Starkstrom-Frisur noch immer sein Markenzeichen

Don King: Der skrupellose Box-Strippenzieher wird 90

Don King feiert seinen 90. Geburtstag - ein mehr als erstaunliches Alter angesichts seiner Lebensgeschichte.
Don King feiert seinen 90. Geburtstag - ein mehr als erstaunliches Alter angesichts seiner Lebensgeschichte.
© Getty Images, Al Bello

20. August 2021 - 10:52 Uhr

Der Mann, der über Leichen ging und für den Dollar lebte

Klaus Kinski spielte mal einen Kopfgeldjäger. Der Western heißt "Leichen pflastern seinen Weg." Es könnte auch der Titel über das Leben des Don King sein. Heute feiert der skrupellose Box-Promoter, der einst die großen Kämpfe von Muhammad Ali und Mike Tyson organisierte und dabei Millionen scheffelte, seinen 90. Geburtstag. Und das, obwohl unter der Starkstromfrisur seit Jahrzehnten Schrot steckt.

King tötete zwei Menschen

Ändern wird sich Don King nicht mehr. Auch mit 90 Jahren scheut der skrupelloseste Strippenzieher im Box-Zirkus keinen Kampf. Gerade erst wurde die schillernde Promoter-Legende vom Kölner Schwergewichtler Mahmoud Charr verklagt - es passt zu King. Jucken dürfte ihn ein schnöder Rechtsstreit um ein paar Millionen an seinem runden Geburtstag aber kaum, dafür haben den Jubilar schon ganz andere Boxer (Ali, Tyson, Larry Holmes, Lennox Lewis) verklagt. Überhaupt: Dafür hat King schon zu viel er- und überlebt.

Don King, das ist das Großmaul, der fähnchenschwenkende Mann mit der weltberühmten Starkstromfrisur. Das ist der Mann, der in den 1970er Jahren zur einflussreichsten Person im Profiboxen wurde. Und das alles nach einer Lebensgeschichte, die der eines Schwerkriminellen glich. 1954 tötete "Mr. Boxing" einen Mann, der sein Wettbüro ausrauben wollte. Wegen Notwehr wurde er freigesprochen.

Fünf Jahre später überlebte King eine Schießerei, obwohl ihn mehrere Kugeln trafen. Dass unter seinen sträubenden Locken jahrzehntelang Schrot-Splitter steckten, fanden Ärzte 2001 zufällig bei einem Sicherheitscheck heraus. Zuvor hatte sich der Promoter-König bei einem turbulenten Flug mit seinem von ihm selbst gesteuerten Privatjet die Ömme angeschlagen.

"Rumble in the Jungle" und "Thrilla in Manila" seine Werke

MUHAMMAD ALI TURNS 65    Muhammad Ali a.k.a Cassius Clay is 65 on January 17 2007.  The boxer who was said to 'float like a butterfly and sting like a bee' was the first man to win the heavyweight title three times and, during what is called boxing's
Don King organisierte den Thrilla in Manila zwischen Muhammad Ali (l.) und Joe Frazier
© New York Daily News / WENN, DN1

Kings Gangster-Geschichte ist damit aber noch nicht erzählt. 1967 prügelte er mit dem Kolben seiner Waffe auf einen Mitarbeiter seines Glücksspielgeschäfts ein, weil dieser ihm Geld schuldete. Nach fünf Tagen im Koma starb der Mann. Lebenslang lautete die Strafe für King. Sie wurde auf 15 Jahre verkürzt. Letztlich verbüßte er drei Jahre und elf Monate hinter Gittern und kam 1971 auf Bewährung frei.

Danach startete er seine zweite Karriere im Boxbusiness, die bis heute ihresgleichen sucht. Der Durchbruch glückte ihm 1974 mit dem berühmten "Rumble in the Jungle", als er in Kinshasa im damaligen Zaire den legendären Kampf zwischen Muhammad Ali und George Foreman veranstaltete.

