Fünfte Runde für die Geschichtsbücher

Heute vor drei Jahren: Klitschkos epische Wembley-Schlacht gegen Joshua

Britain Boxing Anthony Joshua v Wladimir Klitschko IBF IBO & WBA Super World Heavyweight Title s
© imago/PanoramiC, Andrew Couldridge, imago sportfotodienst

29. April 2020 - 10:06 Uhr

29. April 2017 - Joshua vs. Klitschko

Heute vor drei Jahren lieferten Anthony Joshua und Wladimir Klitschko den wohl besten Kampf der jüngeren Schwergewichts-Geschichte. Für Klitschko war das Duell mit seinem 14 Jahre jüngeren Thronfolger das letzte Hurra im Ring - und was für eins. Trotz seiner Niederlage feierten ihn 90.000 Briten euphorisch. Unser Autor war am 29. April 2017 als Reporter im Wembley-Stadion - und erinnert an eine ganz spezielle Runde des legendären Schlagabtausches.

Von Martin Armbruster

Es war eine Runde für die Geschichtsbücher, dieser 5. Akt des epischen Generationen-Duells zwischen Altmeister Wladimir Klitschko und Weltmeister Anthony Joshua

Von schweren Treffern des 27-jährigen IBF-Champions auf die Bretter gezwungen und aus einer tiefen Schnittwunde über dem linke Auge blutend, kämpfte Klitschko wie ein verwundeter Löwe - ein Alphatier, das im Begriff ist, sein Revier an einen jungen Rivalen zu verlieren.

Mit linken Haken und rechten Geschossen keilte Klitschko vor 90.000 euphorisierten Engländern entschlossen zurück. Er signalisierte dem vor Kraft und Selbstsicherheit beinahe platzenden Joshua nicht nur seinen unerschütterlichen Kampfeswillen - er zeigte "das Herz eines wahren Champions", wie Box-Legende Roy Jones Jr. erkannte.

Wladimir Klitschko am Boden, Anthony Joshua jubelt
Wladimir Klitschko musste gegen Anthony Joshua zum ersten Mal nach 11-jähriger Total-Dominanz wieder auf die Bretter
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Neu entdeckter Aufwärtshaken

Klitschko überstand das Faust-Gewitter des Briten nicht nur. Als 'AJ' sich mit seinen auf Vernichtung ausgelegten Schwingern verausgabt hatte, übernahm 'Dr. Steelhammer' das Kommando.

Erst mit seinem legendären linken Haken, dann mit einem gewaltigen Uppercut - den man von Klitschko in all den vergangenen Jahren immer vermisst hatte - wendete der 41-jährige Altmeister das Blatt. Auf einmal hing Joshua in den Seilen.

So durfte sich der eben noch wie der sichere Sieger aussehende Brite glücklich schätzen, als die Glocke das Ende der Runde läutete. "Ein Klassiker der Schwergewichts-Geschichte", entfuhr es Box-Historiker Max Kellerman, der für die US-Kollegen von HBO am Seilgeviert saß.

Wie einst Holyfield und Bowe

Drei Minuten voller Schläge, in denen sich ein schon geschlagen scheinender Kämpfer aus dem Ringstaub erhebt und seinen Peiniger selbst in die Untiefen der Box-Hölle zwingt: Eine solche Dramaturgie hatte man zuletzt im November 1992 gesehen, als der von Riddick Bowe nur so durch den Ring geprügelte Evander Holyfield die Herrschaft über seine Beine zurückgewann und 'Big Daddy' mit einer schier irrsinnigen Energieleistung zum Ende des 10. Durchgangs seinerseits an den Rand der Niederlage brachte.

Klitschko trifft Joshua mit der Rechten
Volltreffer! Nach seinem Bodenbesuch schlug Klitschko erbarmungslos zurück.
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Eine der spektakulärsten Runden der Schwergewichts-Geschichte

Die Runde gilt heute als eine der besten und spektakulärsten der Schwergewichts-Historie. Seit dem 29. April von Wembley hat sie dort Gesellschaft.

Was in London nach dem 5. Faustgang passierte, ist bekannt: Obwohl Klitschko den nicht minder aufopferungsvoll kämpfenden Joshua in der folgenden Runde mit einer krachenden Rechten auf die Bretter schickte, blieb ihm der Triumph beim Auswärtsspiel verwehrt.

Seinen Platz als einer der ganz Großen des Schwergewichts-Boxens hat der langjährige Regent der Königsklasse aber ironischerweise mit seiner vielleicht bittersten Niederlage zementiert. Dank einer großartigen Leistung, eines unbeugsamen Kämpferherzens - und einer schon jetzt legendären Runde.

Hinweis: Dieser Artikel erschien in leicht veränderter Fassung bereits am 1. Mai 2017