Schon 20 B.1.1.7-Nachweise

Ganze Berliner Klinik in Quarantäne - wegen britischer Corona-Mutation

25. Januar 2021 - 8:39 Uhr

Vivantes Humboldt-Klinikum in Berlin: "Pendelquarantäne" fürs Personal

In einem Berliner Krankenhaus breitet sich die gefürchtete britische Corona-Mutation offenbar aus. Die Klinik verhängte in Absprache mit dem Gesundheitsamt einen Aufnahmestopp. "Notfälle werden in andere Krankenhäuser gebracht, neue, sowohl stationäre als auch ambulante Patient*innen werden nicht mehr aufgenommen", erklärte Vivantes auf seiner Internetseite. "Dies betrifft auch Gebärende und Besucher*innen", so die Klinikmitteilung weiter. Mitarbeiter seien in "Pendelquarantäne". Sie dürfen seit Mitternacht nur noch zwischen ihrem Haus und ihrer Arbeitsstelle hin und her fahren, um den Klinikbetrieb aufrechtzuerhalten. Was Angehörige von Patienten zum Krankenhaus in Quarantäne sagen – im Video.

UPDATE: Bei 20 Menschen in Klinik britische Mutation nachgewiesen – Gesundheitsamt rechnet mit weiteren Infizierten.

Keine der Ansteckungen ist durch eine Reise zu erklären

Berlin: Vivantes Humboldt Klinik wegen Coronavirus-Mutation in Quarantäne
Lage der Vivantes Humboldt-Klinik im Norden Berlins
© RTL

Am Donnerstag erklärte das Vivantes Humboldt-Klinikum, dass die SARS-CoV2-Variante des Typs B.1.1.7 bei elf Personen auf einer Station festgestellt worden sei. Wie das Gesundheitsamt am Samstagabend.bekannt gab, wurde bei 20 Menschen die Mutante festgestellt. Das Humboldt-Klinikum liegt im Berliner Bezrik Reinickendorf, im Norden der Hauptstadt.

In keinem der Fälle könne die Ansteckung durch eine Reise erklärt werden. In Berlin gibt es laut Robert-Koch-Institut auch außerhalb der Klinik weitere Nachweise. Hat sich die Mutation dort bereits unbemerkt ausgebreitet? Vivantes unterstütze die behördliche Maßnahmen mit allen Mitteln, "damit sich die in den letzten Tagen im Vivantes Humboldt-Klinikum identifizierte Virusvariante B.1.1.7. nicht weiter in Berlin ausbreitet und eingedämmt wird", teilte die Klinik RTL mit. Eine Ausnahme vom Besuchsverbot gilt demnach für Angehörige sterbender Patienten.

Erst verhängte eine Station in Berliner Klinik Aufnahmestopp

26.03.2020, Berlin: Ärzte gehen über einen Flur der neu eröffneten Intensivstation des Vivantes Humboldt-Klinikum im Stadtteil Reinickendorf. Dem Klinikum stehen damit 37 neue Betten auf der Intensivstation für mögliche Covid-19-Patienten zur Verfügu
Personal der Humboldt-Klinik in Berlin auf dem Flur der Intensivstation (Archivbild)
© dpa, Kay Nietfeld, nie alf

Das Vivantes Humboldt-Klinikum hatte eigenen Angaben zufolge Routine-Tests durchgeführt, bei denen die britische Corona-Variante bei Patienten und Pflegekräften nachgewiesen wurde. Laut Vivantes wurde zuerst für die Station in der Klinik für Innere Medizin und Kardiologie ein Aufnahme-Stopp verhängt. Die Betroffenen seien isoliert worden. So sollte verhindert werden, dass sich die Mutation in der Klinik weiter ausbreitet. Seit dem Wochenende steht nun das gesamte Klinikum unter Aufnahmestopp und das Personal unter Pendequarantäne. Das zuständige Gesundheitsamt sei eingebunden, hieß es auf der Internetseite des Klinikbetreibers.

Bisher wurde in Deutschland kaum darauf getestet, mit welcher Variante des Virus sich die Menschen infizieren – anders als in Großbritannien etwa, wo die besonders ansteckende Mutation zuerst festgestellt wurde. Das soll sich jetzt ändern. So wurden am Donnerstag bei vier Fällen im Kreis Dithmarschen durch die Berliner Charité die britische Mutation des Coronavirus nachgewiesen.

Vivantes will alle positiven Fälle auf Mutationen überprüfen

Vivantes erklärte, dass in der Berliner Klinik gezielt nach der Mutation gesucht worden sei, um festzustellen, ob die Mutation sich in Berlin ausbreite. Die Proben der Mitarbeiter und Patienten, bei denen eine Corona-Infektion nachgewiesen wurde, würden nach und nach nun auf die britische Variante getestet.

Auch in anderen Bundesländern wurden Fälle der Variante B.1.1.7 entdeckt, wie das Robert-Koch-Institut mitteilte. Laut einer Sprecherin wurden 28 Fälle aus sieben Bundesländern gemeldet (Stand 21. Januar, 0 Uhr). Weil die Virusproben jetzt vielerorts stärker untersucht werden, könnten auch diese Zahlen in nächster Zeit noch deutlich steigen.