Mit ihrer Geschichte will sie für korrekte Diagnosen kämpfen

Blähungen entpuppen sich als Eierstockkrebs: Rebecca feiert mit 49 Jahren ihr letztes Weihnachtsfest

Rebecca weiß: Das wird mein letztes Weihnachtsfest sein.
Rebecca weiß: Das wird mein letztes Weihnachtsfest sein.
© PA Real Life

18. Dezember 2020 - 9:29 Uhr

Rückenschmerzen und Blähungen wurden falsch diagnostiziert

Rebecca Betts ist 49 und sie ist sich sicher: Dieses Weihnachtsfest wird mein letztes sein. Die Frau aus dem englischen Kettering in Northamptonshire hat Eierstockkrebs. Bereits 2016 erhielt sie nach längerer Zeit mit Rückenschmerzen und Blähungen die Schockdiagnose. Doch gab es große Fortschritte gegen die heimtückische Krankheit. Bis im Dezember 2019 der Rückschlag kam. Der Krebs kam zurück und streut jetzt wieder auf Magen, Milz und ihr Becken. Jetzt will Rebecca mit ihrer Geschichte anderen Frauen den Kampf um die richtige Diagnose ersparen.

Sie sah aus, als ob sie schwanger sei

Zuerst ging ihr Arzt 2016 von einer Blaseninfektion oder Magen-Darm-Problemen aus. Doch dann musste Rebecca Betts, von Freunden und Familie Bex genannt, schon bald mit heftigen Rückenschmerzen und Blähungen ins Krankenhaus. Die Blähungen waren so stark, dass sie wie eine Schwangere aussah. "Die Leute fragten mich, wann der Termin sei", erzählt Rebecca. In der Notaufnahme dann die schlimme Diagnose: Eierstockkrebs, viertes Stadium, der Krebs hat schon begonnen zu streuen. Wirtschaftsprüferin Rebecca fällt aus allen Wolken: "An Krebs habe ich nicht gedacht", erzählt sie der Tageszeitung The Sun. "Ich dachte nur: 'Ich habe Kinder und einen Mann – wie sollen wir das durchstehen?'"

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Ärzte: Der Krebs ist zwar unheilbar - aber beherrschbar

Rebecca wird mitgeteilt, dass die Krankheit zwar unheilbar, aber durchaus beherrschbar sei. Sie erzählt, der herzzerreißendste Moment sei gewesen, ihrem Mann Craig, 51, und ihren beiden Kindern, Joseph, 23, und Hannah, 21, diese schlimme Diagnose mitzuteilen. Sie wird ins Nottingham General Hospital verlegt und innerhalb weniger Monate waren die CA125-Werte – eines Proteins, das auf Krebs hinweist – in ihrem Blut deutlich gesunken. Nach insgesamt sechs Monaten war die Behandlung abgeschlossen, sie wurde weiterhin engmaschig überwacht. Sie erzählt: "Die Scans waren stabil und zeigten keine Anzeichen einer weiteren Ausbreitung des Krebses. Ich hatte das Gefühl, dass ich ein Stück meines Lebens zurückbekommen hatte."

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2018 scheint die Welt wieder in Ordnung zu sein

2018 scheint die Welt wieder in Ordnung zu sein - Bex und ihr Mann Craig wiederholen ihr Ehegelöbnis,
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© PA Real Life

Bex und Craig beschließen, das Beste aus ihrem Leben zu machen. Sie kaufen ein Wohnmobil und reisen zwei Monate lang durch Schottland und vier Wochen durch Wales. Im Mai 2018 erneuerte das Paar außerdem am silbernen Hochzeitstag das Eheversprechen. "Es war so ein erstaunlicher Tag und es gab kein trockenes Auge im Haus, nachdem Craig sein Gelübde gesprochen hatte", sagte sie. "Ich war schon nach seinem ersten Satz hin und weg." Im gleichen Jahr erlebte Rebecca auch den Schulabschluss ihres Sohnes Joseph – ein Moment, von dem sie befürchtete, ihn nicht mehr erleben zu können.

