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Biontech: Umstrittenes Tierversuchslabor LPT war an Impfstoff-Entwicklung beteiligt - mit wichtigen Tests

Erst Hassobjekt der Tierschützer, jetzt Retter in der Corona-Krise?

Umstrittenes Tierversuchslabor LPT war an Impfstoff-Entwicklung beteiligt - mit wichtigen Tests

 29.12.2020 , DU Duisburg , Impfung gegen Covid-19 für die Bewohner im Christopheruswerk an der Bonhoefferstraße in Meiderich. Impfstoff von BionTech Pfizer in Glasampullen wird in die Spritze aufgezogen. *** 29 12 2020 , DU Duisburg , Vaccination ag
29.12.2020 , DU Duisburg , Impfung gegen Covid-19 für die Bewohner im Christopheruswerk an der Bonhoefferstraße in Meid
www.imago-images.de, imago images/Reichwein, Christoph Reichwein (crei) via www.imago-images.de

Mehrere Tausend Menschen demonstrierten gegen das Labor

Lange Zeit stand das Hamburger Tierversuchslabor LPT im Fokus der Tierschützer. Kurz vor Ausbruch der Corona-Pandemie hatten Tierversuchsgegner über vermeintliche Misshandlung von Hunden und Affen im LPT-Labor in Mienenbüttel (Niedersachsen) berichtet. Obwohl keine Verstöße gegen das Tierschutzgesetz festgestellt wurden, ist das Labor noch heute ein Dorn im Auge vieler Tierschützer. Jetzt kommt raus: Das LPT-Labor war maßgeblich an der Entwicklung am wichtigen Biontech-Impfstoff gegen Corona beteiligt.

LPT freut sich über öffentliche Anerkennung

"Wir sind stolz darauf, einen frühen und wichtigen Beitrag zur Entwicklung dieses Corona-Impfstoffes geleistet zu haben", erklärte LPT-Geschäftsführer Thomas Wiedermann am Dienstag. In einer Mitteilung hatte sich das Unternehmen Biontech bei 134 Partnern bedankt, darunter ist auch das Laboratory of Pharmacology and Toxicology (LPT). Es sei eine einmalige Ausnahme, dass sich ein Auftraggeber öffentlich bedanke. Sonst gelte absolute Verschwiegenheit, so der LPT-Geschäftsführer.

Tests wurden an Ratten durchgeführt

Seit ungefähr sechs Monaten testet das LPT am Standort Löhndorf den Impfstoff an Ratten. Am Standort Hamburg wurden nur die anschließenden umfangreichen Laboruntersuchungen und die Dokumentationen durchgeführt, wie das Labor RTL mitteilte. Insgesamt soll der Impfstoff an weniger als 300 Tieren getestet worden sein, wobei keine Komplikationen festgestellt wurden.

Zu den Kritikern äußert sich das Labor so: „Aus rechtlichen Gründen können wir auf die Versuche mit lebenden Tieren nicht verzichten, weil die Zulassungsbehörden diese verlangen. Ein Impfstoff, der nicht zuvor am Tier getestet worden ist, bekäme gar nicht die Chance, am Menschen eingesetzt zu werden, weil das für erste Versuche mit gesunden Probanden zuständige Paul-Ehrlich-Institut (PEI) das nicht genehmigen würde.“ Das in Deutschland für Impfstoffzulassung zuständige PEI bestätigt, dass die Ergebnisse aus Tierversuchen bei der Zulassung von Impfstoffen notwendig sind.

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Während draußen protestiert wurde, wurde drinnen gearbeitet

16.11.2019, Hamburg: Teilnehmer einer Demonstration gegen Tierversuche ziehen in Hamburg durch die Innenstadt und halten Schilder mit der Aufschrift "Lutscher, Pisser, Tierquäler. LPT schließen" (l-r), "Nie mehr Tierversuche. LPT ist überall" und "Ti
Demonstration gegen Tierversuche (Foto aus Hamburg im Dezember 2019)
dbo lop, dpa, Daniel Bockwoldt

Maßgeblich an den Untersuchungen für den Biontech-Impfstoff seien laut dem LPT-Geschäftsführer 150 Mitarbeiter aus Hamburg und Löhndorf (Kreis Plön) beteiligt gewesen. "Während vor den Laboren Demonstranten gegen Tierversuche protestierten, haben unsere Mitarbeiter trotz vieler Anfeindungen an der Sicherheit des Impfstoffes gearbeitet", erklärte Wiedermann.

In der Folge der Berichte über angebliche Tiermisshandlung hatten im November 2019 bis zu 15.000 Menschen in Hamburg gegen LPT demonstriert. Der Landkreis Harburg entzog dem Labor die Erlaubnis, Wirbeltiere für Tierversuche zu halten. Das Unternehmen reichte Klage dagegen ein, zog diese aber im November 2020 zurück.

Ein LPT-Labor am Firmensitz in Hamburg-Neugraben war im Februar 2020 gleichfalls geschlossen worden, weil dessen Leitung auch für den Standort in Mienenbüttel zuständig war. Verstöße gegen das Tierschutzgesetz stellte die Hamburger Verbraucherschutzbehörde in Neugraben letztlich jedoch nicht fest. Das erlassene Tierhaltungsverbot wurde wieder aufgehoben - wogegen Tierschützer Ende September erneut protestierten.