Er hielt Hygieneregeln in der Pandemie für Quatsch

Brasilien: Moderator und Corona-Leugner stirbt an Covid-19

Der brasilianische Moderator Stanley Gusman ist an den Folgen seiner Corona-Infektion gestorben.
Der brasilianische Moderator Stanley Gusman ist an den Folgen seiner Corona-Infektion gestorben.
© Stanley Gusman/Twitter

16. Januar 2021 - 17:58 Uhr

Corona-Leugner: Stanley Gusman hielt Vermeidung von Kontakten für Unsinn

Im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais ist ein bekannter Fernseh-Moderator und Corona-Leugner an den Folgen einer Covid-19-Infektion gestorben. Stanley Gusman, der sich gerne ohne Maske zeigte, hatte noch kurz vor Weihnachten den Bürgermeister von Belo Horizonte scharf kritisiert, weil der empfohlen hatte, sich über die Feiertage nicht mit der Familie zu treffen. Nur Tage später spürte Gusman die ersten Symptome. Am 4. Januar wurde er mit Atemnot in ein Krankenhaus eingeliefert, wo er in der Nacht des 10. Januar starb.

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Familie bangte tagelang um das Leben des an Covid-19 erkrankten Moderators

"Atme!", flehte die Schwester des Moderators noch kurz vor seinem Tod bei Facebook. Es müssen schlimme Stunden für die Familie gewesen sein. "An Tagen, an denen meine Füße schwer sind und ich den Boden nicht spüre, umarme ich den Wind und fühle, wie Gott Hoffnung in mein Herz bläst", postete Gisele Ramos Gusman Franzini am Tag vor dem Tod ihres Bruders. Doch alles Hoffen war vergeblich: Stanley Gusman erlag einer Infektion, die durch seine Covid-19-Erkrankung ausgelöst wurde, teilten seine Ärzte mit.

Gusman, der als Unterstützer des brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro gilt, hatte sich immer wieder kritisch über die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie geäußert. Von der Vermeidung von Kontakten hielt er nichts. "Ich werde meine Eltern nicht umbringen. Es gibt auch niemanden, der mich davon abhält, meinen Eltern in die Augen zu sehen und ihnen zu sagen: Ich liebe euch", twitterte der Moderator noch am 18. Dezember 2020. Zumindest, was den ersten Teil seiner Aussage angeht, sollte der Moderator recht behalten. Seine Eltern leben noch, aber in die Augen kann er ihnen nicht mehr schauen, denn er selbst starb an dem Virus.

Stanley Gusman dachte, er würde sich schnell von Corona erholen

Auch von den geplanten Corona-Impfungen hielt er nicht viel. Lieber wolle er eine Million Mal das Malariamittel Hydroxychloroquin nehmen, bevor er sich mit dem "China-Impfstoff" impfen lassen werde, zitierte ihn das Portal "Extra". Brasilien setzt bei seiner geplanten Impfkampagne unter anderem auf einen chinesischen Impfstoff. Auch Präsident Bolsonaro hatte sich selbst mit Hydroxychloroquin behandelt, als er sich mit Covid-19 infizierte. Dass das Mittel überhaupt gegen das Virus wirkt, konnte bisher durch keine Studie belegt werden. Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) warnt vor schweren Nebenwirkungen bei Anwendung des Wirkstoffs zur Behandlung von Corona.

Auch Gusman soll das Malariamedikament genommen haben, als er positiv auf Corona getestet wurde. Er sei davon ausgegangen, schnell wieder gesund zu werden, berichten brasilianische Medien. Doch der Moderator hatte die Folgen der Krankheit massiv unterschätzt. Sein Zustand verschlechterte sich Anfang Januar und er wurde auf die Intensivstation eines Krankenhauses in Nova Lima in der Nähe von Belo Horizonte gebracht, wo er wenige Tage später starb.

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Stanley Gusman (49) hinterlässt Frau und Sohn

"Komm mit mir, Minas Gerais" – dieser Satz war das Markenzeichen des Moderators, mit dem er jede Show für den Sender TV Alterosa eröffnete. "Minas Gerais hat einen großartigen Journalisten verloren", zitierte die Zeitung "Estado de Minas" den Chef des Senders, für den Gusman arbeitete. "Er repräsentierte die Gesellschaftsschichten, die weniger Glück hatten und war immer bestrebt das Leben jedes einzelnen besser zu machen." Gusman hinterlässt eine Frau und einen Sohn, sowie seine Eltern und Geschwister.