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Appell einer Erzieherin: Liebe Eltern, hört auf, kranke Kinder zur Kita zu bringen!

Ein krankes Kind zur Kita bringen? Das ist nicht fair
Ein krankes Kind wirbelt den kompletten Tagesplan von Mama und Papa durcheinander. Es sei denn, die Eltern ignorieren die Symptome und bringen das Kind trotzdem zur Kita. © GKV (GKV (Photographer) - [None], Kirill Gorlov

Wenn der Kindergarten zur kleinen Notaufnahme wird...

Es ist kalt, es ist nass, gefühlt schnieft halb Deutschland. Auch Kinder sind momentan besonders anfällig für Infekte. Kind krank - für Eltern bedeutet das: Einer kann nicht zur Arbeit gehen, schließlich muss sich zuhause jemand um den kleinen Patienten kümmern. Krankmelden, dem Chef absagen, wichtige Meetings sausen lassen: Einige Eltern versuchen diese unangenehme Situation offenbar zu umgehen und bringen angeschlagene Kinder trotz Fieber und Husten in den Kindergarten - das hat uns Erzieherin Nora L. (Name von der Redaktion geändert) berichtet. Sie erlebt im Kita-Alltag die heftigsten Sachen und hat jetzt die Nase voll. Ein Erfahrungsbericht.

Schluss mit der Abschieberei!

Wo und in welcher Kita Nora L. arbeitet, spielt im Prinzip keine Rolle, denn die Situation ist landauf, landab ähnlich. Der Teufelskreis, der sich dadurch entwickelt auch: Kranke Kinder stecken nicht nur andere Kinder an, sondern auch Erzieher, die ebenfalls reihenweise ausfallen. Magen-Darm-Grippe, Scharlach, Bronchitis verbreiten sich blitzschnell, auch wegen rücksichtsloser Eltern, die ihren Arbeitstag retten wollen - und damit anderen schaden. Damit muss Schluss sein, findet Erzieherin Nora!

Sie erinnert auch daran, wer am meisten unter der Situation leidet: Die Kinder, die teilweise stundenlang krank in der Kita ausharren müssen. Sie "spielen" dort nicht nur - der Kita-Tag ist anstrengend, vergleichbar mit einem Arbeitstag bei uns Erwachsenen, denn es ist laut und die Kleinen müssen sich an Regeln halten. 

"Ich kann absolut verstehen, dass Eltern ihr Kind nicht bei jedem Schnupfen zuhause lassen. Das verlangt auch niemand", sagt Nora. Manche Dinge gingen aber einfach zu weit. Beispiele gefällig?

Echte Härtefälle aus dem Kita-Alltag

  • Eine Mutter bringt ihr Kind morgens zur Kita, mittags bekommt es Fieber. Die Mutter wird informiert. Am Telefon sagt sie, dass sie mit dem Anruf gerechnet habe, da sie dem Kind ein Fieberzäpfchen geben musste, um wenigstens ein paar Stunden arbeiten zu können.
  • Kinder werden mit ansteckenden Krankheiten wie Bindehautentzündungen nach Hause geschickt und kommen am nächsten Tag mit Attest vom Kinderarzt zurück - gesund geschrieben und damit angeblich frei von Infektionen.  
  • Eltern ärgern sich, wenn sie von den Erziehern angerufen werden, weil es ihrem Kind nicht gut geht. Nach dem Motto: Nur ein Kind mit Fieber ist ein krankes Kind.

Manche Väter und Mütter hätten sogar schon gefragt, warum die Kita eigentlich keine Krankenschwester einstellt? Die könne sich dann ja um die kranken Kinder kümmern. "Für uns Erzieher ist die Krankheitssituation schwierig und belastend, wir können der Situation teilweise nicht gerecht werden. Jeder hat nur einen Schoß zur Verfügung, aber die kranken Kinder brauchen in einer solchen Situation eine 1-zu-1-Betreuung", sagt die Erzieherin, die eigentlich nur die Kinder erziehen möchte - und nicht die Eltern.   

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