Eine ganz besondere Freundschaft

Mary O'Neill und Benjamin Olson trennen 97 Jahre

Trotz ihrer 97 Jahre Altersunterschied sind Mary O’Neill und Benjamin Olson befreundet. 
(Symbolbild)
Trotz ihrer 97 Jahre Altersunterschied sind Mary O’Neill und Benjamin Olson befreundet. (Symbolbild)
© picture alliance, picture alliance / imageBROKER |, Judith Thomandl

02. August 2021 - 9:51 Uhr

Die Corona-Pandemie schweißt die beiden Freunde zusammen

von Emily Linow

Es ist eine ganz besondere Freundschaft: Mary O'Neill ist fast 100 Jahre alt, ihr kleiner Nachbar und bester Freund erst zwei. Die Pandemie schweißte sie zusammen. Jetzt halten sie an der Freundschaft fest.

Mary O'Neill (99) und Benjamin Olsen (2) pflegen eine ungewöhnliche Freundschaft

Sie haben einen Altersunterschied von 97 Jahren: Mary O'Neill ist 99 Jahre alt, der Nachbarjunge Benjamin Olson erst zwei. Die ungewöhnliche Freundschaft begann so, wie die meisten Freundschaften beginnen: mit Smalltalk. In diesem Fall redete allerdings nur O'Neill und Benjamin antwortete mit Kopfschütteln und etwas Babygebrabbel, wie die "Washington Post" es beschreibt. Dennoch entwickelten sie schnell eine Bindung zueinander. In O'Neill fand Benjamin eine Spielkameradin trotz der Pandemie. In Benjamin fand O'Neill einen Quarantänebegleiter – den sie dringend brauchte.

Gemeinsam durch die Corona-Pandemie

Die Freundschaft intensivierte sich im amerikanischen Lockdown im Mai vergangenen Jahres, als die Nachbar:innen zu Hause in Minneapolis eingesperrt waren. Die Häuser liegen nebeneinander und teilen sich einen Zaun. Laut "Washington Post" lebt der kleine Benjamin dort gemeinsam mit seinen Eltern und seinem jüngeren Bruder Noah. Mary O'Neill lebt seit dem Tod ihres Mannes vor 37 Jahren alleine.

Da sie nirgendwo hingehen und niemanden sehen konnte, verbrachte O'Neill im Lockdown mehr Zeit an der frischen Luft in ihrem Garten, wie sie der "Washington Post" erzählte. Auf der gegenüberliegenden Seite des Zauns taten die Olsons das Gleiche. Obwohl sie seit 12 Jahren Nachbarn sind, "haben wir während der Quarantäne angefangen, viel mehr Zeit miteinander zu verbringen", sagte Benjamins Mutter Sarah Olson der "Washington Post". Innerhalb weniger Wochen sei O'Neill zu Benjamins erster Freundin geworden.

RTL NEWS empfiehlt

Anzeigen:

Das Highlight eines jeden Tages

Benjamin war zwar nicht O'Neills erster Freund, aber wie O'Neill der "Washington Post" erzählte, betrachte sie ihn jetzt als einen geliebten Kumpel. Ihre Bindung sei ganz natürlich entstanden, sagt sie. Schließlich "ist es schwer, ihn nicht zu lieben". Trotz seines Alters sei er "sehr verständnisvoll. Er redet nicht viel, aber er weiß genau, wovon man spricht", so O'Neill laut "Washington Post". "Er ist freundlich zu mir, und ich bin freundlich zu ihm."

Die alte Dame sei es gewohnt, allein zu sein, berichtete sie der "Washington Post". Obwohl sie zwei Kinder, vier Enkel und sechs Urenkel habe – doch diese lebten außerhalb des Bundesstaates. Sie berichtete zudem, dass sie zwar viel hätte, mit dem sie sich beschäftige, aber ohne die Freundschaft mit Benjamin wären die Monate der anhaltenden pandemiebedingten Isolation "viel einsamer gewesen. Ich hätte nichts zu tun gehabt. Das Spielen mit Benjamin ist etwas, worauf ich mich jeden Tag freue", fügt sie hinzu. Sie würden Ball spielen oder gemeinsam auf der Treppe ihrer Veranda sitzen, Seifenblasen pusten und stundenlang kichern.

So begann ihre ganz besondere Freundschaft

"Eines Morgens kam ich aus dem Haus und er warf seinen Ball gegen den Zaun", erzählte O'Neill, die seit 1969 in ihrem Haus lebt der "Washington Post". "Ich nahm meinen Gehstock, griff über den Zaun und schlug den Ball zu ihm hin, und er warf ihn zurück. So hat es angefangen." In den ersten Monaten ihrer Freundschaft blieb O'Neill auf ihrer Seite des Zauns und Benjamin auf seiner. In den Wintermonaten waren die Spielverabredungen seltener, "aber oft packte Benjamins Mutter ihn in dicke Kleidung und kam zu mir nach Hause, damit ich ihn sehen konnte", so O'Neill.

Mit der Zeit und dem wärmeren Wetter verbrachten die Freunde noch mehr Zeit miteinander, und "jetzt, wo wir geimpft sind, gibt es viel mehr enge Kontakte", sagte Olson der "Washington Post". Jetzt gäben sich die beiden sogar Highfive oder hielten Händchen. "Er kommt mit seiner kleinen Hand und legt sie in meine", sagte O'Neill.

Mary freut sich über die Freundschaft: "Ich schätze, im Herzen bin ich eine Zweijährige"

Benjamin und seinen Bruder aufwachsen zu sehen, sagte die 99-Jährige, "gibt mir ein Gefühl der Erfüllung und Zufriedenheit. Und ich bin wirklich glücklich". In den letzten Wochen hat Benjamin begonnen, mehr Wörter zu sprechen, einschließlich seiner eigenen Interpretation von O'Neills Namen. Er nenne sie "Mimi".

O'Neill zählte währenddessen sorgfältig seine neuen Zähne, die Wörter, die er kennt, und, als er jünger war, die Fortschritte beim Gehen. O'Neill feiert im Dezember ihren 100. Geburtstag und gibt aus diesem Anlass eine Party. Benjamin und seine Familie werden dabei sein. "Ich fühle mich nicht 100 Jahre alt", sagte O'Neill der "Washington Post". Ihre Freundschaft mit Benjamin beweise, dass Alter nur eine Zahl sei. "Ich schätze, im Herzen bin ich eine Zweijährige", sagte sie. Ungeachtet der Jahrzehnte, die sie trennen, gehörten Benjamin und sie einfach zusammen.

Dieser Artikel erschien zuerst bei stern.de.

Auch interessant