Entscheidung bei den Grünen ist gefallen

Annalena Baerbock: "Ich trete an für Erneuerung. Für den Status quo stehen andere“

19. April 2021 - 15:01 Uhr

Baerbock setzte sich gegen Robert Habeck durch

Während in der Union ein erbitterter Machtkampf um die Kanzlerkandidatur tobt, haben sich die Grünen am Montagmorgen völlig geräuschlos auf eine Kandidatin geeinigt: Annalena Baerbock. Die 40-Jährige hat sich intern gegen Robert Habeck durchgesetzt und wird die Partei in den Bundestagswahlkampf führen.

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Baerbock: „Eine grüne Kanzlerkandidatin steht für ein neues Verständnis von politischer Führung“

"Heute beginnt ein neues Kapitel für unsere Partei", sagte Baerbock bei ihrem ersten Statement nach der Verkündung. "Ich möchte mit meiner Kandidatur ein Angebot für die ganze Gesellschaft machen." Sie kämpfe für ein Land, in dem der Klimaschutz das Fundament für Wohlstand, Freiheit und Sicherheit schafft. Klimaschutz sei die Aufgabe unserer Zeit. "Eine grüne Kanzlerkandidatin steht für ein neues Verständnis von politischer Führung." Sie sei davon überzeugt, dass Deutschland einen Neuanfang brauche, um die Herausforderungen des neuen Jahrzehnts zu meistern. "Ja, ich war noch nie Kanzlerin, auch noch nie Ministerin. Ich trete an für Erneuerung. Für den Status quo stehen andere", sagte Baerbock.

Annalena Baerbock wäre bei der 20. Bundestagswahl seit 1949 erst die zweite Frau nach Angela Merkel, die sich für das höchste Regierungsamt bewirbt. Die SPD zieht mit Finanzminister und Vizekanzler Olaf Scholz in die Wahl am 26. September, die Union muss sich noch zwischen den Vorsitzenden von CDU und CSU entscheiden, Armin Laschet und Markus Söder.

Zustimmung beim Parteitag der Grünen gilt als sicher

Der Parteivorstand der Grünen hat Annalena Baerbock am Montag für den Spitzenposten nominiert, nachdem sich beide Kandidaten vorher untereinander geeinigt haben. Die endgültige Entscheidung fällt dann auf dem Grünen-Parteitag vom 11. bis 13. Juni. Die Zustimmung gilt aber als sicher.

Die Grünen haben sich angesichts der seit 2018 hohen Umfragewerte erstmals für eine Kanzlerkandidatur entschieden. Derzeit sind sie mit mehr als 20 Prozent zweitstärkste Kraft hinter der CDU/CSU und vor der SPD. Annalena Baerbock will sich noch auf keine bestimmte Koalition festlegen, die sie bevorzugen würde. "Wir trotten nicht anderen hinterher", sagte sie am Montag in Berlin.

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Annalena Baerbock war inhaltlich stärker

Baerbock und Habeck waren am Samstag von ihren Heimatverbänden für die Bundestagswahl nominiert worden. Die Brandenburger Grünen machten Baerbock mit 106 von 109 Delegiertenstimmen auf einem Landesparteitag zu ihrer Spitzenkandidatin. Auf Instagram hatte sie sich sich bereits kämpferisch gezeigt: "So wie die Menschen in diesem Land in diesen schwierigen Zeiten über sich hinaus gewachsen sind, muss Politik über sich hinaus wachsen. Dafür treten wir, dafür trete ich im September an."

Anders als bei CDU und CSU hat es bei den Grünen keine größeren öffentliche Diskussionen über die Kandidatenkür geben, was sehr ungewöhnlich für die einst so streitlustige Partei ist. In Umfragen lag die 40-jährige Baerbock bei den Sympathiewerten bisher hinter dem 51-jährigen Habeck, hat in den vergangenen Monaten aber aufgeholt. Habeck hat als Agrarminister und Vize-Ministerpräsident schon Regierungserfahrung in Schleswig-Holstein gesammelt. Das hat Baerbock nicht, gilt dafür als inhaltlich stärker.

„Ich werde weiterhin Mutter bleiben, auch als Spitzenpolitikerin.“

Die Entscheidung für Baerbock fiel zwischen Robert Habeck und ihr bereits vor Ostern, wie sie in der Pressekonferenz sagte. "Ich werde weiterhin Mutter bleiben, auch als Spitzenpolitikerin." Sie ist verheiratet und hat zwei Töchter im Kindergarten- und Grundschulalter. "Meine Kinder wissen, wo mein Zuhause und mein Herz ist, und meine Familie unterstützt mich voll und ganz dabei", sagte Baerbock.

Grüne wollen endlich zurück in die Regierung

Die Grünen waren nur einmal auf Bundesebene an der Macht: Zwischen 1998 und 2005 als Juniorpartner in einer rot-grünen Koalition unter SPD-Kanzler Gerhard Schröder. Ihr bisher bestes Ergebnis bei einer Bundestagswahl erzielten die Grünen 2009 mit 10,7 Prozent, bei der letzten Wahl 2017 kamen sie nur auf 8,9 Prozent.

"Annalena Baerbock ist in jeder Hinsicht das Gegenteil ihrer Mitbewerber: Mit ihr als Kanzlerin gäbe es die historische Chance, all die Krisen nicht nur zu verwalten, sondern endlich entschlossen zu bekämpfen", sagte die Vorsitzende der grünen Jugend, Anna Peters, gegenüber RTL. In den nächsten Monaten gehe es darum, Mehrheiten gegen CDU/CSU zu organisieren und die Union in die Opposition zu schicken.

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