Beiden Boxern versprach er die damals unvorstellbare Summe von jeweils fünf Millionen Dollar. Das Geld holte er sich von Zaires Diktator Mobutu, Skrupel hatte King keine. Ein Jahr später folgte das nächste Highlight, der "Thrilla in Manila" zwischen Ali und Joe Frazier auf den Philippinen, die mit Präsident Marcos ebenfalls ein Autokrat beherrschte.

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King der Teufel in Person

Ab da ging kaum noch etwas ohne Don King. Er zog gekonnt die Strippen. Wer als Boxer hoch hinaus wollte, musste zu King. Er war der Garant für Spektakel, große Karrieren und das große Geld. Da war es egal, dass der Vater von drei Kindern seinen Kämpfern auch schon mal Geld vorenthielt, Betrug und Streit gehörten zu seinem Geschäft.

Frei nach dem Motto "Leg' den Boxer rein, bevor er dich reinlegen kann" scheffelte er viele Millionen Dollar. "King würde seine eigene Mutter für einen Dollar töten", sagte Tyson, "er ist rücksichtslos, bedauernswert, habgierig und kann niemanden lieben." King, so Iron Mikes vernichtendes Urteil, habe "schwarzen Boxern mehr schlechte Dinge angetan als jeder weiße Promoter in der Geschichte des Boxens".

Auch Larry Holmes, in den Achtzigern der Schwergewichts-König, fand keine lobenden Worte. "Wissen Sie, warum er die Haare so hoch trägt?", fragte er nach der Trennung von King: "Er will die Hörner verstecken ..."

Klitschkos durchschauten King

MANNHEIM, GERMANY - MARCH 10: Don King congratulates Wladimir Klitschko for his victory after the IBO and IBF World Heavyweight Championship fight between Wladimir Klitschko of Ukraine and Ray Austin of U.S. at the SAP Arena on March 10, 2007 in Mann
Die Klitschkos (hier Wladimir) legte King mit seinen Spielchen nicht rein.
© Bongarts/Getty Images, Bongarts

Kings Sündenliste ist so lang wie die der von ihm veranstalteten Kämpfe. Und das sind weit mehr als 200. Prominenteste Namen neben Ali, Frazier und Foreman waren Tyson, Holmes und Evander Holyfield. King lockte sie, knebelte sie, saugte sie aus - legte aber auch stets seine schützenden Hände über sie. Deshalb, und weil er beste Kontakte zu den Weltverbänden unterhielt, kamen sie alle zu ihm. King verschaffte Titelkämpfe.

Einzig an den Klitschkos biss sich der gerissene Promoter die Zähne aus. Vitali erzählt noch heute gerne, wie King die Brüder nach Wladimirs Olympiasieg 1996 in Atlanta in sein Reich locken wollte. Um die Boxriesen zu beeindrucken, habe sich der Box-Pate in seiner Villa an einen Flügel gesetzt und Mozart gespielt. Wow, hätten die Klitschkos erst gedacht, ehe ihm aufgefallen sei, dass das Piano von alleine klimperte, berichtete Vitali. Don Wolfgang Amadeus ein Fake. Da, so Vitali, habe er gewusst, dass King nicht der Richtige sei, um die Klitschko-Karriere anzukurbeln.

Charr-Klage am Hals

Während andere in seinem Alter längst im Altersheim weilen, ist King immer noch aktiv. Zuletzt machte Charrs Klage gegen den Promoter Schlagzeilen. Der Kölner wirft King und fünf weiteren Parteien das "jahrelange Verhindern von Titelkämpfen durch Nichteinhaltung von Absprachen und Verträgen" vor und fordert rund 3,9 Millionen Euro.

Mit Tricksereien soll King erwirkt haben, dass der einst "reguläre" WBA-Weltmeister Charr von dem Verband zum "Weltmeister im Wartestand" erklärt wurde. Zuzutrauen war einem Don King schon immer alles. (mar/sid)

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