Bravo, FC Brügge!

Ey Paris St. Germain, was war denn da los? Milliarden-Ensemble kassiert amtliche Watschn in der Champions League

Allein, allein: Lionel Messi.
Allein, allein: Lionel Messi.
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16. September 2021 - 8:12 Uhr

Tja, amtlich verbockt ...

Paris St. Germain möchte in dieser Saison unbedingt einen Wettbewerb gewinnen: die Champions League. Der Premium-Kader wurde dafür noch einmal massiv aufgerüstet, doch dann geht es zum FC Brügge. Tja und was soll man sagen: Der Start in die neue Saison der Königsklasse ist amtlich verbockt.

Der irre Marktwert-Vergleich!

 BRUGGE, BELGIUM - SEPTEMBER 15: Lionel Messi and Neymar of Paris Saint-Germain during the UEFA Champions League group A match between Club Brugge KV and Paris Saint-Germain at Jan Breydel Stadium on September 15, 2021 in Brugge, B Club Brugge KV v P
Superstars unter sich: Neymar (l.) und Lionel Messi (r.).
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Was haben die 30 Spieler aus dem Profikader des FC Brügge mit Stürmer Kylian Mbappé gemeinsam? Nun, gemeinsam erreichen die 30 Fußballer des belgischen Meisters fast den gleichen Marktwert wie der 22 Jahre junge Franzose. Der Kader des Clubs aus der achtgrößten Stadt des Landes bringt aktuell exakt 150,30 Millionen Euro auf die Waage. Würde man noch 9,7 Millionen draufpacken, dann wäre man bei Mbappé. Der Mann mit dem Weltfußballer-Potenzial ist der teuerste Spieler im Mega-Giga-Premium-Aufgebot von Scheich-Club Paris St. Germain. Deren gesamtes Ensemble kratzt nach den sommerlichen Transfers von Lionel Messi, Gianluigi Donnarumma, Achraf Hakimi, Sergio Ramos und Georginio Wijnaldum (um nur die Top-Transfers zu nennen) an der Grenze zur Marktwert-Milliarde. 997,25 Millionen Euro kommen laut Transfermarkt.de zusammen.

Der wertvollste Spieler des FC Brügge, es ist der 22 Jahre alte niederländische Außenstürmer Noa Lang, bringt es aktuell auf 22 Millionen Euro. Im Pariser Marktwert-Ranking würde er sich mit dem Argentinier Leandro Paredes hinter Abdou Diallo (25 Millionen) und knapp vor Angel di Maria und Julian Draxler (20 Millionen) auf Platz 13 einreihen. Immerhin. Nun, dieses ganze erschütternde Zahlenwerk ist wichtig, um zu verstehen, wie großartig die Leistung der Belgier in der Champions League an diesem Mittwochabend war. Der FC Brügge hatte sich da tatsächlich ein 1:1 gegen Paris erkämpft und war sogar näher am Sieg als die Milliardentruppe, die in manchen Szenen ganz schön deppert aussah. Dass Torwart Keylor Navas der beste Mann war, das wird nicht Jedem gefallen.

Die Champions League kann so schön sein

Soccer Football - Champions League - Group A - Club Brugge v Paris St Germain - Jan Breydel Stadium, Bruges, Belgium - September 15, 2021  Club Brugge's Hans Vanaken celebrates scoring their first goal with teammates REUTERS/Piroschka Van De Wouw
Was für eine Atmosphäre im Jan-Breydel-Stadion.
© REUTERS, PIROSCHKA VAN DE WOUW, zc

Zumindest nicht auf der höchsten Ebene von PSG. Denn dort zirkulierte im Sommer das Geld. Die Macht der Zahlen drückte sich tatsächlich in den Ablösen aus, sondern eher in den Gehältern. Das Financial Fairplay wurde dabei natürlich beachtet. Heißt es aus dem Club. Es zeigt einfach nur, wie absurd diese Regel ist, die dem Wahnsinn am Markt doch eigentlich Einhalt gebieten sollte. Den Bossen aus Katar dürfte das freilich egal sein. Sie interessieren sich nur für eine Sache: Sie wollen endlich den Henkelpott, die Sehnsuchts-Trophäe aus der Königsklasse, gewinnen. Einzig und allein diesem Ziel dient das nächste Mega-Investment.

