Krieg in Afghanistan

Wie wird das Leben für Frauen unter den Taliban?

19. August 2021 - 8:36 Uhr

Frauenrechte vor dem Aus nach Machtübernahme der Taliban

Eine Frau interviewt im afghanischen Fernsehen einen Anführer der Taliban. Die Übertragung verblüfft, denn es handelt sich um ein aktuelles Interview von heute Morgen – also nachdem die Taliban die Macht in Afghanistan übernommen haben. Beobachter gehen davon aus, dass es sich bei dem Interview nur um eine Show handelt, genau wie eine zuvor übertragene Pressekonferenz, in der die streng gläubigen Islamisten ankündigen, die Frauenrechte nicht anrühren zu wollen. Die Realität ist eine ganz andere – Angst geht um in Afghanistan, besonders bei den Frauen.

Afghanische Frauen haben große Angst

Konflikt in Afghanistan: Menschen sitzen in einem Bundeswehrflugzeug und fliehen vor den Taliban
Konflikt in Afghanistan: Menschen fliehen vor den Taliban.
© dpa, Marc Tessensohn, jai

Tausende Menschen flüchten. Sie versuchen, auf dem Flughafen von Kabul noch den rettenden Flug in die Freiheit zu ergattern. Es sind diese Bilder und Meldungen, die gegenwärtig das Schlimmste befürchten lassen.

"Ich habe große Angst, ich fühle mich hier sehr unsicher und fürchte, dass die Taliban mich töten werden", schildert eine Mutter aus Afghanistan RTL am Telefon. Ihre beiden Söhne sind vor einigen Jahren aus dem Land am Hindukusch geflohen und leben jetzt bei Ingrid Rupp in Bad Reichenhall und machen sich große Sorgen. So wie ihrer Mutter geht es vielen Menschen in Afghanistan.

Taliban inszenieren sich als disziplinierte Organisation

Afghanische Kämpfer der Taliban sitzen in einem Raum des Präsidentenpalastes.
Konflikt in Afghanistan: Taliban inszenieren sich als moderate Organisation
© dpa, Zabi Karimi, RG exa

Wie rasant sich die Verhältnisse besonders für die Frauen im Land geändert haben, musste auch CNN-Reporterin Clarissa Ward am eigenen Leib erfahren. Noch vor wenigen Tagen konnte sie sich verhältnismäßig frei in der Hauptstadt Kabul bewegen. Jetzt geht sie nur noch verschleiert auf die Straße.

Bei ihrem Einmarsch nach Kabul haben die Taliban versucht, sich als moderate, disziplinierte Kraft zu inszenieren. Eine wirklich einheitliche Organisation sind sie aber nicht. Noch ist unklar, welche Kräfte sich am Ende durchsetzen werden: die eher Moderaten oder doch die Hardliner? Der Alltag in dem Land wird sich aber in jedem Fall verändern, sagt Terrorismus-Experte Peter Neumann. "Das heißt, selbst wenn jetzt die eher Moderateren innerhalb der Bewegung drankommen, wird sich die Lage zumindest für Frauen aber auch für andere Gruppen dramatisch verschlechtern".

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Frauenrechte unter Taliban Herrschaft praktisch aufgehoben

Kämpfer der Taliban kontrollieren die Straßen der Hauptstadt Kabul
Talibankontrolle in den Straßen Kabuls.
© imago images/UPI Photo, Bashir Darwish via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Während ihrer fünfjährigen Herrschaft zwischen 1996 und 2001 haben die Taliban Frauen ihre harte Auslegung der islamischen Rechtsprechung aufgezwungen. Frauen und Mädchen mussten ein abgeschottetes Leben führen. Ab dem Alter von acht Jahren wurde ihnen die meiste Beschäftigung sowie Bildung verboten.

Wer dagegen verstieß, wurde mit Schlägen, öffentlichen Schikanen und sogar mit dem Tod bestraft. Eine ähnliche Entwicklung befürchtet jetzt auch die ehemalige stellvertretende Frauenministerin des Landes, Hosna Jalil.

Ziel ist ein islamisches Emirat Afghanistan

In einem sind sich internationale Beobachter einig. Die Taliban sind professioneller geworden. Manche unter ihnen sind pragmatischer als die anderen. Zumindest am Anfang ihrer Herrschaft soll nicht wieder der Anschein eines wilden, zusammengewürfelten und unberechenbaren Haufens erwecken werden, wie noch vor 20 Jahren. Ein Ziel vereint aber alle Taliban. Sie wollen in Afghanistan wieder ein streng islamisches Emirat errichten. (rra)