Synchron-Zoff um Netflix-HitStaffel ruiniert? Fans rebellieren gegen neue „Walter Boys“-Stimmen

Die dritte Staffel „Ich und die Walter Boys” sorgt in Deutschland für Aufregung
Die dritte Staffel „Ich und die Walter Boys” sorgt in Deutschland für Aufregung (Archivbild)
picture alliance / ZUMAPRESS.com | Lev Radin

Streit hinter den Kulissen!
Auf Staffel drei haben die Fans von „Ich und die Walter Boys” lange gewartet. Und schon gibt es Ärger! Der Grund: Die deutsche Synchronfassung der Netflix-Serie. Jackie und Cole klingen plötzlich anders – und einer der bisherigen Sprecher erklärt jetzt, warum sie nicht mehr dabei sind.

„Man fühlt es gar nicht“

Vor allem Coles neue Stimme bringt viele Fans auf die Palme. „Coles Stimme ist einfach so gefühllos! So schrecklich traurig!!!!“, schreibt eine Zuschauerin in den sozialen Medien. Ein anderer Fan findet, jede bedeutende Szene werde dadurch kaputtgemacht. Manche ziehen bereits Konsequenzen und schauen „Ich und die Walter Boys“ inzwischen lieber auf Englisch mit den Originalstimmen.

Doch auch Jackies neue Stimme sorgt für Kritik. „Das ist meine Lieblingsserie und irgendwie ist sie jetzt ruiniert“, schreibt ein Fan und fordert die bisherigen Sprecher für eine mögliche vierte und fünfte Staffel zurück. Ein anderer Kommentar fällt ähnlich deutlich aus: „Man fühlt es gar nicht.“ Immer wieder wünschen sich Zuschauer die vertrauten Stimmen zurück.

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Warum ausgerechnet zwei der drei Hauptfiguren in Staffel drei neu klingen, erklärt Oscar Räuker, der Cole in den ersten beiden Staffeln seine deutsche Stimme geliehen hat, nun selbst.

Darum spricht Oscar Räuker Cole nicht mehr

„Hey, ich bin der ursprüngliche Synchronsprecher von Cole“, meldet sich Oscar Räuker auf Instagram zu Wort. Nach Darstellung des 28-Jährigen gibt es seit Beginn des Jahres einen neuen Netflix-Vertrag, mit dem das Unternehmen seine interne KI „unbezahlt und unbegrenzt“ mit seiner Stimme und seinem Schauspiel trainieren dürfe. Damit ist Räuker nicht einverstanden.

„Da ich das nicht möchte, und ich nicht will, dass ich irgendwann durch deren KI ersetzt werden könnte, die ich dann auch noch selbst besser gemacht habe, habe ich mich schweren Herzens dazu entschieden, den Vertrag nicht zu unterschreiben“, erklärt er. Die Konsequenz trifft auch die Zuschauer: „Deshalb darf ich Cole nun nicht weitersprechen.“

Oscar Räuker war bisher die deutsche Stimme von Cole Walter
Oscar Räuker war bisher die deutsche Stimme von Cole Walter
Oscar Räuker privat

Auch Laura Oettel, Jackies bisherige deutsche Sprecherin, habe sich laut Räuker aus demselben Grund dagegen entschieden. Für den Synchronsprecher steht hinter der Entscheidung eine grundsätzliche Frage nach der Zukunft seines Berufs. Trotzdem lässt der 28-Jährige eine Tür offen: „Ich hoffe, dass ich vielleicht in Staffel vier unter besseren Bedingungen zurückkehren darf.“

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Die neuen Stimmen sind keine KI

Bei all dem Ärger ist Räuker eine Klarstellung besonders wichtig. Jackie und Cole werden in Staffel drei nicht von künstlich erzeugten Stimmen gesprochen. Professionelle Kolleginnen und Kollegen haben die Rollen übernommen und arbeiten unter den aktuellen Vertragsbedingungen.

Räuker macht deutlich, worum es ihm stattdessen geht: Synchronsprecher hätten ein Recht an ihrer Stimme und ihrer künstlerischen Leistung und müssten selbst entscheiden können, ob diese für das Training einer KI genutzt werden darf. Die Diskussion dreht sich also nicht um KI-Stimmen in der aktuellen Staffel, sondern um den Umgang mit den Stimmen und der künstlerischen Arbeit der Menschen hinter dem Mikrofon.

Netflix reagiert auf die Debatte

Netflix betont auf RTL-Anfrage, dass sämtliche deutschen Stimmen in Staffel drei von echten, professionellen Synchronsprechern stammen. Zur KI-Debatte teilt ein Sprecher mit: „Die Vereinbarungen, die Netflix im vergangenen Jahr proaktiv mit dem Bundesverband Schauspiel (BFFS) zu KI getroffen hat, zeigen, dass uns der Schutz der Sprecherinnen und Sprecher wichtig ist. Es gibt eine Gruppe von Synchronsprecherinnen und -sprechern, die basierend auf der aktuellen Vereinbarung arbeiten. Die menschliche, schauspielerische Komponente ist und bleibt für uns wichtig.“

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Das Unternehmen betont außerdem auf Anfrage, dass eine mittels KI erzeugte digitale Nachbildung einer Stimme nur mit ausdrücklicher und gesonderter Zustimmung der betroffenen Sprecherin oder des betroffenen Sprechers genutzt werden dürfe.

Ob die Proteste am Ende etwas bewirken, bleibt abzuwarten. Oscar Räuker würde jedenfalls offenbar gerne wieder als Cole ans Mikrofon treten – wenn für ihn die Bedingungen stimmen.

Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherche, Instagram/netflixde