Mutter verzweifelt: "Ohne sie an meiner Seite bin ich verloren"

Sieben Monate altes Baby ohne Eltern in Kabul gestrandet

Dieses Baby wartet seit fünf Monaten in Kabul darauf, dass seine Eltern zurückkehren
Dieses Baby wartet seit fünf Monaten in Kabul darauf, dass seine Eltern zurückkehren

07. September 2021 - 8:43 Uhr

Pass für das Baby wurde nicht mehr rechtzeitig ausgestellt

Was für ein Alptraum für die Eltern: Ein sieben Monate altes Mädchen ist allein in Kabul gestrandet – offenbar, weil die britischen Behörden Monate brauchten, um einen Reisepass für das Baby auszustellen. Die Eltern mussten im Mai allein von Kabul nach London fliegen, um dort neue Papiere für die Mutter und einen britischen Pass für das Baby zu beantragen. Doch dann übernahmen die Taliban die Kontrolle in Afghanistan. Der Pass für das Baby liegt nun vor, aber es gibt keine Flüge mehr. Wenigstens ist das Kind in Obhut seiner Großeltern.

Mutter wünscht sich nichts sehnlicher, als ihr Baby im Arm zu halten

Die Mutter, deren Name zu ihrem eigenen Schutz nicht genannt wird, ist verzweifelt. "Ich bin seit Monaten von meinem Baby getrennt. Ohne sie an meiner Seite bin ich verloren", sagte sie dem Fernsehsender BBC. Sie appellierte an die britische Regierung, "uns zu helfen, mein Baby und meine Familie zu mir zurückzubringen."

Die Mutter des Kindes ist afghanische Staatsangehörige, lebte aber in England und hatte einen britischen Pass. Im September 2020 besuchte die Schwangere ihre Familie in Afghanistan. Weil sie dort ihren Ausweis verloren habe, konnte sie zur Geburt ihres Kindes nicht nach England zurückkehren, sagte sie dem Bericht zufolge. Deswegen sei ihr britischer Partner im Dezember ebenfalls nach Afghanistan gereist. Im Januar kam die Tochter des Paares in Kabul zur Welt.

Mutter musste allein zurück nach London, um neue Papiere zu beantragen

Anschließend stand die Frau vor dem nächsten Problem, erzählt sie der BBC. Die Behörden stellten ihr ein Visum für eine einmalige Einreise nach England aus, um ihre Angelegenheiten zu regeln. Gültigkeit: 30 Tage. Und nur für sie, nicht für das Baby. Da die Frau wenig Englisch spreche, habe sich das Paar entschlossen, gemeinsam nach England zu reisen und das Baby bei den Großeltern in Afghanistan zu lassen. Im Mai reisten sie nach England.

Nach der Ausstellung des Ersatzdokuments wollten sie so schnell wie möglich wieder nach Afghanistan und zu ihrer kleinen Tochter zurückkehren. Doch die Bearbeitung des Passantrages zog sich in die Länge und die Ereignisse in dem außer Kontrolle geratenen Land am Hindukusch überschlugen sich.

RTL NEWS empfiehlt

Anzeigen:
Taliban am Flughafen in Kabul
Nachdem die Taliban in Afghanistan die Kontrolle übernommen haben, gibt es für viele Menschen vor Ort keine Möglichkeit mehr, das Land zu verlassen.
© imago images/Xinhua, Saifurahman Safi via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Als der Pass für das Baby da war, gab es schon keine Flüge mehr aus Kabul

Das Paar konnte das Kind nicht aus Kabul rausholen, weil auch das Baby noch keinen britischen Pass hatte. Den habe die Familie bereits im März beantragt, heißt es. Doch bis das Dokument ausgestellt wurde, vergingen Monate. Als am vergangenen Mittwoch laut BBC endlich der Reisepass für das kleine Mädchen ausgestellt wurde, war es schon zu spät. Der Flugverkehr von und nach Kabul wurde bereits eingestellt. Das Baby ist ohne Eltern in Afghanistan gestrandet und es gibt vorerst keine Chance, es nach London zu holen.

Warum die Ausstellung des Passes fünf Monate dauerte, ist unklar. Eine Stellungnahme der britischen Behörden zu dem Fall gibt es nicht. Man äußere sich nicht zu Einzelfällen. Großbritannien werde "weiterhin alles tun, um unserer Verpflichtung gegenüber britischen Staatsangehörigen und berechtigten Afghanen nachzukommen", hieß es lediglich. (uvo)