RTL News>

Corona bei der Nationalmannschaft - Impfstatus der Spieler? Darum mussten nicht alle Süle-Kontakte in Quarantäne

Impfdebatte ums DFB-Team

Darum mussten nicht alle Süle-Kontakte in Quarantäne

DFB schweigt zum Impfstatus der Profis

Nein, zum Impfstatus der Nationalmannschafts-Stars wollte sich DFB-Direktor Oliver Bierhoff nach dem Corona-Fall von Niklas Süle nicht äußern – auch wenn er bekannt gab, dass zumindest der Bayern-Star vollständig geimpft sei . Auch Teamarzt Tim Meyer wollte nicht mehr zu dieser Frage Preis geben. Aber zwischen den Zeilen konnte man dann doch etwas lesen: „Man diskutiert natürlich und jetzt kann man ja sagen - und das geht vielleicht auch dem ein oder anderen Menschen so, der sich geimpft hat - mache ich das aus Bequemlichkeit, mache ich das, um mein Leben richtig gestalten zu können oder mache ich das aus inhaltlicher Überzeugung?“, so Bierhoff einleitend und weiter: „Natürlich ist es immer auch ein Thema gewesen und ein Gedanke: Was passiert, sobald ein Spieler positiv getestet wird? Werde ich eigentlich auch in Quarantäne geschickt?“ Dann, wenn ich mich nicht impfen lasse. Fakt ist: Neun Nationalspieler reisten gemeinsam zum DFB-Quartier, Süle wurde dort positiv auf Covid-19 getestet. Doch nur vier von acht Mitreisenden müssen als Kontaktpersonen in Quarantäne. Auf der Suche nach Gründen lohnt ein Blick in gesetzliche Vorgaben.

„Die Impfung ist ein Kriterium“, aber…

Niklas Süle musste sich umgehend von seinen Nationalmannschaftskollegen absondern. Der Abwehrspieler vom FC Bayern München war nach seiner Anreise zum DFB-Team positiv auf das Coronavirus getestet worden, mindestens 14 Tage Isolation sind in diesem Fall vorgeschrieben. Der 26-Jährige wird die Länderspiele gegen Liechtenstein (Donnerstag, 20.25 Uhr live bei RTL) und in Armenien (Sonntag, 17:15 Uhr live bei RTL) verpassen. Süle ist laut Mitteilung des Deutschen Fußball-Bunds "vollständig geimpft und aktuell symptomfrei", die Infektion scheint demnach mild zu verlaufen.

Allerdings schickte das Gesundheitsamt Wolfsburg - in der Stadt am Mittellandkanal bereitet sich die Auswahl von Bundestrainer Hansi Flick vor - als zuständige Behörde auch vier weitere Nationalspieler als Kontaktpersonen der Kategorie 1 in Quarantäne: Serge Gnabry, Joshua Kimmich, Jamal Musiala und Karim Adeyemi. Dass es sich bei diesem Quartett um ungeimpfte Spieler handelt, wollte Teamarzt Tim Meyer bei der Pressekonferenz weder bestätigen noch dementieren: "Die Impfung ist ein Kriterium, genau wie die Intensität und Dauer der Kontakte." Der DFB hatte zuvor mitgeteilt, dass einzig Süle einen positiven Corona-Test hatte, alle anderen Tests waren negativ.

Auch die Tests von Kapitän Manuel Neuer und den Bayern-Spielern Thomas Müller, Leon Goretzka und Leroy Sane. Auch sie sind wohl mit Süle angereist – müssen aber eben nicht in Quarantäne. Bierhoff nannte ihre Namen nicht, gestand aber, dass vier weitere Spieler zwar beim Team bleiben dürfen, aber eine „besondere Betreuung“ bekommen: „Sie werden innerhalb der Gruppe isoliert an einem Tisch sitzen oder vereinzelt zum Training anfahren. Aber sie brauchen nicht abzureisen.“ Dafür werden sie öfter getestet.

