Alternative zum Auto und Flugzeug

Rauschen bald wieder mehr Schlafwagen durch die Nacht?

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19. September 2019 - 12:00 Uhr

Verreisen wie Oma und Opa

Gemächlich durch die Nacht ruckeln, ausgestreckt auf einer Pritsche Bahnhöfe vorbeiziehen lassen, morgens ausgeschlafen am Zielort ankommen: Eine Fahrt mit dem Schlaf- oder Liegewagen der Bahn verbinden viele Menschen mit alten Zeiten.

Klimawandel hinterlässt bei vielen ein mulmiges Gefühl

Doch angesichts von Klimawandel und "Flugscham" ist das Thema Nachtzüge wieder brandaktuell. Greta Thunberg lässt grüßen. Die junge schwedische Umwelt-Aktivistin fuhr im Januar 65 Stunden mit dem Zug ins schweizerische Davos und zurück, um den beim Weltwirtschaftsforum versammelten Bankbossen und Industriemanagern in puncto Klima die Leviten zu lesen. Seither vermittelt gerade auch die "Fridays for Future"-Bewegung vielen Reisenden das Gefühl, sich wegen klimaschädlicher Effekte fürs Fliegen schämen zu müssen.

Schlafwagen auch bei der Deutschen Bahn?!

Nachtzug
Ein Nachtzug (EuroNight) der ÖBB steht zur Abfahrt bereit. Foto: Bodo Marks
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Sollte das Angebot mit Schlaf- und Liegewagen als Alternative zum Fliegen also nicht ausgebaut werden? "Das Nachtzuggeschäft hat Zukunft", sagt Bernhard Rieder, Sprecher der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB). Auch die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) denken daran, das 2009 eingestellte Geschäft mit klassischen Nachtzügen jetzt wiederzubeleben.

Auch bei der Deutschen Bahn setzt ein Umdenken ein. Aus wirtschaftlichen Gründen bietet sie seit 2016 keine eigenen Schlaf- und Liegewagen mehr an. Aber drei Jahre nach dem Ende des City Night Line gibt es wohl Überlegungen, die Nachtzüge wieder einzuführen, berichtet die Wirtschaftswoche. Allerdings will die Bahn das Geschäft diesmal nicht alleine betreiben. Erste Gespräche mit den Österreichischen und Schweizerischen Bundesbahnen dazu haben stattgefunden. Bahn-Chef Richard Lutz selbst treibt die Idee voran, so der Bericht der Wirtschaftswoche.

"Wir sehen uns ganz klar als Umweltvorreiter und grüner Mobilitätsdienstleister", so die Sprecherin. Ökologische Kriterien spielten eine immer größere Rolle bei der Auswahl des Verkehrsträgers.

Genauso schnell wie das Flugzeug: DB setzt Schwerpunkt auf kürzere Strecken

Auf kürzeren Strecken sieht die Bahn sich als klare Konkurrenz zum Fliegen: "Wir sind auf vielen internationalen Verbindungen genauso schnell wie das Flugzeug, vor allem, wenn man die An- und Abreise zum Flughafen und die dortigen Abfertigungsprozesse und Sicherheitskontrollen einrechnet", sagte die Sprecherin und nannte etwa die Verbindungen zwischen München und Wien, Hamburg und Kopenhagen oder Frankfurt/Main und Paris.

ÖBB-Nachtzüge fahren auch in Deutschland

Aber die Österreicher haben vorgemacht, wie das Geschäft funktioniert. Die ÖBB haben als einzige ihr Nachtzugangebot nicht nur beibehalten, sondern ausgebaut, und bedienen heute die Verbindungen in die Schweiz und nach Deutschland. Hamburg-Wien, Berlin-Zürich - auf diesen Strecken können sich Bahnreisende heute im österreichischen Nightjet ausstrecken. "Wir haben jetzt 18 eigene Linien und insgesamt 26 zusammen mit Partnern", sagt Rieder.

Die ÖBB seien auch bereit, stärker in das Nachtzuggeschäft zu investieren. 13 neue Züge wurden bei Siemens schon bestellt und werden ab Frühjahr 2022 geliefert. Dreh- und Angelpunkt, damit das Geschäft knapp kostendeckend kalkuliert werden könne: dass die Züge einheitlich in Österreich gewartet werden. Die Strecken müssen dementsprechend konzipiert sein. Verbindung fernab von Österreich anzubieten, etwa Barcelona-Amsterdam, wäre deshalb schwierig.

Am Ende entscheidet immer noch der Preis

Aber: "Der Umweltgedanke ist bei vielen noch eher theoretisch da und zeigt sich nicht ganz im Buchungsverhalten." Während die teuersten Plätze im Schlafwagen stets schnell ausverkauft seien, merke man im günstigen Segment der Sitzwagen sofort, wenn auf einer Strecke zwischen zwei Metropolen eine Billig-Airline fliegt. "Sofort gehen die Buchungen runter", sagt Rieder.

Quellen: DPA/RTL.de