Sein privates FamilienglückWas sein autistischer Sohn Spanien-Star Cucurella gelehrt hat

Marc Cucurella trifft 2024 im EM-Viertelfinale gegen Deutschland keine Schuld - nur ein Ball an der Hand. Für die deutschen Fans ist er dennoch bis heute ein rotes Tuch, in Spanien berührt der Vater eines autistischen Jungen dagegen Millionen.
Marc Cucurella postet auch die typischen Bling-Bling-Fotos eines Fußball-Millionärs. Privat-Jets, Luxus-Hotels, teure Autos. Aber was Cucurellas Fans bei Instagram wirklich begeistert, sind die Bilder mit seiner Ehefrau Claudia und den gemeinsamen Kindern Mateo, Rio und Bella. Beim Rutschen, Ponyreiten, Kuscheln oder Malen.
Cucurella, Spaniens Wirbelwind auf der linken Seite mit der langen, lockigen Mähne, wurde schon mit 21 Jahren Vater. Es war nicht einfach, „niemand bringt dir bei, Vater zu sein, aber letztlich lernst du es“, sagt der Linksverteidiger. Längst sind seine Kinder „der Mittelpunkt“ seines Lebens, sie geben ihm Kraft. Besonders Mateo habe ihn gelehrt, die Welt mit anderen Augen zu sehen und zu wissen, was wirklich wichtig ist.
„Ein autistisches Kind versteht Dinge nicht wie seine Geschwister, man muss lernen, es zu verstehen“, sagt Cucurella, Mateo stelle die Familie vor große Herausforderungen, schenke ihr aber auch viele Momente des Glücks: „Man sieht sein Kind, dem es nicht gut geht, und weiß nicht, wie man helfen soll. Aber wenn er etwas erreicht, selbst einen kleinen Fortschritt, gibt das viel mehr Zufriedenheit.“
In Deutschland ist Cucurella vor allem wegen des Viertelfinals bei der Heim-EM 2024 bekannt, für viele DFB-Fans sogar ein rotes Tuch: Sie erinnern sich immer noch erbost an sein nicht gepfiffenes Handspiel und das Aus gegen den späteren Europameister - dabei war Cucurella für den ausgebliebenen Pfiff nicht verantwortlich. Dennoch löst der Lockenkopf in deutschen Fanseelen bis heute etwas aus, ist eine persona non grata. Als Deutschland in der Nations League in Suttgart ein Jahr später wieder gegen Spanien spielte, wurde Cucurella gnadenlos ausgepfiffen. Als er mit dem FC Chelsea in der Champions League beim FC Bayern gastierte, ebenfalls.
In Spanien wird der 27-Jährige, der ein bisschen aussieht wie Tingeltangel-Bob von den Simpsons, hingegen sehr geschätzt - weil er für die Künstler im Team immer rennt, immer fightet, immer alles gibt. Cucurella lacht viel, sorgt mit seinen Witzen auch vor dem Gruppenfinale gegen Uruguay in der Nacht zum Samstag (2 Uhr MESZ/MagentaTV und im ntv.de-Liveticker) für gute Stimmung - er scheut sich aber nicht, offen darüber zu sprechen, dass auch Profi-Fußballer trotz ihres ganzen Geldes mentale und private Probleme haben.
Nach fünf Jahren in England bei Brighton & Hove Albion und dem FC Chelsea zieht es Cucurella nach der WM zurück in die Heimat, für rund 55 Millionen Euro wechselt er zu Real Madrid. Das sei ein „großer Schritt“ in seiner Karriere, sagt Cucurella, der einst beim FC Barcelona ausgebildet wurde, beim Erzrivalen der Königlichen aber nie den Durchbruch schaffte.
Wer von Anfang an immer auf Cucurella gesetzt hat, ist Spaniens Nationaltrainer Luis de la Fuente. Der 65-Jährige kennt „Cucu“ aus gemeinsamen Zeiten bei den U-Nationalteams, schon damals war Cucurella kein eleganter, aber aggressiver und laufstarker Linksverteidiger. „Er ist eine sichere Bank. Ich weiß, wie gut er mit Druck umgehen kann“, sagt de la Fuente: „Er ist immer da, wenn man ihn braucht.“ Für Spanien, aber vor allem für Mateo, Rio und Bella.
Verwendete Quellen: mar/sid


