Polizei gibt weitere Details bekannt

Bluttat von Würzburg: Rätsel um Motiv des Täters

Messerattacke in Würzburger Innenstadt
Messerattacke in Würzburger Innenstadt
© dpa, Karl-Josef Hildenbrand, kjh sab

26. Juni 2021 - 17:44 Uhr

Mutmaßlicher Täter von Würzburg: Haftbefehl gegen 24-Jährigen erlassen

Das Motiv für die Bluttat in Würzburg mit drei Toten ist weiterhin unklar. Bei einer Pressekonferenz hat die Polizei jetzt weitere Details zur Tat bekanntgegeben. Gegen den mutmaßlichen Täter wurde laut Staatsanwaltschaft Haftbefehl wegen dreifachen Mordes und mehrfachen versuchten Mordes erlassen. Der festgenommene Mann habe bislang keine Aussage zur Tat gemacht, hieß es. Der 24-jährige Somalier befinde sich nun in der JVA in Würzburg. Sowohl ein islamistisches Motiv als auch psychische Auffälligkeiten als möglichen Hintergrund zur Tat schließen die Ermittler bislang nicht aus.

Herrmann: Islamistisches Motiv und psychiatrische Belastungen schließen sich als Motiv nicht aus

Das Motiv für die Tat sei weiter nicht eindeutig, betonte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) bei der Pressekonferenz. Es müsse jetzt ermittelt werden, inwiefern die Psyche des 24 Jahre alten Somaliers eine Rolle gespielt habe und inwiefern islamistische Einstellungen zur Tat beigetragen hätten, so Herrmann. Diese möglichen Tatmotive schlössen sich gegenseitig nicht aus, sagte der CSU-Politiker. Die Ermittler gingen weiter davon aus, dass es sich um einen Einzeltäter handelt. Der Pflichtverteidiger des Somaliers, Hanjo Schrepfer, sagte, sein Mandant sei trotz einer Beinschussverletzung als haftfähig eingestuft worden. Nach Gesprächen mit dem 24-Jährigen könne er bisher kein islamistisches Motiv erkennen. "Offiziell hat er sich noch nicht zur Sache eingelassen", sagte Schrepfer.

Bayerns Innenminister Herrmann zeigte sich schockiert über die Tat. "Unfassbar, dass sich soetwas überhaupt in unserem Land, dieser herrlichen Stadt, ereignen kann. Unsere Gedanken sind bei den Toten, bei den Verletzten und deren Angehörigen", sagte er. Herrmann bedankte sich bei den Einsatzkräften vor Ort und bei den Ermittlern.

25.06.2021, Bayern, Würzburg: Joachim Herrmann, bayerischer Innenminister (CSU) steht bei einem Interview. In Würzburg hat ein Mann wahllos Menschen mit einem Messer attackiert. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur sind drei Personen getöt
Bayerns Innenminister Herrmann: Islamistisches Motiv und psychiatrische Belastungen schließen sich als Motiv nicht aus
© dpa, Karl-Josef Hildenbrand, kjh

Polizei Würzburg findet Hassbotschaften in Flüchtlingsunterkunft

Offenbar gibt es zwar Hinweise auf einen islamistischen Hintergrund, bislang haben die Ermittler jedoch keine eindeutigen Beweise. Bei einer Durchsuchung der Wohnung des mutmaßlichen Täters habe man ein Handy gefunden, das derzeit ausgewertet werde, so Kriminaldirektor Armin Kühnert. Man habe außerdem Material mit Hassbotschaften bei dem Mann gefunden. Auch diese müssten erst ausgewertet werden, was wegen der dabei genutzten Fremdsprache etwas dauere.

Würzburgs Oberbürgermeister Christian Schuchart betonte, dass die Ermittlungen abgewartet werden müssten – laut Zeugenaussagen hätte der mutmaßliche Täter bei der Tat "Allahu Akbar" gerufen, gleichzeitig wisse man aber auch, dass er sich in psychiatrischer Behandlung befunden habe. Schuchart warnte davor, "Rückschlüsse" aufgrund der somalischen Herkunft des mutmaßlichen Täters zu ziehen.

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Mutmaßlicher Täter von Würzburg wurde bereits im Januar 2021 auffällig

Der Täter, ein 24-Jähriger aus Somalia, wohnte in einer Flüchtlingsunterkunft in Würzburg. Der Mann lebte mit Schutzstatus seit 2015 legal in Deutschland, seit 2019 in Würzburg. Das Asylverfahren ist allerdings noch nicht abgeschlossen. Im Januar 2021 sei er erstmals wegen Drohungen gegen seine Mitbewohner aufgefallen. Kurz nach dem Streit sei er in eine psychiatrische Einrichtung eingeliefert und zwei Wochen später wieder entlassen worden, sagte der Generalsstaatsanwalt von Bamberg Wolfgang Gründler bei der Pressekonferenz. Der ersten Auffälligkeit seien weitere Ermittlungen gegen den Mann gefolgt, er wurde außerdem demnach erneut in eine psychiatrische Klinik eingeliefert.

Bluttat von Würzburg: Drei Opfer starben noch im Kaufhaus

Der Würzburger Polizeipräsident Gerhard Kallert beschrieb bei der Pressekonferenz noch einmal den Ablauf der Tat. Der Täter habe in einem Kaufhaus in der Innenstadt eine Verkäuferin angesprochen und nach den Messern gefragt. Kurz darauf habe er sich ein Messer aus der Auslage genommen und unvermittelt auf die Verkäuferin eingestochen. Die Verkäuferin sei noch vor Ort ihren Verletzungen erlegen, so Kallert. Dann habe er auf zwei weitere Frauen eingestochen, die ebenfalls im Kaufhaus verstorben seien. Danach griff er demnach weitere Menschen in einer Bank und auf der Straße an. Knapp zwei Minuten nach dem ersten Notruf sei die Polizei eingetroffen. Mit dem Messer in der Hand sei er schließlich auf die Beamten zugegangen, worauf einer der Polizisten dem Täter ins Bein geschossen habe und ihn so überwältigte. Ob der Mann konkret Jagd auf Frauen machte oder ob es Zufall sei, dass die Opfer größtenteils weiblich seien, könne man noch nicht sagen, hieß es.

"Ich habe Verletzte gesehen, ich habe Tote gesehen", sagte Kallert. Er bedankte sich unter anderem bei Bürgern, die durch das Verbrechen in eine Extremsituation geraten seien und mitgeholfen hätten, den Täter in eine Gasse zu treiben. (vdö)