Moderatorin im Interview über digitale Gewalt gegen Frauen„Absolutes Täterparadies”: Collien Fernandes äußert scharfe Kritik an deutschem Gesetz

Sie wendet sich an die Öffentlichkeit, um etwas zu ändern!
Collien Fernandes geht an die Öffentlichkeit: Sie soll Anzeige gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen erstattet haben und erhebt schwere Vorwürfe. Diese sind einem Spiegel-Bericht zufolge unter anderem Anmaßung des Personenstands, öffentliche Beleidigung und Körperverletzung. Freitagabend (20. März) äußerte sich die Moderatorin in der ARD und forderte mehr Schutz für Frauen in Deutschland. Ausschnitte aus dem Interview wurden vorab in der Tagesschau und bei den Tagesthemen gezeigt.
Moderatorin will mehr Schutz für Frauen
Unter anderem geht es auch um Deepfake-Pornos und Nacktbilder. Collien Fernandes hat in einem Interview mit den Tagesthemen erneut auf aus ihrer Sicht bestehende gesetzliche Schutzlücken bei Gewalt- und Cybergewalt-Fällen hingewiesen. Sie betont, dass sie das Problem kenne, dass Anzeigen oftmals nicht weiterverfolgt oder schnell fallengelassen würden. „Ich habe selbst Erfahrung mit Justizversagen gemacht“, sagt sie und führte aus, dass sie jetzt vor allem auf strukturelle Probleme aufmerksam machen wolle. „Und das bereits seit Jahren, und jetzt wo ich weiß, wer dahintersteckt, hat sich meine Haltung zu dem Thema nicht verändert, dass sich dringend etwas ändern muss.”
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Deutschland sei ein „absolutes Täterparadies”
Besonders kritisch sieht die Moderatorin die Situation im Vergleich zu Spanien. „Wir haben uns sehr bewusst dafür entschieden, in Spanien zu klagen, weil die Rechte von Frauen dort deutlich besser sind als in Deutschland“, erklärte Fernandes im Gespräch mit den Tagesthemen. Der mutmaßliche Tatort liege laut Fernandes in Spanien, der Beschuldigte habe dort seinen Hauptsitz. Das habe ihr eine Anzeige im Ausland ermöglicht. „In Spanien wird immer als recht progressiv bezeichnet, wenn es um diese Thematik geht“, sagt sie bezogen auf strengere Gesetze etwa bei digitaler oder häuslicher Gewalt.
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Die ihren Angaben zufolge laufende juristische Auseinandersetzung zwischen ihren Anwälten und denen ihres Ex-Partners Christian Ulmen drehe sich derzeit vor allem um die Zuständigkeit zwischen Deutschland und Spanien. In den Tagesthemen sagte Fernandes, der mutmaßliche Täter habe ein „sehr umfangreiches Schreiben“ vorgelegt, in dem die Zuständigkeit der deutschen Behörden gefordert werde. Das sieht die Moderatorin als weiteres Beispiel für strukturelle Probleme: „Das zeigt ja, dass Deutschland ein absolutes Täterparadies ist“, so Fernandes. Für Christian Ulmen gilt die Unschuldsvermutung. Unsere RTL-Anfrage an seinen Anwalt Christian Schertz blieb bislang unbeantwortet.
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Weiter sagt die 44-Jährige in dem Interview am Freitagabend: „Es wurde ja vor nicht allzu langer Zeit diese Dunkelfeld-Studie veröffentlicht und die zeigt glaube ich relativ deutlich, wo das Problem liegt. Also ungefähr fünf Prozent der Fälle von häuslicher Gewalt werden zur Anzeige gebracht. Bei digitaler Gewalt sind es 2,4 Prozent und alle Juristinnen und Juristen mit denen ich gesprochen habe, berichten mir davon, dass die Anzeigen fallengelassen werden. Dass den Opfern nicht geholfen wird. Und ich habe das Gefühl, dass wir hier einfach im System etwas haben, was nicht funktioniert. Und darauf möchte ich gerne hinweisen. Denn warum sollte man etwas zur Anzeige bringen, wenn am Ende nichts dabei rum kommt.”
Collien Fernandes war lange in Therapie, um zu verarbeiten
„Ich glaube, grundsätzlich hilft es, damit nicht mehr alleine zu sein. Ich glaube, dass der gesellschaftliche Spiegel auch als Korrektiv funktionieren kann, gerade bei Tätern, die überhaupt gar kein Unrechtsbewusstsein haben. Und natürlich hat all das wahnsinnig viel mit mir gemacht. Ich musste das sehr intensiv therapeutisch aufarbeiten. War deswegen lange in Behandlung und ich glaube, dass wenn man sich damit befasst hat, worum es hier geht, man sich vorstellen kann, dass das alles nicht leicht war für mich. Und ich hoffe, dass es aber zumindest insofern etwas Gutes bewirken kann, dass man sieht, was digitale Gewalt bedeutet. Welches Ausmaß digitale Gewalt annehmen kann, und ich hoffe, dass das jetzt endlich begriffen wird. Ich setze mich ja bereits seit Jahren für dieses Thema ein und ich habe das Gefühl, dass von vielen eben noch nicht so richtig begriffen wurde, dass digitale Gewalt reale Gewalt ist und dass Opfer da massiv drunter leiden. Und dass Opfer, nicht nur ich, auch andere in intensive psychotherapeutische Behandlung müssen, und das ist wichtig zu zeigen, was es mit den Opfern macht”, sagt sie in der ARD.
Betroffene Frau meldeten sich mit eigenen Geschichten
Auf die Frage, welche Reaktionen sie bekommen habe, berichtet Fernandes: „Ich habe von sehr vielen Frauen auch ihre persönliche Geschichte erfahren, und das zeigt eben auch, dass dieses Problem viel weiter verbreitet ist, als man so meint und deswegen ist es so wichtig, dass wir jetzt ganz viel Licht in dieses große Dunkelfeld bringen. Wir müssen darüber sprechen, damit sich etwas verändert, damit überhaupt das Ausmaß bekannt wird, denn auch statistisch können die Fälle nur erfasst werden, wenn sie bekannt sind. Und dafür ist es total wichtig, dass man als Frau - und ich hoffe, ich kann da eben auch anderen Mut machen - diese Mauer des Schweigens bricht.”
Verwendete Quellen: Tagesschau.de, Tagesthemen.de
































