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Missbrauchsskandal: Kirche feuert ersten Priester

16.03.10

Foto: AUTOIMPORT

Verstoß gegen die Auflagen

Die Kirche zieht erste personelle Konsequenzen aus dem Missbrauchsskandal: Das Erzbistum München hat den umstrittenen Pfarrer Peter H. mit sofortiger Wirkung vom Dienst suspendiert. Der wegen sexuellen Missbrauchs vorbestrafte 62-Jährige durfte keinen Kontakt mehr zu Kindern haben. Er habe sich aber “nachweislich nicht an die Auflagen gehalten“, teilte das Ordinariat in München mit.

Der Fall hatte für Aufsehen gesorgt, weil der Geistliche 1980 von Essen nach München kam. Dort war Papst Benedikt XVI. von 1977 bis 1982 Erzbischof. Der Priester wurde im Münchner Erzbistum wieder in einer Gemeinde in Oberbayern eingesetzt, feierte dort weiter Jugendgottesdienste. 1985 missbrauchte er mindestens zwei Minderjährige und wurde zu 18 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.

Der Priester war seit 2008 als Kur- und Tourismusseelsorger eingesetzt. Seit der Verurteilung im Jahr 1986 lägen keine Hinweise auf neuerlichen sexuellen Missbrauch vor, betonte das Ordinariat. In Zusammenhang mit den missachteten Auflagen trat auch der Dienst- und Fachvorgesetzte des Priesters, Prälat Josef Obermaier, zurück.

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Missbrauchsserie erreicht Baden-Württemberg

Derweil hat die Serie der Missbrauchsvorwürfe in kirchlichen Einrichtungen auch das Kapuzinerkloster in Bad Mergentheim (Baden-Württemberg) erreicht. Dort soll Anfang der 70er Jahre ein heute knapp 80 Jahre alter Pater mindestens einen Schüler missbraucht haben. Das Opfer habe sich erst in den vergangenen Tagen gemeldet. Der Beschuldigte sei erst vor zwei Jahren wieder nach Bad Mergentheim versetzt worden. Da es "Auffälligkeiten" gab, sei er seit Jahren von allen seelsorgerischen Diensten entbunden, bestätigte ein Sprecher der Rheinisch-Westfälischen Kapuzinerprovinz in Münster.

Auch im Elite-Internat Schloss Salem hat es nach Angaben des früheres Leiters Bernhard Bueb sexuellen Missbrauch gegeben. Der 71-jährige Publizist sagte im Südwestrundfunk (SWR): "Es gab Situationen, wo Schüler sich an mich wandten oder an andere Mitarbeiter und erklärten, sie seien belästigt worden." Die verantwortlichen Lehrer seien darauf sofort entlassen worden, sagte Bueb, der von 1974 bis 2005 an der Spitze der privaten Internatsschule am Bodensee stand. Er habe unmittelbar die Staatsanwaltschaft eingeschaltet.

Wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern geraten auch zwei Ordensmänner in Nordrhein-Westfalen ins Visier der Ermittler. Ein Mönch der Benediktiner-Abtei Königsmünster im sauerländischen Meschede hat sich selbst angezeigt. Ein Pater der Herz-Jesu- Missionare kündigte dasselbe an; das teilte Pater Werner Gahlen von der Ordensgemeinschaft in Münster mit und bestätigte damit Medienberichte.

Der Vatikan hat eine Erklärung des Papstes zum sexuellen Missbrauch in kirchlichen Einrichtungen angekündigt. Benedikt XVI. werde sein Schweigen brechen und schon bald in einem Hirtenbrief an die irischen Bischöfe klare Maßnahmen bekanntgeben.

Die Aufarbeitung der Fälle und eine bessere Vorbeugung sind Schwerpunktthemen bei der Frühjahrsvollversammlung der Freisinger Bischofskonferenz. Die katholischen Oberhirten Bayerns treffen sich dazu im oberfränkischen Wallfahrtsort Vierzehnheiligen. Am Mittwoch beginnen die zweitägigen Beratungen.

Viele Gläubige sind verunsichert, doch bisher haben die Missbrauchsskandale zu keiner Austrittswelle geführt. Dies ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur dpa in einigen besonders betroffenen Bistümern in Deutschland.

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