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11 Wochen zu früh geboren: Frühchen-Mama will mit schlimmen, pauschalisierenden Klischees aufräumen

„Ganz normales Kind!“

Baby kam 11 Wochen zu früh: Mutter (26) will mit schlimmen Frühchen-Klischees aufräumen

Eltern mit Frühchen-Baby
Die Eltern Stefanie Maier (26) und ihr Lebensgefährte Simon (29) mit ihrem kleinen Sohn, der im Dezember elf Wochen zu früh zur Welt gekommen ist.
Privat

von Madeline Jäger

Es passierte ganz plötzlich. Stefanie Maier (26) verlor mehrfach Fruchtwasser. Also kam die Schwangere am 8. Dezember 2021 ins Krankenhaus und alles musste ganz schnell gehen. Nach einem Not-Kaiserschnitt durfte sie das erste Mal ihren kleinen Sohn im Arm halten – elf Wochen zu früh. Doch die Familie aus Deggendorf in Bayern ist trotzdem glücklich. Bis sie dann viel Negatives über Frühgeburten hörte und las. Dabei macht sich ihr kleiner Sohn mittlerweile extrem gut! Jetzt will die Mutter im RTL-Gespräch mit negativen Klischees über Frühchen aufräumen, um anderen Eltern Mut zu machen.

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Mutter erlebt schwere Geburt, doch was im Nachhinein passiert, ist noch schlimmer

Die Geburt war für Stefanie Maier beschwerlich, denn alles musste sehr schnell gehen. Das Behandlungsteam wartete nicht, bis die Betäubung richtig wirkte – rasend schnell und innerhalb von 40 Minuten wurde ein Not-Kaiserschnitt durchgeführt. „Ich habe den ganzen Kreißsaal vollgeschrien“, schildert Maier über die prägende Erfahrung. Danach wurde ihr Kind erst einmal weggebracht.
Doch kurz danach kam dann der erste Mutter-Sohn-Moment und das Neugeborene wurde ihr auf die Brust gelegt. „Es war schön, ihn zu sehen – auch, wenn er sehr klein und seine Haut sehr dünn war“, schildert Maier bewegt. Ihr Sohn kam elf Wochen zu früh zur Welt, war 38 Zentimeter groß und wog nach dem Kaiserschnitt 1.100 Gramm. Das Frühchen musste nach der Geburt in einen Säuglings-Inkubator, um optimal versorgt zu werden. „Wir waren jeden Tag bei ihm, von früh bis spät“, sagt Maier. Erst acht Wochen später durften Stefanie Maier und ihr Lebensgefährte das Baby endlich mit nach Hause nehmen.

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Frühgeburt: Viele negative Klischees trotz besserer Behandlungsmethoden

Von einer sogenannten Frühgeburt spricht man, wenn das Kind vor Vollendung von 37 Schwangerschaftswochen geboren wurde oder bei der Geburt weniger als 2.500 Gramm gewogen hat. Laut Berufsverband der Frauenärzte e.V. (BVF) treten Frühgeburten heute mit der gleichen Häufigkeit auf wie früher. Jedoch sind die Möglichkeiten, ein Frühgeborenes zu behandeln, um ein Vielfaches besser als noch vor wenigen Jahrzehnten. Besonders die sehr kleinen Frühgeborenen mit einem Geburtsgewicht unter 1.500 Gramm profitieren stark von den besseren Behandlungsmethoden.

Trotzdem kursieren in der Öffentlichkeit vor allem negative Vorurteile über Frühchen. Angeblich würden Frühchen nie ein normales Leben führen und sowohl körperlich als auch psychisch bis ins Erwachsenenalter eingeschränkt sein. Dabei kann man dies heutzutage laut den Experten in dieser Pauschalität überhaupt nicht mehr behaupten.

„Ich war 25 Jahre alt und bis heute habe ich diese knapp zwei Monate auf der Intensivstation nicht verarbeitet. Man hört und liest nur Negatives über Frühchen, sie seien in allem hinten dran und werden ALLE in eine Schublade gesteckt. Es gibt keinen Mutmacher-Bericht, der Frühchen-Eltern Hoffnung und Kraft gibt“, kritisiert Maier.

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Haben Sie auch schon Erfahrungen mit Frühchen gemacht?

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Doch mit diesen ausschließlich negativen Klischees über Frühchen möchte die 26-jährige Mutter nun aufräumen. Nachdem sie ihren Sohn acht Wochen nach der Geburt mit nach Hause nehmen konnte, hätten die Eltern zwar Arzttermine wahrnehmen und einen möglichen Behandlungsbedarf abklären müssen, jedoch hätten sich alle Anhaltspunkte als absolut medizinisch behandelbar herauskristallisiert.

„Obwohl mein Sohn elf Wochen zu früh kam, ist er ein ganz normales Kind! Er ist nicht behindert, eingeschränkt, benachteiligt oder sonstiges. Es würde mir und sicherlich vielen anderen Eltern von Frühgeborenen helfen, wenn man mal öfter von solchen Erfahrungen hören oder lesen würde, um mit der Situation besser umgehen zu können“, so Maier. Schließlich wollten Eltern nichts mehr als an das eigene Kind glauben. Frühchen-Eltern würden so viel leisten und trotzdem zunächst erst einmal nur mit negativen Prognosen konfrontiert.

Baby von Stefanie Maier
Das Baby von Stefanie Maier (26) entwickelt sich sehr gut. Auch, wenn es elf Wochen zu früh zur Welt gekommen ist.
Privat

Frühchen: „Wenn die Kleinen gefördert werden, können sie sich ganz normal entwickeln“

„Mein Sohn ist jeden Tag lebhafter und mir geht das Herz auf, wenn ich ihn lächeln sehe“, beschreibt Maier. Sie vergleicht ihn in erster Linie mit Kindern, die vier Monate alt sind, auch wenn ihr Kind seit mehr als einem halben Jahr auf der Welt ist. „Und dafür entwickelt er sich gut“, betont Maier. Auch ihre Eltern und Schwiegereltern seien von der Entwicklung des kleinen Jungen begeistert. „Ich will, dass andere Eltern sich nicht von diesen einseitigen Berichten verunsichern lassen. Frühchen ist nicht gleich Frühchen, es gibt viele Unterschiede. Und wenn die Kleinen gefördert werden, können sie sich oft auch ganz normal entwickeln“, so die Mutter deutlich über ihre Erfahrung.