Box-Blockbuster in Saudi-Arabien

So viel Kohle kommt bei Joshua vs. Fury zusammen

Anthony Joshua trifft im Sommer in Saudi-Arabien auf Tyson Fury
Anthony Joshua trifft im Sommer in Saudi-Arabien auf Tyson Fury
© Pool via REUTERS, ANDREW COULDRIDGE, gb

18. Mai 2021 - 8:52 Uhr

Anthony Joshua und Tyson Fury sahnen mächtig ab

von Martin Armbruster

Anthony Joshua vs. Tyson Fury: Der Kampf der britischen Champions um die unumstrittene Schwergewichts-Krone ist praktisch fix: Sofern Deontay Wilder nicht dazwischenfunkt, fliegen am 14. August in Saudi-Arabien die Fäuste. Selbst bei konservativer Rechnung steht schon vor dem ersten Gong fest: Der Briten-Clash in der Wüste wird Rekorde sprengen. Kein Athlet dieser Welt wird 2021 für eine einzige Sport-Darbietung so viel Geld kassieren wie die beiden Boxer.

Saudische Königsfamilie macht den Geldkoffer auf

Nach monatelangem Hick-Hack um Vertragsdetails samt gegenseitiger Vorwürfe der zuständigen Promoter hat der Boxkampf des Jahres nunmehr royalen Segen – saudisch-royalen, um genau zu sein. Prinz Khalid (Sohn des Herrschers und stellvertretender Verteidigungsminister des totalitären Königshauses) habe ihm persönlich am Telefon versichert, dass der Fight am 14. August in Saudi-Arabien stattfinde, ließ Fury wissen. Er könne es kaum erwarten, seinen Landsmann Joshua "auf der größten Bühne aller Zeiten" zu vermöbeln.

Zwei Briten, die um die unumstrittene Meisterschaft aller Klassen kämpfen – für das "Vereinigte Fäustereich" ist es zweifellos ein Kampf des Jahrhunderts, aber auch der Rest der Sport-Welt wird im Sommer gebannt gen Mittelost blicken. Denn: Es ist ein Sport-Event gewaltigen Ausmaßes.

150 Millionen US-Dollar ist den Saudis die "Austragungs-Gebühr" für den Box-Blockbuster wert. Da sich Joshua und Fury für Kampf 1 auf einen 50/50-Split der Einnahmen geeinigt haben, heißt das: 75 Millionen Dollar kassieren die Boxer allein von der saudischen Königsfamilie.

Pay-per-View-Rekord in Großbritannien nur Formsache

Damit ist die Börse allerdings noch längst nicht voll. Auch die Pay-per-View-Einnahmen werden die Kasse klingeln lassen. Laut Joshua-Promoter Eddie Hearn soll der erste Wüsten-Gong "gegen Mitternacht" ertönen, in New York wäre es dann 5 Uhr nachmittags, in England 22 Uhr – akzeptable Sendezeiten für die Fernsehstationen.

In den USA wird der Kampf aller Voraussicht nach bei ESPN über den Äther gehen. Konservativ bemessen, dürfte der Sender rund 50 Dollar fürs Bezahlfernsehen aufrufen. Geht man davon aus, dass Joshua vs. Fury den Pay-per-View-Rekord im Schwergewicht (1,07 Millionen US-Zuschauer bei Lennox Lewis vs. Mike Tyson 2002) übertrifft, also 1,1 Millionen US-Fans zahlen, um zu sehen, kämen schon mehr als 50 Millionen Dollar (gut 25 Millionen pro Boxer-Nase) zusammen.

Noch mehr Kohle wird auf der Insel abgebaut. Die TV-Sender Sky und BT dürften sich die Pay-per-View-Rechte teilen – schließlich winkt eine Rekord-Quote. Joshuas epische Schlacht gegen Wladimir Klitschko 2017 gaben sich 1,5 Millionen Briten, die Revanche ihres Ring-Darlings gegen Andy Ruiz im Dezember 2019 sahen 1,6 Millionen. Bei Joshua vs. Fury sind zwei Millionen Zuschauer in Großbritannien locker drin. Sollten Sky und BT erwartbare 30 Pfund (rund 42 Dollar) TV-Eintritt verlangen, stünden Einnahmen jenseits der 80 Millionen Dollar zu Buche.

Rechnet man nur die TV-Märkte im UK und den USA zusammen, wird der Wüsten-Fight mehr als 130 Millionen Dollar einspielen.

RTL.de empfiehlt

Anzeigen:
FILE PHOTO: Boxing - Deontay Wilder v Tyson Fury - WBC Heavyweight Title - The Grand Garden Arena at MGM Grand, Las Vegas, United States - February 22, 2020 Tyson Fury in action against Deontay Wilder REUTERS/Steve Marcus/File Photo
Tyson Fury stand zuletzt im Februar 2020 im Ring, als er den Amerikaner Deontay Wilder verdrosch
© REUTERS, Steve Marcus, /FW1F/Christian Radnedge

300 Millionen Dollar, 0 Gläser

Unklar ist noch, wo in Saudi-Arabien die Fäuste fliegen. Im Gespräch sind die Hauptstadt Riad und die Hafenstadt Dschidda am Roten Meer. Laut Promoter Hearn wollen die Saudis – wie schon bei Joshua vs. Ruiz IIbinnen weniger Wochen eigens eine Arena für das Spektakel aus dem Boden stampfen. Das Stadion soll zwischen 18.000 und 20.000 Zuschauer fassen. Die Ticket-Preise werden stattlich sein, für Plätze am Ring schwindelerregende Dimensionen erreichen.

Konservativ angenommen, der durchschnittlichen Ticket-Preis liegt bei 1.500 Dollar und 18.000 Fans sind dabei, betrüge das "Live-Gate" aus Zuschauer-Einnahmen vor Ort 27 Millionen Dollar. Historischer Exkurs: Schon vor 100 Jahren wurde für den "Kampf des Jahrhunderts" zwischen Jack Dempsey und George Carpentiers in New Jersey ein Holzstadion ("Boyle's Thirty Acres) für 90.000 zahlende Zuschauer errichtet. Die Einnahmen übertrafen damals zum ersten Mal eine Million Dollar.

Zurück in die Gegenwart: Rechnet man die gewaltige Saudi-"Einmalzahlung", die erwartbaren Pay-per-View- und Zuschauer-Einnahmen zusammen, stehen unterm Strich weit mehr als 300 Millionen Dollar (circa 246 Millionen Euro) auf dem Deckel. Die Werbe- und Sponsoren-Einnahmen sowie die internationalen TV-Gelder noch nicht einmal berücksichtigt. Joshua wie Fury – so viel ist sicher – werden im Sommer um die 150 Millionen Dollar (123 Millionen Euro) reicher sein.

Eine einfachere Zahl zum Schluss: 0. Null Pints respektive Halb-Liter-Gefäße köstlichen Gerstensafts werden am 14. August im Saudi-Stadion geleert. Im Königreich der Al Sauds herrscht striktes Alkoholverbot.

Auch interessant