"Aktenzeichen XY ... ungelöst"-Moderator im Interview

Herr Cerne, glauben Sie noch an das Gute im Menschen?

ZDF startet neue Ableger für "Aktenzeichen XY"
Rudi Cerne ist seit 20 Jahren Moderator des ZDF-Formats "Aktenzeichen XY... ungelöst".
ZDF/Nadine Rupp, SpotOn

von Roger Saha und Marlene Santel

Er ist Deutschlands oberster TV-Verbrecher-Jäger. Mord, Totschlag, Raub, Sexualdelikte, Betrug – Rudi Cerne (64) fahndet mit der Polizei und einem Millionenpublikum nach den schlimmsten Tätern Deutschlands.

Der Journalist (und ehemalige Eiskunstläufer) moderiert seit mehr als 20 Jahren „Aktenzeichen XY … ungelöst“ im ZDF. Jetzt startet sein True Crime-Podcast „Unvergessene Verbrechen“. Ob Cerne noch an das Gute im Menschen glaubt, was Eiskunstlauf mit Ermittlungsarbeit zu tun hat und warum er selbst schon einmal für einen Verbrecher gehalten wurde, erzählt er bei uns im Interview.

Rudi Cerne: "Ich bin ein vorsichtiger Mensch, aber nicht ängstlich"

RTL: Herr Cerne, Sie haben in Ihrer Sendung mit den schlimmsten Verbrechen zu tun. Glauben Sie noch an das Gute im Menschen?

Rudi Cerne: Absolut. Ich bin da unerschütterlich. Ich bin von Natur aus ein vorsichtiger Mensch, aber nicht ängstlich. Angst kann auch lähmen. Das habe ich schon als Leistungssportler auf dem Eis kennengelernt. Wenn du zum dreifachen Axel anläufst und gleich Angst vor dem Sturz hast, dann ist der Sturz vorprogrammiert. Das muss man selbstbewusst und optimistisch angehen, und so glaube ich weiterhin an das Gute im Menschen. Durch „Aktenzeichen XY … ungelöst“ bin ich aber in meiner Vorsicht bestätigt worden.

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"Aktenzeichen XY ... ungelöst" - warum die Sendung Cold Cases ins TV bringt

Rudi Cerne ist ehemaliger Eiskunstläufer
Schon immer im Rampenlicht: Vor seiner Fernsehkarriere war Rudi Cerne Eiskunstlaufprofi.
deutsche presse agentur

Sie haben gerade Ihre frühere Karriere angesprochen, nämlich die als sehr erfolgreicher Eiskunstläufer. Gibt es eine Parallele zwischen Verbrechensaufklärung und Eiskunstlauf?

Darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht. Aber ich glaube, dass ich durch den Sport auch sehr hartnäckig sein kann. Wir wissen ja zum Beispiel: Mord verjährt nie. Alte Fälle, Cold Cases, werden nie zu den Akten gelegt, sondern neu aufgerollt. Man setzt sich mit neuem, frischen Blick an einen zurückliegenden Mordfall, um ihn zu lösen. Und so kommt es vor, dass ein Fall nach Jahrzehnten tatsächlich noch geklärt werden kann. Wie damals das Tötungsdelikt der Lolita Brieger.

Was hilft der Polizei abgesehen von neuer Technik? Und welche Rolle spielt Ihre Sendung?

Bei Cold Cases heißt es oft: Wer soll sich denn nach so langer Zeit noch an Details erinnern? Beispielsweise ob ein Auto links oder rechts abgebogen ist? Darum geht es nicht. Es geht um Situationen, dass einfach soziale Bindungen von Personen zueinander sich im Laufe der Jahre ändern können. Wer früher zusammengehalten hat wie Pech und Schwefel, ist plötzlich spinnefeind. Und so kann es sein, dass ein Mitwisser tatsächlich nach vielen, vielen Jahren auspackt, weil ihn das Mitwissen unglaublich belastet. Auch durch unsere Sendung kann er den letzten Anstoß bekommen.

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Deutschland im True-Crime-Hype

Ihre Sendung holt jedes Mal Millionen Zuschauer vor die Geräte. Jetzt machen sie auch einen Podcast: Worum geht es darin?

Im Podcast „Unvergessene Verbrechen“ beschäftigen wir uns mit Fällen aus den vergangenen 55 Jahren. Aktuelle Fälle, gelöste Fälle, ungelöste Fälle. Wir haben in diesem Podcast, der zwischen 30 und 60 Minuten lang ist, die Gelegenheit, ganz intensiv auf die Details zu schauen und in diesen Fall einzutauchen. Dann kommen auch Ermittlerinnen und Ermittler zu Wort und schildern eindringlich, was sich in ihrem Fall ereignet hat und wie sie einen Täter überführt haben. Das ist erschütternd aber auch spannend

Warum ist Deutschland so fasziniert von Verbrechen?

Wir erleben gerade eine Renaissance in Sachen True-Crime und weil „Aktenzeichen XY… ungelöst“ das Original, die Mutter aller True-Crime-Sendungen ist und im Prinzip der Vorläufer des interaktiven Fernsehens – Zuschauerinnen und Zuschauer können aktiv bei der Verbrechensbekämpfung mithelfen. Dass ein Mörder oder Vergewaltiger immer noch frei rumläuft, ist gruselig. Da kriegt man eine Gänsehaut, wenn ein Ermittler sagt: Bevor wir diesen Kinderschänder fassen, wird er wahrscheinlich noch einmal zuschlagen. Und deswegen ist es so wichtig, dass man einfach dranbleibt. Die Menschen sind meines Erachtens weniger fasziniert, sondern ergriffen von dem, was bei uns in der Sendung passiert.

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Rudi Cerne - verwechselt mit dem RAF-Terroristen Christian Klar

Verwechslung mit Terroristen
Mit diesem Mann, dem Terroristen Christian Klar, wurde Rudi Cerne am Flughafen verwechselt.
deutsche presse agentur

Herr Cerne, sind Sie selbst eigentlich schon mal Opfer eines Verbrechens geworden?

Ich hatte bisher Glück. Das einzige, was mir mal widerfahren ist, war eine Verwechslung. Das war in der Hochzeit des RAF-Terrorismus 1978. Am 27. Dezember hatte man mich am Flughafen in Düsseldorf festgenommen, weil man mich mit Christian Klar – einem Terroristen – verwechselt hatte. Aber das ist alles glimpflich ausgegangen. Es waren aufregende 20 Minuten, aber dann hat sich alles aufgeklärt und der Polizeihauptkommissar hatte mir dann noch geholfen, den Koffer vom Gepäckband zu nehmen. Weil ich mir damals bei einem Sturz die Schulter ausgekugelt hatte und verletzt nach Hause geflogen bin.

Die Polizei – dein Freund und Helfer. Herr Cerne, herzlichen Dank für das Gespräch.