Mord, Wahnsinn und DepressionenDas düstere Familiengeheimnis vom „Miss Marple”-Kult-Star

Margaret Rutherford erfuhr erst mit zwölf von ihrer düsteren Familiengeschichte.
Margaret Rutherford erfuhr erst mit zwölf von ihrer düsteren Familiengeschichte (Archivbild)
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Sie hatte immer wieder mit ihrer düsteren Familiengeschichte zu kämpfen ...
Als „Miss Marple” erobert Margaret Rutherford in den 60ern die Schauspielwelt, löst als kultige Detektivin jeden noch so verzwickten Fall – trotz traumatischer Erinnerungen an ihre eigene Kindheit, in der Mord, Wahnsinn und Lüge eine ebenso große Rolle spielen.

Todesdrama bei Margaret Rutherfords Eltern

Als Margaret Rutherford 1892 im Süden Londons das Licht der Welt erblickt, kämpft ihre Familie längst mit zahlreichen Dämonen. Ihr Vater William Rutherford wird erst zwei Jahre vor ihrer Geburt aus einer Psychiatrie entlassen – in der er wegen des Mordes an seinem eigenen Vater sitzt.

Erstmals begibt sich der Brite 1883 in Behandlung, leidet unter schweren Depressionen und Wutausbrüchen. Nach vier Wochen wird er entlassen, soll sich mit seinem Vater Reverend Julius Benn in einem Kurort erholen. Doch nach nur einigen Tagen findet eine Pensionsbesitzerin den Geistlichen tot in seinem Bett, wohl erschlagen mit einem Nachttopf. Sohn William versucht sich die Kehle aufzuschlitzen, überlebt aber – und landet für weitere sieben Jahre in einer Anstalt für psychisch kranke Straftäter.

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Vor allem mit ihrer Rolle als Miss Marple erlangte sie große Bekanntheit.
Vor allem mit ihrer Rolle als Miss Marple erlangte sie große Bekanntheit – hier mit ihrem Ehemann Stringer Davis (Archivbild)
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Seine Ehefrau Florence wartet auf ihn, nimmt ihn 1890 wieder in ihre liebende Obhut. Zwei Jahre später halten beide glücklich ihre Tochter Margaret in den Armen. Die kleine Familie zieht wenig später nach Indien, William arbeitet dort laut der Wohltätigkeitsorganisation English Heritage im Handel – dann folgt der nächste Schicksalsschlag. Mutter Florence nimmt sich Ende 1894, während sie mit ihrem zweiten Kind schwanger ist, das Leben.

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Margaret Rutherford wächst bei ihrer Tante auf

Von der Tragödie schockiert, kehrt William mit Margaret nach England zurück, übergibt seine Tochter seiner Schwägerin Bessie und landet wohl erneut in einer psychiatrischen Anstalt. Von all dem bekommt das damals dreijährige Mädchen nur wenig mit, wächst in dem Glauben auf, Vollwaise zu sein. Erst in ihrem zwölften Lebensjahr erfährt Margaret von all den traumatischen Ereignissen – und beginnt, selbst damit zu kämpfen. Immer wieder fehlt die Film-Ikone wegen Depressionen und Angstzuständen in der Schule, die sie ihr ganzes Leben begleiten.

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Halt gibt ihr immer die Liebe zum Schauspiel und Theater. Vor allem mit ihren Auftritten als „Miss Marple” in vier verfilmten Kriminalromanen (ab 3. April auf RTL+) erlangt sie internationales Ansehen, hat bis heute eine große Fangemeinschaft in Deutschland.

Im Alter von 80 Jahren stirbt Rutherford 1972 – ihre Auftritte als schrullige Detektivin werden aber auf ewig weiterleben. Ähnlich wie ihre nicht so bekannte, aber umso tragische Familiengeschichte.

Verwendete Quellen: English Heritage, Seenandheard