Schmuddelfilme im öffentlich-rechtlichen Rundfunk?

Berliner Jusos fordern Pornos bei ARD und ZDF

Pornografie im Internet
Ein Mann schaut sich auf einem Computer einen Porno an. Foto: Marcus Brandt/Archiv
deutsche presse agentur

„Pornographien werden immer mehr gesehen“ - Mit diesem Satz beginnt der Antrag des Kreisverbands der „Jusos“ (Jungsozialisten in der SPD) in Berlin-Mitte. Die Tendenz sei steigend. Soweit so gut. Aber woher kommt nun die Verbindung von Pornos und dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk? Laut den Jusos aus Berlin-Mitte zeigen pornographische Filme im Internet häufig sexistische und rassistische Stereotype. Zudem sei meist undurchsichtig unter welchen Arbeitsbedingungen die Darstellerinnen und Darsteller arbeiten und wie alt diese sind. Deswegen solle der Rundfunk stattdessen gezielt faire Pornos fördern, heißt es im Antrag der Jusos.

Jusos Berlin-Mitte: Pornos bei ARD und ZDF nach schwedischem Model

Aus Sicht der Nachwuchspolitiker ist die ständige Berieselung mit Standard-Pornos problematisch. Die Mainstream-Pornos zeigen oft sexistische und rassistische Stereotype - bei denen scheinbar perfekte (und oft künstliche) Körperformen vorgeführt werden. Es handelt sich um eine Erotik voller Klischees. Häufig sind die Inhalte extrem frauenverachtend. Wenn Jugendliche diese Bilder zur Aufklärung nutzen, könnten falsche Vorstellungen und Erwartungen geweckt werden. Ihr Menschenbild wird dadurch eventuell negativ beeinflusst.

Und wieder einmal ist es ein skandinavisches Land, das es nach Ansicht des SPD-Nachwuchses besser macht. Denn die Jusos verweisen in ihrem Antrag auf Schweden. Dort war 2009 der erste Erotikstreifen 'Dirty Diaries' (auf Deutsch: 'Schmutzige Tagebücher') vom Schwedischen Filminstitut finanziert worden. Regisseurinnen nahmen dafür verschiedene erotische Szenen auf.

Die Jusos wünschen sich eine solche Filmförderung auch in Deutschland. Ob es dazu kommt und ob irgendwann nach den Tagesthemen wirklich mal Schmuddelfilme laufen sollten – das bleibt abzuwarten.

Jusos-Appell an Länder und Bund

Die Jusos fordern außerdem eine Stelle für Pornographie im Bund. Diese solle entsprechend im Haushalt berücksichtigt werden. Nach Angaben der Jusos wären die Aufgabe der Stelle dabei Information, Beratung und auf Wunsch, Unterstützung für Darstellerinnen und Darsteller zu gewährleisten. Außerdem sollen wissenschaftliche Untersuchungen durchgeführt und eine funktionierende Beschwerdestruktur aufgebaut werden. Damit sollen die Porno-Plattformen im Netz künftig besser kontrolliert werden. (iba)