Ein kleiner, weil nur schwacher Trost: Auch Manchester United mit Messis großem Rivalen Cristiano Ronaldo hatte den Start in die neue Königsklassen-Spielzeit verbockt. Bei den Young Boys Bern gab es eine 1:2-Niederlage. Nach einem Horrorrückpass von Jesse Lingard in der Nachspielzeit. Wenn es noch Argumente für die Champions League und gegen die Super League braucht, dann dieses kleinen Wunder vor der wundervollen, euphorischen Kulissen.

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Die Superstars dürfen erstmals gemeinsam ran

BRUGGE, BELGIUM - SEPTEMBER 15: Kylian Mbappe of Paris Saint-Germain reacts during the UEFA Champions League group A match between Club Brugge KV and Paris Saint-Germain at Jan Breydel Stadium on September 15, 2021 in Brugge, Belgium. (Photo by Lars
Kylian Mbappé musste verletzt ausgewechselt werden.
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Ob den PSG-Bossen derweil nach ihrem Transferrausch bereits klar war, dass nicht nur massiv viele Euros Titel gewinnen, sondern dass es dafür auch ein gut funktionierendes Kollektiv braucht? Niemand weiß das so genau. Aber spätestens seit diesem Mittwochabend dürfte die katarische Feiergesellschaft im Wartestand ahnen, dass der Weg zum Pott keine Autobahn ohne Tempolimit ist (dann wäre der PSG-Bolide nicht aufzuhalten), sondern eher die A40 mit reichlich Stop-and-Go und einigen unangenehmen Ausfahrten.

Denn die Brügger brachten all das auf den Rasen, was Star-Ensembles manchmal in der Arroganz ihrer Überlegenheit vergessen. Die Gastgeber spielten mit Begeisterung und Leidenschaft. Sie ließen sich sogar vom frühen Gegentreffer nicht von ihrer mutigen Idee abbringen. Mbappé bereitete prima vor, Ander Herrera verarbeitete das Zuspiel nicht weniger stark (15.). In diesem Moment nahm alles seinen erwarteten Lauf. Die Pariser, bei denen die Superstars Mbappé, Messi und Neymar erstmals zusammenspielen durften, führten.

Brügge verpasst den Siegtreffer spektakulär

 BRUGGE, Jan Breydel Stadium, 15-09-2021 , season 2021 / 2022 , UEFA Champions League Group Stage. Final result 1-1, Club Brugge player Noa Lang celebrating after the game during the match Club Brugge - Paris Saint Germain Club Brugge - Paris Saint G
Bester Mann beim FC Brügge: Noa Lang.
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Aber sie gewannen keine Sicherheit, keine Dominanz. Sie wackelten hinten und waren im Spiel nach vorne seltsam gehemmt. Brügge nutzte das. Hans Vanaken glich nach 27 Minuten aus. Das Tor war eine Kopie der Pariser Führung. Flache Hereingabe von der linken Seite in den Rücken der Abwehr, Direktabnahme - Ausgleich. Und der 17-malige belgische Meister machte weiter. Vanaken mit einem tollen Freistoß und Charles De Ketelaere zwangen Navas zu zwei starken Paraden. Auf der anderen Seite zeigte Messi einmal seine Klasse im Solo und Abschluss. Doch sein Schuss klatschte an die Latte (29.). Der Superstar, der im Sommer unter Tränen (beim Abschied) vom ultraklammen FC Barcelona gekommen war, spielte vernünftig. Für viele andere Kollegen galt das nicht. Erst als Brügge ab der 80. Minute kaum noch Kraft hatte, zeigte PSG mal schnelle und wütende Angriffe – ohne gute Chancen.

Die letzte gute Szene, über die es sich zu reden lohnt, hatte Lang. De Ketelaere hatte seinen Partner am langen Pfosten erkannt und den Ball quer durch den Strafraum gechippt (das war schon stark), Lang setzt aus fünf Metern zum Fallrückzieher an, traf den Ball aber nicht richtig. Er ging vorbei. Was wäre dann bloß los gewesen im Jan-Breydel-Stadion? Die 27.546 Zuschauer hatten so schon für eine wahnsinnige Atmosphäre von den Rängen gesorgt und ihr Team zu einer zwischenzeitlich ebenso beeindruckenden wie überraschenden Überlegenheit getrieben. Fast doppelt so viele Schüsse aufs Tor hatten die Belgier abgegeben. Der Lohn in der (noch absolut nicht aussagekräftigen) Tabelle nach Spieltag eins: Platz zwei hinter Manchester City, der teuersten Mannschaft der Welt, der Marktwert liegt bei 1,04 Milliarden Euro. Die Mannschaft von Starcoach Josep Guardiola hatte RB Leipzig auf skurrile Weise mit 6:3 vermöbelt. (tno)