SPD gewinnt deutlich, CDU deklassiert

Auszählung in Mecklenburg-Vorpommern beendet: Triumph für Manuela Schwesig

 Blick am Freitag 24.09.2021 im Ostseebad Warnemünde auf den Endspurt im Wahlkampf zur MV-Wahl am 26. September mit der Ministerpräsidentin des Landes Mecklenburg Vorpommern Manuela Schwesig. Die SPD möchte aus den anstehenden Wahlen im Land und im B
Manuela Schwesig siegt in Mecklenburg-Vorpommern.
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Wahl-Sieg für Manuela Schwesig

DAS war deutlich. Durch einen furiosen Sieg der SPD bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern geht Ministerpräsidentin Manuela Schwesig erneut ins Amt und hat gleich mehrere Koalitionsmöglichkeiten für ihre nächste Regierung. Die 47-Jährige kann das Bündnis mit der abgestraften CDU fortsetzen oder mit den ebenfalls gerupften Linken regieren. Mit dem Wiedereinzug von FDP und Grünen in den Schweriner Landtag ist zudem eine Ampel-Koalition möglich. Am Montag wird die Siegerin in Berlin erwartet.

Siegerin wird in Berlin erwartet

Nach der traditionellen Blumenübergabe im Willy-Brandt-Haus (9.00 Uhr) tagen erst das SPD-Präsidium und anschließend der SPD-Bundesvorstand. Am frühen Abend kommt dann der SPD-Landesvorstand in Güstrow zusammen. Dort soll über das weitere Vorgehen im Nordosten beraten werden, etwa mit wem und wann sondiert werden soll.

Die möglichen Koalitionen

Am Wahlabend selbst wollte sich Schwesig nicht festlegen. "Wir warten jetzt die endgültigen Ergebnisse ab und schauen dann, mit wem man stabile Mehrheiten bilden kann", sagte die SPD-Politikerin im ZDF.

Drei Dinge seien für eine Regierung entscheidend: stabile Mehrheiten, dann sozialdemokratische Themen wie eine starke Wirtschaft, gute Arbeit, sozialer Zusammenhalt und Umwelt sowie drittens die Verlässlichkeit des Partners. Am Montagabend werden nach Schwesigs Angaben die Parteigremien zusammenkommen "und dann schauen wir, mit wem wir Gespräche führen werden". Sie sei "natürlich sehr glücklich mit der SPD hier in Mecklenburg-Vorpommern. Wir haben unser Wahlziel ganz klar erreicht. Wir sind wieder stärkste Kraft und haben sogar noch richtig zugelegt." Sie sei "sehr stolz, Ministerpräsidentin des schönsten Bundeslandes in Deutschland zu sein - und dass ich es jetzt auch bleiben darf."

Die Zahlen

Nach Auszählung aller 2003 Wahlbezirke erzielten die Sozialdemokraten bei den Zweitstimmen 39,6 Prozent, wie auf der Homepage der Landeswahlleitung zu sehen war. Das ist das zweitbeste SPD-Ergebnis überhaupt im Nordosten und liegt deutlich über dem von 2016. Damals konnte die Partei 30,6 Prozent der Stimmen auf sich vereinen. Der bisherige Koalitionspartner CDU muss das historisch schlechteste Ergebnis im Bundesland hinnehmen. Die Christdemokraten um ihren Spitzenkandidaten und Landesvorsitzenden Michael Sack kommen nur auf 13,3 Prozent - nach 19,0 Prozent bei der Landtagswahl 2016. Von den 36 Direktmandate gingen 34 an die SPD und jeweils ein Mandat an die AfD und die CDU. Bei der Landtagswahl 2016 hatte die SPD nur 26 Wahlkreise direkt geholt.

Entsprechend nannte Sack das Ergebnis katastrophal. Der CDU-Jungstar Philipp Amthor, der im Ringen um ein Direktmandat für den Bundestag ebenfalls unterlag, sprach von einem "schweren Tag" für die CDU im Nordosten. So ging unter anderem nach mehr als 30 Jahren auch der Bundestagswahlkreis von Angela Merkel (CDU) an die SPD. Sack ließ seine Zukunft an der Parteispitze der Christdemokraten zunächst offen. Der Wahlabend sei nicht der richtige Moment, um über weitere Schritte zu sprechen, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Am Montagabend will der CDU-Landesvorstand zusammenkommen. Sack führt die mit rund 5000 Mitgliedern größte Partei in Mecklenburg-Vorpommern erst seit 2020, nachdem sein Vorgänger Vincent Kokert überraschend auf alle politischen Ämter verzichtet hatte.

Zweitstärkste Kraft im Schweriner Landtag wird nach Auszählung aller Wahlbezirke mit 16,7 Prozent erneut die AfD - nach 20,8 Prozent bei der Wahl 2016. Die Linke konnte den seit 2011 anhaltenden Abwärtstrend nicht stoppen und fuhr mit 9,9 Prozent ihr bislang schlechtestes Wahlergebnis im Nordosten ein. Großer Jubel dagegen bei FDP und Grünen: Die Liberalen - seit 2011 nicht mehr im Parlament vertreten - kamen auf 5,8 Prozent, die Grünen - seit 2016 nicht mehr im Landtag - erreichten 6,3 Prozent.

Die Wahlbeteiligung lag bei 70,8 Prozent. 2016 lag sie bei knapp 62 Prozent.

SPD auch bei Bundestagswahl vorne

Bei der Bundestagswahl hat die SPD in Mecklenburg-Vorpommern ebenfalls gut abgeschnitten. Nach Auszählung der rund 2000 Wahlbezirke im Land lagen die Sozialdemokraten mit 29,1 Prozent der Zweitstimmen an der Spitze - das sind in etwa doppelt so viele Stimmenanteile wie 2017. Dahinter lag die AfD mit 18,0 Prozent. Die CDU kam auf 17,4 Prozent - ein Debakel im Vergleich zu 2017, als die Christdemokraten im Nordosten noch 33,1 Prozent der Zweitstimmen und alle sechs Direktmandate geholt hatten. Diesmal errang die CDU kein einziges Direktmandat. Fünf gingen an die SPD, eins an die AfD.

Die Linke stand als viertstärkste Kraft bei 11,1 Prozent und musste deutliche Verluste hinnehmen. Leichte Zuwächse erzielten FDP und Grüne. Die FDP kam auf 8,2 Prozent, die Grünen auf 7,5 Prozent.

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dpa / cch