Prozess gegen Bordellbetreiber Mustafa E. in Berlin

Sex-Flatrate bis zur völligen Erschöpfung: Zuhälter zwang Frauen offenbar zu Gruppensex

Mustafa E. (r.) musste sich am Mittwoch vor Gericht verantworten.
Mustafa E. (r.) musste sich am Mittwoch vor Gericht verantworten.
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12. März 2021 - 9:45 Uhr

Verdächtiger soll sich selbst an Frau vergangen haben

Sogar vor Minderjährigen machte er offenbar nicht Halt. Am Mittwoch musste sich Mustafa E. vor dem Berliner Landgericht verantworten. Der 55-Jährige betreibt ein Bordell am Kamenzer Damm im Stadtteil Lankwitz. Zwischen November 2016 und 2020 habe er dort Sex-Flatrates für Gruppensex angeboten, heißt es. Das Problem: Die Frauen wurden angeblich dazu gezwungen. Außerdem soll sich E. an einer Frau vergangen haben. Ihm werden jetzt Zuhälterei, Menschenhandel, sexueller Missbrauch und sexueller Missbrauch von Jugendlichen vorgeworfen. Einige der Anklagepunkte gestand der Verdächtige am Mittwoch.

Eine Frau soll mit bis zu 30 Männern am Tag Sex gehabt haben

Der Verdächtige muss sich vor dem Landgericht in Berlin verantworten.
Der Verdächtige muss sich vor dem Landgericht in Berlin verantworten.
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Die Liste der Vorwürfe gegen Mustafa E. ist lang. Der Mann, der das Bordell betreibt, muss sich jetzt für gleich mehrere Taten vor Gericht verantworten. Mehrere Freier soll er auf einmal zu einer Prostituierten geschickt haben. Die Männer konnten dann jeweils so lange bleiben und so oft mit der Frau verkehren, wie sie wollten.

Beim Prozessauftakt in Berlin werden schreckliche Details bekannt: Die Frauen sollen mit bis zu 30 Männern am Tag Sex gehabt haben. Beim Gruppensex hätten sie oft nur eine halbe Stunde durchgehalten, heißt es. Für ihren Einsatz bekamen die Frauen 100 Euro pro Stunde.

Für die Festlegung der Tarife und des Lohns sei der Angeklagte selbst zuständig gewesen. Mustafa E. soll mindestens eine Prostituierte zum Geschlechtsverkehr gezwungen haben, um sie "zu testen". Die Frau soll das zuvor jedoch abgelehnt haben.

Viele der Prostituierten sollen zu jung gewesen sein, um für Mustafa E. zu arbeiten

Damit nicht genug: Die Frauen sollen alle unter 21 Jahre alt gewesen sein. Laut Prostituiertenschutzgesetz ist die Arbeit unter einem Zuhälter aber erst ab 21 Jahren erlaubt. Andernfalls kann keine offizielle Anmeldebescheinigung ausgestellt werden, heißt es auf der Website des Bundesamts für Justiz.

Hinzu kommt, dass der 55-Jährige ein Verhältnis mit einem gerade mal 15-jährigen Mädchen gehabt haben soll. Laut Gericht habe er es auf der Seite "MySugarDaddy.de" kennengelernt.

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Gerichtssprecherin: Er wird des Menschenhandels verdächtigt

Die Berliner Gerichtssprecherin Lisa Jani sagte, der Verdächtige werde des Menschenhandels und der Förderung der Prostitution beschuldigt.
Die Berliner Gerichtssprecherin Lisa Jani sagte, der Verdächtige werde des Menschenhandels und der Förderung der Prostitution beschuldigt.
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Vor Gericht zeigte sich der Angeklagte beinahe entspannte, das berichtete RTL-Reporterin Franca Pörsch. Er habe ruhig dagesessen und den Prozess verfolgt. "Dem Angeklagten wird Menschenhandel, Zuhälterei und Förderung der Prostitution vorgeworfen. Des Weiteren soll er des sexuellen Missbrauchs einer Jugendlichen schuldig sein", sagte Gerichtssprecherin Lisa Jani im RTL-Interview.

Zu seinem Verhältnis zu der Minderjährigen meinte Mustafa E., dass er ihr Turnschuhe gekauft hätte und 150 Euro gegeben hätte für Sex. Als er erfahren habe, dass sie minderjährig sei, habe er sich vorerst zurückgezogen. Aus Eifersucht hätte er sich später dann aber doch wieder mit dem Mädchen getroffen. Was das Bordell anbelangt habe der Angeklagte ebenfalls gestanden. Auch, wenn er darauf hinwies, dass es sich um weniger als 30 Männer pro Tag gehandelt habe, mit denen "seine" Frauen verkehrten.

Das Urteil war ursprünglich für Ende April vorgesehen. Da Mustafa E. aber geständig und an einem schnellen Ergebnis interessiert ist, wäre es möglich, dass der Prozess bald schon beendet werden kann.

Immer weniger Sexualstraftaten werden aufgeklärt

Wie aus einer Recherche der Berliner Zeitung hervorgeht, wird nur weniger als die Hälfte aller Straftaten in der Stadt aufgeklärt. Dabei gebe es immer mehr Sexualstraftaten, die entweder gar nicht oder nur mit geringen Strafen geahndet würden. Laut des Berichts seien allein im vergangenen Jahr 2.965 "Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung und Straftaten gegen das Leben" eingestellt worden. Der Grund: Kein Schuldiger konnte ermittelt werden. Das entspreche einer Steigerung von 35 Prozent gegenüber dem Vorjahr.