Erst Bestzeit - dann Crash

Belgien-GP: Max Verstappen gewinnt Tausendstelentscheidung um Tagessieg

Max Verstappen raste auf dem Circuit Spa-Francorchamps erst zur Bestzeit - und schrottete dann seinen Red Bull
Max Verstappen raste auf dem Circuit Spa-Francorchamps erst zur Bestzeit - und schrottete dann seinen Red Bull
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27. August 2021 - 18:51 Uhr

Verstappen setzt mit Crash den Schlusspunkt

So kann es weitergehen in der Formel 1! Wimpernschlag-Wahnsinn gleich zum Auftakt nach der Sommerpause. Am Ende des ersten Trainingstages zum Großen Preis von Belgien trennten die WM-Rivalen Max Verstappen und Lewis Hamilton gerade einmal 72 Tausendstel – zwischen die beiden schob sich auch noch Hamiltons Mercedes-Teamkollege Valtteri Bottas. Mit 41 Tausendstel Vorsprung sicherte sich Verstappen den Tagessieg. Einziger Wermutstropfen für den Red-Bull-Star: Zwei Minuten vor Ende des 2. Freien Trainings zerlegte er seinen Boliden in der Streckenbegrenzung.

Zwei Mal Rote Flagge in der letzten Viertelstunde

In der Malmedy-Kurve brach Verstappen das Heck seines Red Bull aus, rückwärts rauschte er von der Piste, zerstörte beim Einschlag seine Hinterradaufhängung und bescherte seinen Mechanikern damit eine Nachtschicht. Mit dem Crash setzte Verstappen zudem den Schlusspunkt im 2. Freien Training – die Session wurde unterbrochen und nicht wieder gestartet. Trotz des unglücklichen Endes war Verstappen mit dem ersten Tag bei seinem "Heim-GP" zufrieden. "Es war gut, eigentlich der ganze Tag. Wir sind ziemlich glücklich", freute sich der 23-Jährige.

Seine Tagesbestzeit von 1:44,472 Minuten – die Verstappen unter dem Jubel Tausender Fans in Oranje in den Asphalt der Ardennen-Achterbahn gebrannt hatte – hätte auch ohne Crash Bestand gehabt. Denn zu diesem Zeitpunkt kurz vor Schluss waren längst alle Fahrer mit betankten Autos unterwegs und arbeiteten an ihrer Rennabstimmung. Auf Bestzeitjagd war niemand mehr.

Ein anderer Abflug war da folgenreicher für das Klassement: Knapp eine Viertelstunde vor Verstappen hatte Charles Leclerc seinen Ferrari fast an gleicher Stelle zerlegt. Der Monegasse verlor bei der Anfahrt auf Malmedy die Kontrolle über sein Dienstfahrzeig, rutschte von der Strecke und ruinierte sich die linke Vorderradaufhängung. Leclerc blieb wie Verstappen unverletzt – die Session aber musste für fünf Minuten unterbrochen werden. Weitere Piloten mussten ihre Runden abbrechen, die Trainingszeit tickte runter.

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Vettel und Schumacher vom Teamkollegen geschlagen

Leclerc bestrafte sich mit seinem Fauxpas gleich doppelt: Weil er bis zu diesem Zeitpunkt noch keine schnelle Runde auf den Soft-Pneus zustande gebracht hatte, beendete er das 2. Training auf Platz 18 – nur knapp vor den beiden Haas-Piloten Nikita Mazepin und Mick Schumacher. Wie schon in der ersten Übungseinheit musste sich Schumacher seinem Teamkollegen geschlagen geben. Knapp zwei Zehntel trennten die Piloten des Hinterbänklerteams.

Auch Sebastian Vettel fuhr mit seinem Aston-Martin-Stallgefährten am Nachmittag hinterher. Nachdem er Lance Stroll im ersten Training noch klar abgehängt hatte, fehlten ihm in Session 2 fast zwei Zehntelsekunden auf den Kanadier. Im Klassement bedeutete das Platz 6 für Stroll und 8 für Vettel, der noch Alpine-Pilot Esteban Ocon den Vortritt lassen musste.

Freitagstraining möglicherweise ohne Wert

Fraglich ist allerdings, ob die Erkenntnisse vom Freitag für das Wochenende taugen. Denn das berüchtigte Ardennen-Wetter bereitete den Akteuren gleich zum Auftakt viel Kopfzerbrechen. Es regnete stundenlang – nur während der beiden 60-minütigen Trainigseinheiten trocknete die 7,004 Kilometer lange Strecke dann jeweils ab. Die Teams und Fahrer konnten also kaum die Daten sammeln, die sie für das Wochenende wohl benötigen. Dann nämlich soll es noch häufiger regnen, die Entscheidungen dürften auf nassem Asphalt fallen.

Bei trockenen Bedingungen war vor allem eines auffällig: Red Bull war im kurvigen Mittelsektor viel schneller als Mercedes, verlor aber fast alles wieder auf den langen Hochgeschwindigkeits-Passagen. Möglicherweise hatte Verstappens Team das Setup bereits stärker auf eine nasse Strecke eingestellt, Regen könnte Red Bull auf jeden Fall in die Karten spielen. (wwi/sid)