VIDEO: So wird über Quarantäne entschieden

Anzeige:

Empfehlungen unserer Partner

Teamarzt verweist auf Gesundheitsämter in Wolfsburg und München

Für die Antwort allerdings auf die Frage, warum es diese vier sind und nicht etwa die komplette Reisegruppe um Süle - Meyer erklärte, dass der Verteidiger mit acht weiteren Nationalspielern gemeinsam angereist sei - betrifft, lohnt ein Blick in die niedersächsischen Corona-Richtlinien vom 1. November 2021. Auf die verwies das Gesundheitsamt in Wolfsburg auf Anfrage, der DFB hatte zuvor mitgeteilt, dass diese Behörde die Quarantäne angeordnet habe.

Darin heißt es, dass Kontaktpersonen von positiv auf Covid-19-Getesteten nach folgenden Kriterien in Quarantäne verwiesen werden: Ohne Symptome und ohne negativen Test sind mindestens fünf Tage vorgesehen, ausschlaggebend scheint aber eher eine andere Formulierung zu sein: Nämlich, dass für Geimpfte und Genesene keine Quarantäne nach Kontakt mit einem Covid-19-Infizierten angeordnet wird. DFB-Arzt Meyer verwies auf Nachfrage auf die Zuständigkeit des Gesundheitsamtes am Wohnort der Kontaktpersonen, "in dem Fall München-Land", so Meyer. Auch aus den dortigen Vorgaben ist zu entnehmen, dass nur bei vollständiger Impfung oder Genesung auf eine Quarantäne verzichtet wird.

Die in Deutschland alles überlagernde Impf-Debatte hat den Fußball spätestens mit dem Fall Joshua Kimmich erreicht. Der Bayern-Profi hatte Ende Oktober mit Verweis auf "persönliche Bedenken" aufgrund "fehlender Langzeitstudien" seinen Status als Ungeimpfter bestätigt. Die daraus resultierende Debatte war bis hoch zur Bundesregierung eskaliert. Die noch amtierende Kanzlerin Angela Merkel hatte sich ebenso geäußert wie die neue Bundestagspräsidentin Bärbel Bas oder SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach.

VIDEO - Bierhoff: So gehen die Spieler damit um

Bierhoff: Quarantäne-Konsequenz? „Es war klar“

Beim DFB selbst war man bemüht, die Debatte einzufangen und sachlich einzuordnen. "Ich bin geimpft. Und ich habe auch die DFB-Impfkampagne 'Schiri, ich hab' schon Gelb' aus Überzeugung unterstützt. Optimal wäre, wenn jeder Spieler bei uns geimpft wäre", sagte Hansi Flick Ende voriger Woche in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Der Bundestrainer warnte jedoch davor, jeden Ungeimpften "in eine bestimmte Ecke zu stellen." Bezugnehmend auf die Causa Kimmich sagte er: "Auch wenn Jo (Kimmich; Anm. d. Red.) nicht geimpft ist, ist er kein Corona-Leugner. Er gehört nicht zu Querdenkern und Verschwörungstheoretikern. Wer Jo kennt, der weiß, wie er tickt", und der Nationalspieler gehöre "nicht an den Pranger gestellt".

Oliver Bierhoff hatte Kimmich im Gespräch mit RTL/ntv den Rücken gestärkt. "Wir haben einfach keine Impfpflicht und solange das so ist, muss man auch jedem Menschen die Freiheit lassen, egal ob er A-Nationalspieler ist oder wer auch immer. Es sei denn, es ändern sich irgendwelche Regeln" , sagte der Direktor Nationalmannschaften und Akademie beim DFB und stellte Kimmichs umsichtiges Verhalten in den Vordergrund: "Ich finde, er handelt trotzdem verantwortungsvoll, wenn er sehr vorsichtig ist, mit der Familie nicht viel rausgeht, seine Maske trägt und auch alle zwei Tage getestet wird."

Einen Tag später muss Kimmich nun also in Quarantäne. Als ungeimpfte Kontaktperson. „Das ist schon mental eine schwierige Geschichte. Das ist schwer, daran hat man sicherlich auch zu knabbern“, gestand Bierhoff, gab aber auch zu: „Auf der anderen Seite: Das wusste man. Es war klar, dass das die Konsequenz sein muss.“ (Quelle: ntv.de/ana)