Forderung: 1.500 Euro für ein Paket voller Kronjuwelen

Betrügermasche auf Dating-App: Fake-Prinz aus Dubai als Liebesschwindler unterwegs

Das Whatsapp-Profil des angeblichen Prinzen von Dubai.
© Privat/ Markus Kirmeier

10. Dezember 2020 - 18:33 Uhr

Romance Scamming auf Grindr: Betrüger gibt sich als arabischer Prinz aus

Millionen von Menschen greifen beim Dating auf Apps wie Tinder, Parship und Co. oder soziale Netzwerke zurück, um jemanden kennenzulernen. In Corona-Zeiten mehr denn je. Aber anstatt eine Romanze zu finden, finden viele Nutzer Betrüger, die versuchen, sie um ihr Geld zu bringen.

So auch Markus Kirmeier aus Kelheim. Der 45-Jährige traute seinen Augen nicht, als er auf der LGBTQ-Dating-App Grindr plötzlich mit dem Kronprinzen von Dubai matchte, der ihn auch tatsächlich kennenlernen wollte. Doch was zur internationalen Cinderella Story hätte werden können, endete schließlich mit einer Anzeige bei der Polizei. Denn es handelte sich um einen Fake-Prinzen, dem es nicht um Markus Kirmeiers Herz, sondern um sein Geld ging – typisch für Romance Scamming. Um andere Liebes-Suchende vor der miesen Masche zu warnen, hat sich der 45-Jährige mit seiner Geschichte an RTL gewandt.

Markus hat schlechte Erfahrungen mit Liebesbetrügern gemacht

Immer mehr Menschen suchen online ihr Liebesglück.
Immer mehr Menschen suchen online ihr Liebesglück.
© imago images/Photocase, Marie Maerz / Photocase via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Nach einem anfänglichen Kennenlernen auf der Dating-App wechselt das Gespräch von Markus und dem angeblichen Prinzen schnell auf Whatsapp. "Ein gutes Zeichen", denkt sich der 45-Jährige, immerhin sei der Wechsel auf den Chat mit dem Austausch von Handynummern verbunden und zeuge von ernsterem Interesse. So auch im Falle von "Prinz Fazza von Dubai" (mit ganzem Namen: Scheich Hamdan bin Muhammad bin Raschid Al Maktum). Die beiden tauschen Fotos und Infos übereinander aus – wie man es eben beim Online-Dating macht.

Doch da Markus bereits in der Vergangenheit mit einem Liebesschwindler aus Russland zu tun hatte, der ihn um 2000 Euro ärmer gemacht hat, ist er mit Prinz Fazza besonders vorsichtig – er checkt Fakten und googelt, ob der Prinz wirklich schwul und Single ist. Bei seiner Suche findet er heraus, dass der Prinz aus Dubai verheiratet ist. Ein Thema, über das der Betrüger nicht sprechen möchte, stattdessen plädiert der darauf, dass er sich verliebt habe und dass er Markus persönlich kennenlernen wolle.

Ausreden über Ausreden - und eine Bitte um 1.500€

Angebliches Zoll-Zertifikat mit der Aufforderung 1.500€ zu bezahlen, um das Paket zu erhalten.
Angebliches Zoll-Zertifikat mit der Aufforderung 1.500 € zu bezahlen, um das Paket zu erhalten.
© Privat/ Markus Kirmeier

Der Plan: Der Prinz soll nach Deutschland zu Besuch kommen. Doch das scheint gar nicht so leicht. Und ab hier beginnt die Betrügermasche: Der Liebesschwindler fordert, dass Markus erst Mitglied der royalen Familie werden muss, damit sie sich treffen können. Wie das geht? Der Fake-Prinz behauptet, er schicke Markus mit einem Kurierservice ein Paket mit Kronjuwelen zu, mit denen solle er sich ablichten lassen und ihm das Foto zukommen lassen. Das Foto zeige er dann seinem Vater, woraufhin der ein Dokument ausstellen würde, dass Markus zu einem offiziellen Mitglied der royalen Familie macht.

Spätestens jetzt kommt Markus das Angebot mehr als suspekt vor, doch er denkt sich: "Andere Länder, andere Sitten" und stimmt der Zustellung jenes Kronjuwelen-Pakets zu. Blöd nur, dass statt dem erwarteten Paket ein Formular vom Zollamt bei dem 45-Jährigen eintrudelt, mit der Bitte 1.500 Euro zu überweisen, damit die Zustellung erfolgen kann. Einen Geldbetrag, den der angebliche Prinz mit Millionen-Konto nicht übernehmen kann, da "Überweisungen aus Dubai nach Deutschland schwierig seien".

Dass der Fake-Prinz Markus' Bitte, ihm Videos aus der Selfie-Perspektive zu schicken immer wieder mit fadenscheinigen Ausreden ("In arabischen Ländern dürfen sich Verliebte nicht sehen") ausweicht, trägt nicht gerade zur Glaubwürdigkeit bei. Auch wenn Markus zugibt: "Ich bin da auch etwas blauäugig." Ihm wird die Aufforderung nach Geld zu viel.

„Es handelt sich um eine Fälschung"

Eine Nachfrage beim Zollamt nach der Echtheit des Dokuments bringt die Wahrheit schließlich ans Licht: "Es handelt sich um eine Fälschung. Bitte bezahlen Sie nichts und erstatten Anzeige bei der Polizei", heißt es in der Antwort des Zolls. Gesagt, getan: Markus erstattet Anzeige gegen Unbekannt bei der Polizei, denn wer tatsächlich hinter dem Prinz-Fake steckt, lässt sich nur schwierig sagen. Die Polizei berichtet von im Ausland ansässigen Kriminellen, die mit dieser Masche Verliebte um ihr Geld bringen. Auch die Nummer des Fake-Prinzen ist im US-Bundesstaat Kansas ansässig.

Als Markus den Betrüger mit seiner Erkenntnis zur Rede stellt, folgt kein Schuldeingeständnis und auch kein Ghosting, also ein plötzlicher Kontaktabbruch. Der Betrüger plädiert weiterhin darauf, er solle das Paket doch bitte abholen und macht ihm noch Vorwürfe, dass er ihn nicht lieben, ihm nicht vertrauen würde, obwohl er ihm seine Ehrlichkeit bewiesen habe. "Für mich war es locker. Ein netter Zeitvertreib. Aber ich finde es nicht gut, dass der Ruf des Prinzen bei so einer Masche geschädigt wird und andere womöglich das Geld bezahlen würden", erklärt Markus jetzt. Und weiter: "Ich habe schon einmal Geld bezahlt und war am Boden zerstört [...] Ich möchte zum einen verhindern, dass durch solche Aktionen weitere Menschen um Geld gebracht werden und zum anderen möchte ich nicht, dass jemand den Namen des Prinzen durch den Schmutz zieht, nur weil sich jemand als der Prinz von Dubai ausgibt."

An welchen 5 Zeichen Sie Romance Scamming erkennen können, das verraten wir Ihnen hier.