,,Ich habe ein großes Problem”Kampf im Verborgenen: Franziska van Almsick packt über Essstörung aus

Die ehemalige Ausnahmeschwimmerin Franziska van Almsick kämpfte jahrelang mit einer Essstörung. (Archivbild)
Die ehemalige Ausnahmeschwimmerin Franziska van Almsick kämpfte jahrelang mit einer Essstörung. (Archivbild)
Daniel Reinhardt/dpa

„Ich habe angefangen, nicht mehr zu essen.“
Franziska van Almsick weiß, was es heißt zu kämpfen – und zu gewinnen. Doch in einem dunklen Kapitel ihrer Karriere musste sich die ehemalige Profi-Schwimmerin einem Gegner stellen, der sich nicht im Wasser besiegen ließ: ihrer eigenen Essstörung. Jetzt spricht sie offen über ihren Kampf, den sie jahrelang im Verborgenen führte.

„Ich wurde ständig beurteilt”

Franziska van Almsick hat in dem Podcast „M wie Marlene“ von Moderatorin Marlene Lufen sehr persönlich über eine schwierige Phase in ihrem Leben gesprochen. Die ehemalige Spitzenschwimmerin erzählt, wie sie Mitte der 1990er-Jahre zunehmend unter dem enormen Druck litt, der mit ihrem frühen Ruhm verbunden war. Bereits mit 14 Jahren war sie bei den Olympischen Spielen in Barcelona zum Sportstar geworden. Plötzlich wurde nicht mehr nur ihre Leistung im Becken beobachtet – auch ihr Aussehen, ihre Kleidung und ihr Gewicht standen ständig im Mittelpunkt.

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Wie Van Almsicks Ruhm zur Essstörung führte

Van Almsick beschreibt rückblickend, dass sie sich damals immer stärker fremdbestimmt fühlte. Ihr Alltag bestand aus Schule, hartem Training, festen Vorgaben und öffentlichen Terminen. Vieles habe sie nicht selbst entscheiden können. Eine der wenigen Möglichkeiten, über die sie noch Kontrolle hatte, war ihre Ernährung. Genau daraus entwickelte sich nach ihren eigenen Worten eine schwere Essstörung.

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„Alles, was ich selber entscheiden konnte, war, ob ich esse oder ob ich nicht esse”, berichtet sie im Podcast. Sie habe schließlich angefangen, bewusst auf Essen zu verzichten. Für sie sei dies auch eine Art stille Rebellion gewesen, weil ihr niemand zugetraut habe, dass sie irgendwann nicht mehr funktionieren könnte.

Wie ernst die Situation war, wurde ihr mit der Zeit selbst bewusst. In ihrem Tagebuch hielt sie damals sogar fest, wenn sie nur wenige Bissen gegessen hatte. Gleichzeitig besuchte sie weiterhin die Schule und trainierte intensiv. Die Kombination aus sehr wenig Nahrung und hoher körperlicher Belastung setzte ihr zunehmend zu.

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Schritt für Schritt aus der Krise

Aus der Essstörung herauszufinden, war ein langer Prozess. Unterstützung bekam van Almsick von einer Psychologin, mit der sie insgesamt sieben Jahre arbeitete. In der Therapie ging es nicht allein um das Essen, sondern vor allem um ihren Selbstwert. Sie habe lernen müssen, sich nicht ausschließlich über Siege, sportliche Leistungen oder die Anerkennung anderer zu definieren.

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„Ich habe gelernt, mich selbst zu lieben.”

Heute sagt die zweifache Weltmeisterin, sie habe dadurch gelernt, sich selbst anzunehmen und zu lieben. Ihre Geschichte zeigt, wie belastend der frühe Ruhm und die ständige öffentliche Bewertung für sie waren.

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Van Almsicks außergewöhnliche Karriere begann bereits im Teenageralter. Bei den Olympischen Spielen 1992 in Barcelona gewann sie vier Medaillen. Insgesamt holte sie zehn olympische Medaillen und zahlreiche weitere internationale Titel. 2004 beendete sie ihre aktive Schwimmkarriere.

Verwendete Quelle: Stern.de