Magdeburger Grundschule spricht Erstklässlern Fahrverbot aus

Ab wann darf mein Kind allein mit dem Fahrrad zur Schule?

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14. Januar 2020 - 17:17 Uhr

Gedränge durch Elterntaxis sorgt für Ärger

Sie fahren ihre Kinder im Auto direkt bis vor die Tore der Schule und verstopfen so den Eingang: Elterntaxis sind immer wieder Anlass zur Diskussion. In einer Magdeburger Grundschule ging diese jetzt sogar so weit, dass die Schulleitung Erstklässlern verbot, mit dem Rad zur Schule zu kommen – um sie vor dem Auto-Gedränge zu schützen. Ist so eine Regelung überhaupt erlaubt, und wann ist ein Kind alt genug, um alleine Fahrrad zu fahren? Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club ADFC gibt Antworten.

Gibt es eine Altersbeschränkung für den Schulweg mit dem Fahrrad?

Viele Eltern sind verunsichert: Zwar gibt es in der dritten oder vierten Klasse eine Fahrradprüfung, doch meistens sind die Kleinen schon vorher mit dem Rad unterwegs – auch auf dem Weg zur Schule. Dürfen sie das überhaupt? "Rein rechtlich ist die Situation eindeutig: Es gibt weder eine Altersbeschränkung, noch dürfen Schulen Radfahrverbote aussprechen", erklärt Martin Hoffmann, Landesvorsitzender des ADFC Sachsen-Anhalt. Die Entscheidung, das Kind mit dem Fahrrad zur Schule fahren zu lassen, liege somit ausschließlich bei den Eltern.

Gut zu wissen: Unabhängig von Verkehrsmittel und Alter sind alle Schülerinnen und Schüler auf den Wegen von und zur Schule im Rahmen der gesetzlichen Unfallversicherung abgesichert. Auch dann, wenn sie trotz anderweitiger Empfehlungen der Schule mit dem Rad fahren.

Was empfiehlt der ADFC, damit Kinder sicher Fahrrad fahren können?

"Die jeweilige Kommune muss zusammen mit den Schulen Schulwegkonzepte entwickeln, mit denen gewährleistet wird, dass alle Kinder ihre Schule sicher mit dem Rad oder zu Fuß erreichen können. Städte wie Wien oder Eltville zeigen zudem, dass auch temporäre Sperrungen der Schulstraßen zu Schulstart- bzw. Schulendzeiten machbar ist."

Für den ADFC sind nicht die fahrradfahrenden Kinder selbst das Problem, sondern eher die Elterntaxis, wie es auf der Website heißt: "Oft wird der starke Autoverkehr vor Schulen von den Eltern selbst verursacht, weil sie ihr Kind mit dem Auto bringen. Meistens ist der Schulweg für Grundschulkinder so kurz, dass sie diesen durchaus zu Fuß oder mit dem Rad bewältigen können. Eltern tragen also zur Sicherheit vor Schulen bei, wenn sie dort nicht Auto fahren."

Was können Eltern sonst noch tun?

Laut ADFC sollten Eltern sich nicht blind auf die schulische Fahrradprüfung verlassen. "Die Ausbildung ist recht kurz, oft werden im immer gleichen geschützten Raum – häufig sogar nur auf dem Schulhof oder in einer Halle – dieselben Standardsituationen geübt, die an der Realität des konkreten Schulwegs teilweise vorbeigehen", warnt der Verein. Eltern sollten deshalb mit ihren Kindern alle Alltagswege üben, die zu Fuß oder mit dem Rad zurücklegt werden, empfiehlt Martin Hoffmann.

Je früher die Kleinen außerdem die bloßen Bewegungsabläufe auf dem Rad verinnerlichen, desto eher und besser können sie sich auf den Straßenverkehr konzentrieren. Der ADFC empfiehlt: "In der Praxis zeigt sich, dass Grundschulkinder der ersten und zweiten Klasse vom konsequenten Radfahrtraining besonders profitieren." Wie Martin Hoffmann erklärt, sollten Kinder "vor dem Hintergrund des bedrohlichen Bewegungsmangels, den positiven Effekten des Radfahrens auf die schulischen Leistungen, aber auch vor dem Hintergrund des Klimawandels"  eher darin gefördert werden, mit dem Rad zur Schule zu kommen – statt es zu verbieten.