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Afghanistan: Unterdrücken die Taliban wieder die afghanische Liebe zum Fußball?

In Deutschland kickende Nationalspieler bangen um ihre Heimat

Unterdrücken die Taliban wieder die afghanische Liebe zum Fußball?

epa03831609 Players of the Afghan national soccer team celebrate after winning against Pakistan in an interantional friendly soccer match in Kabul, Afghanistan, 20 August 2013. In the first international soccer match held in Kabul in 10 years, Afghan
Afghanistan ist eigentlich ein fußballverrücktes Land.
dpa, S. Sabawoon

Fragen über Fragen

Wie geht es in Afghanistan, von wo seit Tagen Menschen unter anderem von der Bundeswehr ausgeflogen und in Sicherheit gebracht werden , unter den Taliban weiter? Was wird aus dem Sport? Dürfen Mädchen weiter Fußball spielen? Wegen der besorgniserregenden politischen Situation in Afghanistan machen sich Afghanen in Deutschland große Sorgen.

Sorgenvoller Blick in die afghanische Heimat

Panische Menschen, die sich an startende Flugzeuge klammern . Eltern, die ihre Babys völlig fremden Soldaten in die Arme drücken. Tote. Chaos. Leid. Für Abassin Alikhil sind die dramatischen Bilder aus Afghanistan kaum zu ertragen. „Das ist alles so, so traurig. Niederschmetternd“, sagte der afghanische Fußball-Nationalspieler dem Sportinformationsdienst. „Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie verzweifelt die Menschen sein müssen. Wir können nur das Beste hoffen.“

Alikhil ist 30 Jahre alt, wurde in Frankfurt geboren, ist Controller von Beruf und Mittelfeldspieler in der 5. Liga beim SC Hessen Dreieich. Er ist einer von vielen afghanischen Sportlern in Deutschland, die derzeit wie der Rest der Welt mit bangem Blick auf die Entwicklungen in Kabul schauen. Alikhils Eltern und Geschwister leben seit Jahren in Deutschland in Sicherheit vor den Taliban, aber weitere Verwandte und Freunde befinden sich noch in Afghanistan. „Und sie fragen sich: Was wird passieren?“, so Alikhil.

Die Ungewissheit im Schockzustand

Wie geht es weiter unter der Herrschaft der radikalen Islamisten? Alikhil weiß es natürlich auch nicht, er kann seinen Freunden nur beistehen. Diese Hilflosigkeit deprimiert auch Hassan Amin. „In den Straßen, durch die ich selbst gelaufen bin, patrouillieren jetzt die Taliban. Wir wissen alle nicht, was noch passieren wird“, sagte der 29-Jährige, ebenfalls afghanischer Nationalspieler, dem „Mannheimer Morgen“. „Es ist ein sehr bedrückendes Gefühl. Wir sind alle schockiert.“

Sowohl Alikhils als auch Amins Eltern sind in den 1980er Jahren vor dem Bürgerkrieg in Afghanistan geflüchtet, beide wurden in Deutschland geboren, beide hatten Talent, beide spielen Fußball für Afghanistan. Oder spielten? „Bei den Länderspielen die Liebe der Menschen zu spüren, war wunderbar“, sagte Alikhil. Und Amin meinte: „Ein Spiel für die Nationalmannschaft ist nicht nur ein Spiel, da steckt viel viel mehr dahinter. Eine ganz andere Botschaft, eine ganz andere Symbolik.“

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"Sie haben schon früher den Fußball nicht zugelassen"

Aber werden die Taliban Fußball und Sport weiterhin erlauben? Auch für Frauen? Dürfen die Mädchen weiter zur Schule und zum Training gehen? Die FIFA und das IOC machen sich natürlich auch Sorgen. Derweil teilte die internationale Spielergewerkschaft FIFPRO mit, dass mit Hilfe Australiens eine Gruppe Fußballerinnen ausgeflogen werden konnte. „Unsere Herzen sind bei allen anderen, die gegen ihren Willen im Land gestrandet sind“, sagte FIFPRO-Generalsekretär Jonas Baer-Hoffmann.

„Sie haben schon früher den Fußball nicht zugelassen, Frauen das Sporttreiben verboten und Versprechungen gemacht, die sie nicht eingehalten haben“, sagte Dastagier Kakar, Präsident des Afghanischen Sport-Vereins Hamburg, dem „NDR“. Gerade für „Frauen im Sport bin ich sehr skeptisch. Dabei gab es unter den Mädchen und jungen Frauen ein riesiges Interesse am Fußball.“

Im Oktober und November waren für die Fußball-Männer eigentlich Freundschaftsspiele geplant. Alikhil weiß noch nicht, ob er im Fall der Fälle für Afghanistan, quasi unter der Flagge der Taliban, spielen würde. „Eine ganz, ganz schwierige Frage“, sagte er. „Natürlich will ich denen keine Plattform geben. Aber auf der anderen Seite ist Afghanistan ein fußballverrücktes Land. Vielleicht könnten wir den Menschen Hoffnung geben, vielleicht würden sie ihre Sorgen vergessen – zumindest für ein paar Minuten.“ (sid/sho)