Waffenbehörde fand keinen Hinweis auf Buch von Amoktäter Philipp F.

CDU Hamburg klagt an: “Man hätte die Chance gehabt, diese Tat zu verhindern"

Landespressekonferenz zur Amoktat. Mit dabei waren u. a. Polizeipräsident Ralf Martin Meyer und Innensenator Andy Grote.Senator für Inneres und Sport in Hamburg, Polizeipräsident Ralf Martin Meyer (hinten 4.v.r), Arnold Keller (5.v.r) von der General
Landespressekonferenz zur Amoktat. Mit dabei waren unter anderem Polizeipräsident Ralf Martin Meyer und Innensenator Andy Grote.
dpa, Marcus Brandt

von Jessica Sander, Bastian Vollmer und Nils Fischer

Sieben Menschen wurden getötet. Eine Person kämpft immer noch um ihr Leben. Der mutmaßliche Täter Philipp F., der bei den Zeugen Jehovas in Hamburg-Groß Borstel ein Blutbad angerichtet hat, hat die Tatwaffe legal besessen. Ein anonymer Hinweis reichte offenbar nicht aus, um ihm dieses Recht zu entziehen. Die CDU in Hamburg erhebt nun schwere Vorwürfe.

Gladiator: „Wäre man den Hinweisen konkreter nachgegangen, hätte man die Chance gehabt, diese Tat zu verhindern”

Auf seinem Linked.in Profil wirbt Philipp F. sogar für sein Buch.
Auf seinem Linked.in-Profil wirbt Philipp F. sogar für sein Buch.
linked.in

„Wäre man den Hinweisen konkreter nachgegangen, hätte man die Chance gehabt, diese Tat zu verhindern”, da ist sich Dennis Gladiator, Innenpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion Hamburg im Gespräch mit RTL sicher. Nach der Pressekonferenz zum Amoklauf am Montagmittag (14. März) macht der 41-Jährige der Waffenbehörde und vor allem Innensenator Andy Grote, schwere Vorwürfe: „Es wurde in Hamburg versäumt, durch die Behördenleitung sicherzustellen, dass solchen Hinweisen gründlich nachgegangen wird, gerade vor dem Hintergrund, dass es ja nicht der erste Fall dieser Art ist.”

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RTL

Gemeint ist ein anonymes Schreiben, das Ende 2022 bei der Polizei in Hamburg eingegangen ist. Der unbekannte Schreiber habe darum gebeten, die Eignung Philipp F´s für den Waffenbesitz zu überprüfen: „Im Hinweisschreiben wurde genannt, F. habe seine Wahnvorstellung in einem Buch verarbeitet”, so der Polizeipräsident Meyer am Montagmittag bei der Pressekonferenz. Eine Sachbearbeiterin der Waffenbehörde wurde daraufhin mit der Internetrecherche beauftragt. Bei der Googlesuche mit dem Namen Philipp F. und Buch sei das Ergebnis aber „negativ” gewesen so Meyer weiter. Der Polizeipräsident erklärt das heute damit, dass sie keine OSINT—Recherchexperten seien. Die Suche nach dem Buch war damit beendet.

Ein fataler Fehler, findet Dennis Gladiator: „Nachher kam raus, dass es zu dem Zeitpunkt schon lange bei Amazon gelistet war. Ich weiß nicht, das ist alles, was 12-Jährige jeden Tag machen, das ist nicht IT-Experten-Wissen. Da ist einfach die Frage, wie ernst ist man diesem Hinweis nachgegangen und hat man alles getan, um das abzuprüfen. Da hat die Pressekonferenz gezeigt, nein, hat man nicht.”

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Polizei macht anonymen Hinweisgeber Vorwurf

Die Überprüfung der Website von Philipp P. habe den Behörden dann ein “seriöses” Bild des Mannes gezeigt, so der Polizeipräsident: „Also die Internetseite des Mannes hat man sich angeschaut und hat festgestellt, dass er ein Unternehmensberater ist, der als Bänker tätig ist.” Auch eine unangemeldete Waffen-Aufbewahrungskontrolle bei Philipp F. habe keinen Hinweis darauf gegeben, dass Philipp F. psychische Probleme haben könnte.

Vielmehr macht der Polizeipräsident dem anonymen Hinweisgeber einen Vorwurf: „Und ich sage es nochmal, es nützt nichts, einen anonymen Hinweis zu geben über eine solche Angelegenheit und zu hoffen, dass damit automatisch genug Rechtsgrundlagen da sind zum Handeln.” Diese Aussage findet Dennis Gladiator besonders kritisch: „Das halte ich tatsächlich für gefährlich. Weil die Verantwortung, das zu prüfen, liegt bei den Sicherheitsbehörden und zum anderen, die Stadt Hamburg wirbt ständig für anonyme Hinweise im Kampf gegen Rechtsextremismus und hier soll es auf einmal der falsche Weg gewesen sein.”

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