Über 30 Verbindungen im Check

Freundliches Personal, aber verkeimte Toiletten! ADAC checkt Bahn-Fernreisen

Wie gut sind Fernreisen mit der Deutschen Bahn? Der ADAC hat's getestet.
Wie gut sind Fernreisen mit der Deutschen Bahn? Der ADAC hat's getestet.
© Daniel Kubirski, dpa/picture alliance, R4981 Daniel Kubirski

22. November 2021 - 10:38 Uhr

Wo kann die Bahn punkten?

Mit der Bahn in Urlaub zu fahren, das kann total Spaß machen – vor allem, wenn man mit Kindern unterwegs ist. Wer sich früh um Tickets und Reservierungen bemüht, fährt im Fernverkehr preiswert und stressfrei durchs Land. Um zu prüfen, wie gut die Qualität von Bahnreisen auf Fernstrecken wirklich ist, hat der ADAC im Sommer Tester durch ganz Deutschland fahren lassen. Was ist den Reisenden besonders wichtig – und wo kann die Bahn punkten und wo so gar nicht?

Das ist Reisenden besonders wichtig

Gute Qualität und passende Angebote sind wichtig, damit die Bahn als Auto-Alternative in Zeiten des Klimawandels punkten kann – so sieht das auch der ADAC. Aber was ist Reisenden beim Bahnfahren besonders wichtig? Information und Pünktlichkeit sowie Zustand und Hygiene der sanitären Einrichtungen stehen an erster Stelle und wurden in einem großen Fernreisen-Test vom ADAC deswegen am stärksten gewichtet. Es folgen Sitz- und Reisekomfort, Personal sowie Handynetz und WLAN. Das Ergebnis der ADAC-Tester fällt gemischt aus: Die Kompetenz des Personals konnte sie überzeugen, der Sitz- und Reisekomfort schnitt ebenfalls gut ab. Aber in Sachen Pünktlichkeit, Hygiene und WLAN gibt es eindeutig Verbesserungsbedarf.

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Guter Reisekomfort und freundliches Personal

Insgesamt gut schneidet die Bahn heute schon in Sachen Sitz- und Reisekomfort ab, so der Automobil-Club: Sitzplatzreservierung, Ausstattung und Sauberkeit sowie das gastronomische Angebot zahlten im Test auf diese Kategorie ein. 19 getestete Züge erhielten hier eine "sehr gute" Bewertung. Beim Thema Ruhe- und Handybereiche stellten die Tester fest: in der 2. Klasse in IC-Zügen schlichtweg gar nicht vorhanden. Es ist wohl nach wie vor besser, immer an ausreichend Reiseverpflegung zu denken, denn: Auf das gastronomische Angebot können sich Reisende auch nicht verlassen. Gut abschneiden konnten die Zugbegleiter im Test: kompetent und fast immer schnell in den Zügen zu finden, so das Urteil. Bei den 30 Fahrten gab es dafür 27-mal die Bestnote.

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Nur 12 von 30 Zügen ganz pünktlich

Pünktlich waren im Test nur zwölf der 30 getesteten Verbindungen. Sieben davon hatten maximal sechs Minuten Verspätung, weitere sechs blieben unter 16 Minuten, so der Test. Aber bei drei Verbindungen waren die Verspätungen teils sehr viel größer. Größte Verspätung: 92 Minuten nach der eigentlichen Ankunftszeit. Und zwei der ursprünglich 30 geplanten Fahrten konnten die ADAC-Tester erst gar nicht erst antreten: Die Züge sind ganz ausgefallen. Alternative Verbindungen seien aber rechtzeitig angekündigt worden, Gleiswechsel oder Verspätungen wurden per Push oder E-Mail durchgegeben. Nur in einem Zug gab es keine Durchsagen. Deswegen gab es von den Testern beim Thema Info-Fluss ein insgesamt "gut".

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Toilettenhygiene teils mangelhaft

Deutlichen Verbesserungsbedarf gibt es im Bereich der Hygiene: In zwölf Zügen gab es "eine auffällige Keimbelastung, neun Proben waren sogar potenziell gesundheitsgefährdend", so die Tester. Türklinken und Toilettenbrillen waren keimbelastet. In zwei Zügen waren die barrierefreien Toiletten sogar dauerhaft gesperrt. Hier müsse die Bahn dringend nachbessern, fordert der Club: "Gründlichere Reinigungen der Toiletten, aber auch das zuverlässige Bereitstellen von Hygienebeuteln und in Pandemiezeiten vor allem von Desinfektionsmitteln sollten Bahnfahrende erwarten dürfen."

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WLAN: Surfen jein, streamen nein

In Sachen WLAN-Empfang ist das Testergebnis gemischt: Fünf Züge hatten überhaupt kein WLAN, nur bei knapp der Hälfte der Fahrten hatten die Tester immer einen guten Empfang. Das Testurteil "gut" gab es allerdings schon bei 2 Mbit pro Sekunde. Streaming ist mit einer solchen Bandbreite allerdings schlecht möglich. Die Handynetz-Qualität war im Schnitt in vier von zehn Zügen durchwegs gut. (ija)