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Der Krebs ist zurück - und er streut wieder

Doch im Dezember 2019 verdunkeln sich die Wolken in Rebeccas Leben wieder. Der Krebs ist zurück! Wieder wird eine Chemotherapie eingeleitet, doch sie verträgt ein Medikament nicht, muss sich ständig übergeben und bekommt Atemprobleme. Das Medikament wird identifiziert und muss abgesetzt werden – ein massiver Rückschlag im Kampf gegen den Krebs. Vor sechs Wochen dann der nächste Schlag: Der Krebs streut auf Magen, Becken und Milz. Doch inmitten der schlechten Nachrichten Anfang 2020 wieder eine gute: Ihre Tochter Hannah ist schwanger – Rebecca wird Großmutter.

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In der Corona-Pandemie muss sie sich von der Familie fernhalten

Dann erreicht die Corona-Pandemie Europa und Großbritannien. Im März wird der erste landesweite Lockdown angekündigt, Rebecca hat keine andere Wahl, als sich zu selbst zu isolieren und sich von der Familie fernzuhalten. Aber Rebecca beschließt, positiv zu bleiben und zu kämpfen. Sie erzählt: "Hannah und ich blieben über FaceTime in Kontakt. Wir hatten Online-Einkaufsnachmittage, tauschten unsere Listen aus und sprachen über die Dinge, die uns gefielen." Trotzdem fühlt sie sich am Boden zerstört für ihren Mann und ihre Kinder. "Es gibt nichts, was sie tun können, und sie müssen sich so hilflos fühlen – aber allein dadurch, dass sie da waren, haben sie mehr für mich getan, als sie je wissen werden", erzählt sie.

"Die Abriegelung ist die Hölle"

Und Rebecca, die während ihrer Krankheit von der britischen Eierstockkrebs-Hilfsorganisation Ovacome unterstützt wurde, sagt jetzt, kurz vor Weihnachten: "Es ist sehr surreal zu sagen, aber ich denke, dieses Weihnachten wird mein letztes sein. Ich breche immer wieder in Tränen aus – dann kommt der Galgenhumor zum Vorschein und ich sage scherzhaft: 'Naja, wenigstens muss ich nächstes Jahr nicht all dieses Zeug kaufen.'" Am schlimmsten findet sie, dass sie die ganze Zeit in Selbstisolation verbringt, statt noch einmal geliebte Menschen treffen zu können. Sie klagt, die Abriegelung sei die Hölle für sie, da sie es liebt, draußen zu sein.

Rebecca kämpft jetzt für andere Frauen

Und sie hat ein wichtiges Anliegen für alle Frauen in der Welt: Sie möchte ihre Geschichte teilen, um anderen Frauen den gleichen Kampf um die richtige Diagnose zu ersparen, den sie erlebt hat. "Jeder – auch die Ärzte – sollte sich der Anzeichen von Eierstockkrebs bewusster sein, denn er kann nicht durch einen einfachen Abstrich nachgewiesen werden, oft werden die Symptome auf etwas anderes zurückgeführt, wie eine Blaseninfektion oder ein Magenproblem."

HINTERGRUND: Eierstockkrebs - häufig wird er zu spät entdeckt

Sprechen Mediziner von Eierstockkrebs, so ist in der Regel das bösartige Ovarialkarzinom gemeint. Nur in seltenen Fällen wird Eierstockkrebs durch Metastasen anderer Krebserkrankungen verursacht. Unter den Krebserkrankungen der weiblichen Geschlechtsorgane ist Eierstockkrebs die zweithäufigste nach Gebärmutterkrebs. Die Erkrankung wird in vier Stadien eingeteilt. In Stadium I sind nur die Eierstöcke betroffen, in Stadium II weitet sich der Tumor auf das Becken, in Stadium III auf den Bauchraum aus. In Stadium IV hat das Ovarialkarzinom bereits Fernmetastasen, etwa in der Leber oder in der Lunge, gebildet.

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