Bis zu 60 Stunden pro FolgePhilipp Fleiter verrät, wie viel Arbeit hinter „Verbrechen von nebenan“ steckt

Mit „Verbrechen von nebenan“ ist Philipp Fleiter schon längst im Podcast-Olymp angekommen.
Seit 2019 stellt er dort echte Verbrechen vor. Hinter jeder einzelnen Folge steckt dabei enorm viel Arbeit. Doch auch, wenn genau das bei seinen Fans richtig gut ankommt, kann ausgerechnet einer die „Verbrechen von nebenan“-Folgen nicht hören, wie Fleiter im Interview mit RTL verrät.
Bis zu 60 Stunden pro Podcast-Folge! So aufwendig ist „Verbrechen von nebenan“
40 bis 60 Stunden für eine einzige Podcast-Folge! „Die Recherche ist der allergrößte Teil der Arbeit.“ Doch wer Philipp Fleiter bei „Verbrechen von nebenan“ zuhört, bekommt von diesem enormen Aufwand im besten Fall gar nichts mit. Denn genau das gehört für ihn zum Handwerk. Selbst vermeintliche Nebensächlichkeiten prüft der gelernte Journalist nach. „Wenn ich im Podcast erzähle, in Leipzig hat es am 14. November 1978 geregnet, dann hat es da auch geregnet“, erklärt er im RTL-Interview.
Dass diese Arbeit am Ende leicht klingt, sieht Fleiter inzwischen sogar als Kompliment. Früher habe es ihn geärgert, wenn Menschen Podcasten als „nur ein bisschen Quatschen“ abgetan hätten. Heute sieht er das anders. „Es ist, glaube ich, am schwersten, schwere Sachen leicht wirken zu lassen.“
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„Ich versuche, dass ich möglichst viel über die Opfer erzähle“ - dieser Fall lässt Philipp Fleiter nicht los
Leichtfertig will der Podcaster mit den echten Kriminalfällen in seinen Folgen trotzdem niemals umgehen. „Das sind ja echte Schicksale, die dahinterstehen.“ Die Kritik, dass mit Verbrechen und dem Leid anderer Menschen Geld verdient werde, kann Fleiter deshalb durchaus nachvollziehen. Vor allem dann, wenn Opfer zur Nebensache gemacht oder Verbrechen besonders blutrünstig erzählt werden. Bei „Verbrechen von nebenan“ setzt er darum bewusst einen anderen Schwerpunkt. „Ich versuche, dass ich möglichst viel über die Opfer erzähle“, sagt Fleiter. Immer wieder kommen bei ihm auch Betroffene oder Angehörige selbst zu Wort. Ihnen eine Stimme zu geben, sei ihm wichtig.
Vor allem ein Cold Case beschäftigt den Podcaster schon lange: der Mordfall Frauke Liebs. Die 21-Jährige kam 2006 nach einem WM-Spiel nicht mehr nach Hause. Erst drei Monate später wurde ihre Leiche im Kreis Paderborn entdeckt. „Das ist schon ein Fall, an den ich oft zwischendurch denken muss, auch für Fraukes Mutter, weil ich einfach hoffe, dass sie doch noch irgendwann Gewissheit bekommt, wer ihre Tochter getötet hat.“

„Weil er das zu gruselig findet“: Ausgerechnet sein eigener Freund kann „Verbrechen von nebenan“ nicht hören
So intensiv er sich beruflich mit Verbrechen beschäftigt, so konsequent versucht er, das Thema abseits des Podcast-Mikrofons draußen zu lassen. Früher habe er selbst viele True-Crime-Podcasts gehört, Zeitschriften gelesen und Dokumentationen geschaut. Heute fühlt sich das für ihn nach Arbeit an.
Sein privates Umfeld hilft beim Abschalten. Dort spielt True Crime kaum eine Rolle. Ausgerechnet sein eigener Freund hört keine einzige Folge von „Verbrechen von nebenan“ – „weil er das zu gruselig findet“, erzählt Fleiter lachend. Seine Versuche, ihn doch noch zum Hörer zu machen, scheitern bislang. Stattdessen höre sein Freund lieber „Kaulitz Hills“. Fleiters trockener Kommentar dazu: „Ey, die haben genug Geld.“ Doch eigentlich ist er darüber sogar froh. „Ich will ja nicht in meiner Freizeit auch die ganze Zeit über das Thema sprechen. Das ist halt Job. Und Feierabend ist Feierabend.“
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„Verbrechen von nebenan“: Die Fälle verändern seinen Blick aufs Leben
Abgestumpft habe ihn die jahrelange Beschäftigung mit Verbrechen allerdings nicht. Eher im Gegenteil. In den Geschichten entdecke er trotz allem auch Menschen, die nicht aufgeben. Ermittler, die weiter nach Antworten suchen, oder Angehörige, die nach einem schweren Verlust irgendwann wieder ins Leben zurückfinden.
Für Fleiter steckt darin eine wichtige Erkenntnis. „Wenn man eines aus diesem Thema rausziehen kann, dann wie schnell Leben vorbei sein kann und vor allem wie wertvoll Leben ist.“ Ihn habe seine Arbeit als True-Crime-Podcaster deshalb eher darin bestärkt, das eigene Leben bewusster zu genießen.
Diese Folgen von „Verbrechen von nebenan“ müsst ihr hören
Wer „Verbrechen von nebenan“ noch nicht kennt, dem legt Fleiter im RTL-Interview gleich zwei sehr unterschiedliche Folgen ans Herz. „Ein wirklich ganz, ganz lustiger Fall ist Folge 72 Scheintod.” Darin geht es um einen Mann, der auf der Ostsee verschwindet und angeblich tot ist – vielleicht aber auch nicht. Ganz anders ist eine Folge, die für Fleiter besonders gut zeigt, was ihm bei seiner Arbeit wichtig ist.
In Folge 182 erzählt er von einem jungen Mann, der in den österreichischen Bergen verschwindet. Dessen Eltern kämpfen jahrelang darum herauszufinden, was geschehen ist. Fleiter spricht ausführlich mit ihnen und lässt sie selbst Teil der Folge werden. Er bezeichnet sie als „die emotionalste Folge der letzten Monate“.

Ganz vom Podcast-Mikrofon weg kommt Philipp Fleiter übrigens auch jenseits von True Crime nicht. In seinem zweiten Podcast „Dieser eine Moment“ spricht er mit Menschen über Erlebnisse, die ihr Leben verändert haben. Dort kann es traurig werden, aber eben auch lustig – „man nimmt immer etwas mit“. Alle Folgen könnt ihr auf RTL+ verfolgen.
Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherche
































