Viele Kollegen haben Angst vor KonsequenzenMarie Nasemann packt über Übergriffe in der Schauspielbranche aus

Im Gespräch mit RTL wird Marie Nasemann deutlich
Im Gespräch mit RTL wird Marie Nasemann deutlich
RTL
von Marylin Müller und Anke Jonschker

Schluss mit den Grenzüberschreitungen!
Viele Frauen würden aus Angst schweigen. Das sagt Marie Nasemann jetzt offen über das Machtgefälle in der Medien- und Filmbranche. Beim Deutschen Filmpreis spricht sie mit RTL über unangenehme Erfahrungen, mutige Kolleginnen und darüber, warum sie einmal sogar zu einem Vorsprechen zurückkehrte, um ihre Meinung zu sagen.

Marie Nasemann plädiert für Solidarisierung und „laut sein”

„Gerade wir Frauen haben Angst, dass wir keine Rollen mehr kriegen, dass wir auf irgendwelchen schwarzen Listen stehen. Aber umso wichtiger ist es, dass wir uns solidarisieren und trotzdem laut sind und den Mund aufmachen, wenn es darauf ankommt.“

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Auf die Frage, ob es diese inoffiziellen schwarzen Listen tatsächlich gebe, wenn man sich als Frau nicht alles bieten lassen wolle, antwortet Marie Nasemann: „Ich glaube schon.“ Gleichzeitig gebe es solche Listen ihrer Erfahrung nach aber in beide Richtungen. Kolleginnen würden sich untereinander austauschen und berichten, „mit wem die Zusammenarbeit Horror war“.

Angesprochen auf einen offenen Brief, den sie gemeinsam mit anderen Schauspielerinnen unterzeichnet hat, wird Marie Nasemann (37) deutlich. Gerade in der Medien- und auch in der Filmbranche müsse man auf Themen aufmerksam machen, die nicht funktionieren. „Bei uns ist ein großes Thema das Machtgefälle.“ Viele Betroffene würden sich nicht äußern, weil sie Konsequenzen für ihre Karriere fürchten.

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Damit schneidet sie beim Deutschen Filmpreis ein Thema an, das die Film- und Medienbranche seit Monaten beschäftigt. Die Schauspielerin und Autorin macht deutlich, wie wichtig Solidarität unter Frauen sei und warum viele Betroffene trotzdem oft schweigen.

Marie Nasemann erinnert sich an unangenehmes Vorsprechen

Auch eigene Erfahrungen mit Grenzüberschreitungen spricht die 37-Jährige an. Besonders im Theaterbereich habe sie Situationen erlebt, die ihr bis heute im Gedächtnis geblieben sind. Dort habe sie schon Vorsprechen erlebt „wo ich rausgegangen bin und mir dachte ‚nee, das war jetzt echt überhaupt nicht cool.’”

Besonders bemerkenswert: Nasemann beließ es damals nicht dabei. „Ich bin dann teilweise auch noch mal zurückgegangen.“ Unter anderem erinnert sie dabei an ein Vorsprechen bei Regisseur Dieter Wedel. Etwa ein Jahr später wurden gegen ihn Vorwürfe wegen sexuellen Fehlverhaltens öffentlich. Heute ist sie happy über ihre Reaktion damals. „Ich war im Nachhinein froh, dass ich meinen Mund aufgemacht habe. Und nicht einfach den Schwanz eingezogen habe und nach Hause gefahren bin.“

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Große Bewunderung für Collien Fernandes

Viel Lob hat Marie Nasemann auch für Collien Fernandes, die in den vergangenen Monaten mit ihren Schilderungen über problematische Erfahrungen eine breite Debatte ausgelöst hat. „Ich finde es einfach wahnsinnig bewundernswert von ihr, dass sie da vorangegangen ist. Dass sie für uns alle diesen Schritt gegangen ist.“ Für Nasemann habe Collien damit eine Aufmerksamkeit geschaffen, die dringend notwendig sei, damit sich etwas verändere. Und damit Gesetze geschaffen würden.

Collien sei für ein Role Model und Marie ihr für ihren Mut unglaublich dankbar. Für die gesamte Branche könne daraus etwas Positives entstehen. „Ich denke schon, dass es einfach immer mutige Frauen braucht, die nach vorne gehen, die über ein Thema sprechen, was vielleicht tabuisiert ist.“

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„So schaffen wir es gemeinsam, das Thema zu enttabuisieren“

Dabei zieht Marie Nasemann sogar Parallelen zu ihrer eigenen Geschichte. Im Jahr 2018 machte sie ihre Fehlgeburt öffentlich und erlebte danach, dass sich viele andere Frauen ebenfalls öffneten. „Seitdem trauen sich auch viel mehr Frauen, habe ich das Gefühl, auch über ihre Fehlgeburten öffentlich zu sprechen.“

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Genau diesen Effekt wünsche sich die 37-Jährige nun auch bei den aktuellen Debatten über Machtmissbrauch und Grenzüberschreitungen. „Und so schaffen wir einfach gemeinsam, das Thema zu enttabuisieren. Und das ist jetzt das Gleiche. Ich finde es wahnsinnig toll und ich hoffe, dass sich jetzt noch viel, viel mehr Frauen trauen, auch über solche Situationen zu sprechen.“

Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherche