Das gabs noch nie!

Kanzlerin Merkel nimmt ihren Nachfolger schon mal mit zum G20-Gipfel

Wahrscheinlich muss ers bald machen: Merkel nimmt ihren vermutlichen Nachfolger mit zur G20-Konferenz.
Wahrscheinlich muss ers bald machen: Merkel nimmt ihren vermutlichen Nachfolger mit zur G20-Konferenz.
© dpa, Bernd Von Jutrczenka, wst

28. Oktober 2021 - 20:20 Uhr

Einladung mit Signalwirkung

Diskutieren mit den mächtigsten Regierungschefs der Welt, wichtige Beziehungen und Freundschaften pflegen und auch auf internationaler Bühne eine gute Figur machen – all das hat Bundeskanzlerin Merkel in den letzten Jahren ganz gut hinbekommen. Unter den großen Staatslenkern gilt sie als eine der mächtigsten Frauen der Welt.

16 Jahre Training – da gibt es einiges Aufzuholen für den nächsten Bundeskanzler. Und damit der es beim Start nicht gleich so schwer hat, nimmt Merkel ihren (wahrscheinlichen) Nachfolger – Olaf Scholz – gleich mit zum G20-Gipfel am Wochenende in Rom. Eine historische Einladung mit Signalwirkung.

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Seltenes Privileg

Angela Merkel macht im Moment eine große internationale Abschiedstour nach 16 Jahren Amtszeit. Auch ihr letzter G20-Gipfel in Rom steht auf dem Reiseplan. Hierfür hat sich Merkel etwas ganz Besonderes ausgedacht: Bei dem Treffen mit den Gruppe der zwanzig wichtigsten Industrie- und Schwellenländern der Welt, will Merkel ihren möglichen Nachfolger präsentieren.

Olaf Scholz ist – wie es der Zufall will – in seiner Funktion als Finanzminister zwar ohnehin beim Gipfeltreffen dabei, doch für Scholz geht dieses Treffen nun weit über die Rolle eines Finanzministers hinaus: "Sie möchte (...), dass er bei den bilateralen Gesprächen dabei ist", sagte ein Regierungsvertreter am Donnerstag in Berlin.

Lernen von 16-Jahren Erfahrung: Scholz wird die einmalige Chance haben, noch vor der erwarteten Vereidigung als neuer Bundeskanzler eine Schnell-Einführung auf höchster Ebene zu bekommen. Ein seltenes Privileg für einen angehenden Regierungschef. Merkel persönlich will ihren Nachfolger prominenten Gästen wie US-Präsident Joe Biden, dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan oder dem indischen Ministerpräsidenten Narendra Modi vorstellen.

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Scholz muss in große Fußstapfen treten

16.10.2021, Türkei, Istanbul: Recep Tayyip Erdogan, Staatspräsident der Türkei, und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kommen zu einer gemeinsamen Pressekonferenz nach ihrem Treffen in der Huber-Villa. Die Regierungschefs sprachen über die Beziehung
Er gehört zu den "schwierigeren" Partnern, den Scholz am Samstag treffen wird: Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan.
© dpa, Francisco Seco, FS pat

Von den gemeinsamen Auftritten der Kanzlerin und ihres wahrscheinlichen Nachfolgers werde "eine besondere Signalwirkung" ausgehen, hieß es weiter in Regierungskreisen. Deutschland könne damit "sehr viel Kontinuität signalisieren im G20-Prozess". Es sei "durchaus eine historische Sache", dass bei dem bevorstehenden Gipfel "die Vorgängerin mit dem möglichen Nachfolger auftaucht".

Dass "der Neue" Merkel auf ihrem letzten G20-Gipfel die Schau stiehlt, ist dabei aber nicht zu erwarten. Die Augen sind traditionell auf die Chefs gerichtet, schon weil die G20 die Mächtigsten der Mächtigen vereint. Und Merkel genieße gerade bei den in Rom angesprochenen Themen von der Pandemie-Bekämpfung bis zur Hilfe für Entwicklungsländer große Glaubwürdigkeit, heißt es auch bei EU-Diplomaten.

Außerdem ist Merkel nach Einschätzung der Regierung die "Grande Dame" der G20, weil sie seit dem Beginn 2008 dabei war - und zusammen mit dem damaligen US-Präsidenten George W. Bush auch als eine der Initiatorinnen gilt. Sie hat zudem einen Draht zu schwierigen Partnern wie China, Saudi-Arabien oder der Türkei.

Olaf Scholz wird also in wirklich große Fußstapfen treten müssen, da ist ein bisschen Starthilfe von Merkel zu Anfang vielleicht nicht verkehrt. (dpa/khe)