistikportal Statista noch zu den besser ausgestatteten Ländern. Im Vergleich: Deutschland kann aktuell knapp 40 Prozent vorweisen, von anderen Ländern, in denen die Impfkampagne schneller lief, wollen wir gar nicht reden.

Das will die Europäische Union nun aber offenbar ändern. Teil 1 ist ein umfangreiches Hilfsprogramm, das noch dieses Jahr mehr als eine Milliarde Impfdosen nach Afrika bringen soll. Beteiligt daran sind alle großen Impfstoff-Hersteller, mit denen die EU Partnerschaften geschlossen hat.

Das Ergebnis: etwa 1,3 Milliarden Impfdosen bis Ende dieses Jahres und weitere 1,3 Milliarden Dosen für 2022. Den Großteil kommt dabei von Biontech/Pfizer, die zwei Mal rund eine Milliarde Dosen bereitstellen wollen.

Deutschland spendet 30 Millionen weitere Dosen

Und auch Deutschland will seinen Teil leisten. Nach Angaben von Kanzlerin Angela Merkel wird Deutschland bis Jahresende zusätzlich 30 Millionen Corona-Impfdosen an das internationale Impfprogramm Covax spenden. Voraussetzung sei, dass die von Deutschland bestellten Impfstoffe auch tatsächlich ankämen, sagte Merkel beim Welt-Gesundheitsgipfel in Rom. Die deutschen Beiträge zur Impfhilfe liegen damit nun bei mehr als einer Milliarde Euro. Bisher seien 125 Länder mit 70 Millionen Dosen versorgt worden, so Merkel.

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Eine Milliarde Euro für Impffabriken

Zusätzlich will die EU Afrika aber auch für künftige Pandemien wappnen. Mit rund einer Milliarde Euro will die EU so genannte Impf-Hubs – also Impffabriken und Forschungsstationen – auf dem ganzen Kontinent entstehen. Die meisten davon wohl im Süden, Osten und Westen des Kontinents, berichtet das Handelsblatt. "Afrika importiert heute 99 Prozent seiner Impfstoffe und das muss sich ändern", sagte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Freitag beim Welt-Gesundheitsgipfel in Rom. Bei der nächsten Gesundheitskrise könnten an den Standorten dann Impfstoffe hergestellt werden, und afrikanische Länder hätten schneller Zugang.

Ganz uneigennützig ist das Programm aber wohl nicht. Denn Italiens Ministerpräsident Mario Draghi sagte, es sei eine wirkliche Bedrohung, wenn sich das Virus in Afrika weiter ungehindert ausbreiten könne. "In mehr als 180 Ländern wurden fast 1,5 Milliarden Impfstoffdosen verabreicht", nur 0,3 Prozent davon seien an ärmere Länder gegangen. Das sei inakzeptabel, so Draghi.

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