Ärger um Comedy-ProgrammAmanda Knox macht Witze über Mord an Mitbewohnerin – Schwester von getöteter Meredith Kercher ist fassungslos

„Meredith würde das nicht lustig finden“
Seit Jahrzehnten gilt Amanda Knox als „Engel mit den Eisaugen“. Nun will sie beim Edinburgh Fringe Festival in ihrer Comedy-Show „Cartwheel“ über Mutterschaft und den Mordfall von Perugia sprechen. Meredith Kercher ist 2007 getötet worden. Knox geriet unter Mordverdacht. Opfer-Schwester Stephanie Kercher hat Wind von der Comedy Show bekommen und kritisiert diese scharf.
Comedy-Show „Cartwheel“ über Perugia-Fall sorgt für Entsetzen
Auf der Seite des Edinburgh Festival Fringe wird „Cartwheel“ (auf Deutsch: Radschlag) als Programm über Mutterschaft beschrieben – und darüber, wie Amanda Knox ihrer Tochter erklären will, was in Perugia passiert ist. Der Titel spielt auf die berühmte Szene an, in der Knox nach dem Fund der Leiche angeblich auf der Polizeiwache Radschläge machte. Im „Telegraph“ betont sie: „Ich mache keine Witze über Merediths Tod. Ich scherze viel darüber, wie ich verleumdet wurde, aber ich scherze nicht über ihren Mord.“ Knox ist überzeugt, Meredith hätte ihren Humor „lustig“ gefunden.

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Genau dieser Punkt bringt Merediths Schwester Stephanie im BBC‑Frühstücksfernsehen auf die Palme. „Meredith würde darin keinen komischen Wert sehen“, sagt sie, und fordert Knox auf, „an die Familie hier zu denken, an ihre Freunde – und die Rollen einmal umzudrehen, wenn es ihrer Schwester passiert wäre“. Der Schmerz der Familie sei „unermesslich“, fast 20 Jahre nach der Tat spreche man noch immer jeden Tag darüber. Eine Petition aus Merediths Umfeld, die der Show „Missachtung ihres Andenkens“ vorwirft und davor warnt, Gewalt gegen Frauen zu normalisieren, hat bereits über 2.400 Unterschriften gesammelt, berichtet die BBC.

Stephanie Kercher warnt vor einem Präzedenzfall: Wenn eine einzelne, reale Tat zur Bühne für Comedy werde, könnten andere nachziehen. Sie fordert sogar Premierminister Andy Burnham auf, sich mit dem Thema zu befassen. Der Veranstaltungsort, das Gilded Balloon Teviot, verweist dagegen auf die Meinungsfreiheit und das breite Spektrum an Stimmen, das das Fringe Festival traditionell zulässt.
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2007 teilten sich Amanda Knox und Meredith Kercher als Austauschstudentinnen eine WG in der Universitätsstadt Perugia – und genau dort geschah der Mord, der bis heute die Debatten bestimmt. In der Nacht zum 2. November wurde die 21‑jährige Britin halbnackt und mit durchgeschnittener Kehle in ihrem Zimmer gefunden, sie war zudem sexuell missbraucht worden. Knox, damals 20, und ihr Freund Raffaele Sollecito kamen schnell unter Verdacht, wurden festgenommen, 2009 wegen Mordes verurteilt.
Knox hat ihre Sicht längst auf vielen Kanälen erzählt: in Büchern, einer Netflix‑Dokumentation und der Miniserie „The Twisted Tale of Amanda Knox“. Sie verbrachte vier Jahre im italienischen Gefängnis, wurde erst verurteilt, dann freigesprochen, dann noch einmal verurteilt – und schließlich 2015 endgültig von Italiens oberstem Gericht entlastet. Der einzige Verurteilte im Fall, Rudy Guede, saß 13 Jahre wegen Mordes an Meredith Kercher. Heute lebt Amanda Knox als 39‑jährige Mutter von zwei Kindern in Washington – und steht mit ihrer Comedy‑Show erneut im Rampenlicht. Für Merediths Schwester Stephanie ist die Sache eindeutig: Der Mord an ihrer Schwester ist für sie und viele andere Betroffene ein nie endender Schmerz – und genau deshalb findet sie es falsch, aus dieser Geschichte eine Comedy‑Show zu machen.



