LeichtathletikRuppert setzt goldenen EM-Schlusspunkt, Mihambo untröstlich

Am letzten Wettkampftag der Leichtathletik-EM zeigt sich das deutsche Team im Medaillenrausch. Frederik Ruppert gewinnt Gold über 3.000 Meter Hindernis. Malaika Mihambo ist enttäuscht.
Frederik Ruppert stürmte mit der Schnullergeste zum EM-Titel über 3.000 Meter Hindernis, Malaika Mihambo musste sich nach einer knapp verpassten Medaille mit aufbauenden Worten von ihrem Trainer Ulli Knapp trösten lassen. Ruppert sorgte am Abschlusstag für das sechste und letzte deutsche Gold bei den Titelkämpfen in Birmingham. Mihambo ging mit Platz fünf leer aus - und war eine der wenigen Enttäuschten im deutschen Team. Bei ihr flossen sogar einige Tränen.
Die DLV-Athleten liefen und warfen sich am Wochenende in einen regelrechten Medaillenrausch und sorgten mit sechsmal Gold, zehnmal Silber und fünfmal Bronze für die beste EM-Bilanz seit 1998 in Budapest. Im Medaillenspiegel bedeutete das hinter Gastgeber Großbritannien und der erfolgreichsten Nation Italien Rang drei.
Ruppert gewann Gold in 8:25,33 Minuten und feierte den größten Erfolg seiner Karriere. Das deutsche Traumergebnis machte Karl Bebendorf als Dritter (8:26,65 Minuten) perfekt. Er holte wie schon vor zwei Jahren in Rom Bronze, zeigte sich aber trotzdem enttäuscht, weil er vom Titel geträumt hatte.
Hindernis-König Ruppert erklärt seine Nuckelgeste
Überglücklich war hingegen Ruppert. „Mir fällt ein Riesenstein vom Herzen. Wir haben genau auf so ein Szenario abgezielt“, sagte er in der ARD und erklärte anschließend seine Jubelgeste: „Ich werde im Januar Papa und das hat mir extrem viel Kraft und Power gegeben dieses Jahr. Ich habe die ganze Zeit darüber gedacht, dass ich gerne denjenigen auch stolz machen möchte. Und ja, das hat mir extrem geholfen dieses Jahr.“
Schon am Vormittag hatte Marathon-Läufer Amanal Petros den letzten Tag mit einer Goldmedaille eingeläutet. Der WM-Zweite gewann zudem Silber in der Teamwertung. Mihambo (6,94 Meter) hingegen haderte beim Sieg der Italienerin Larissa Iapichino (7,00 Meter) mit ein paar technischen Fehlern.
Zu einer Medaille fehlten der 32-Jährigen gerade mal vier Zentimeter. „Ich war meistens zu weit weg vom Brett, habe dann viel zu viel korrigiert und war dann drüber. Die Sprünge waren an sich alle gut. Ja, das ist der Sport. Manchmal gewinnt man, manchmal verliert man und das ist vollkommen in Ordnung“, sagte Mihambo.
Ulbricht ist nach Sensationssilber im Speerwerfen „sprachlos“
Für die größte deutsche Sensation sorgte Speerwerferin Julia Ulbricht, die in ihrem ersten großen Finale mit 61,53 Metern beim Sieg der Kroatin Sara Kolak Silber bejubelte. „Ich bin ein bisschen sprachlos“, sagte Ulbricht. Sie habe zwischenzeitlich sogar darüber nachgedacht, ihre Karriere als Leistungssportlerin aufzugeben. „Mein Traum ist immer noch, dass ich es mal zu Olympia schaffe. Und deshalb habe ich nie aufgegeben und weitergekämpft.“
Nicht ganz so überraschend war die Silbermedaille bei der EM-Premiere über 4x100 Meter im Mixed für Kevin Kranz, Rebekka Haase, Heiko Gussmann und Gina Lückenkemper. Sie mussten sich im Finale nur dem Quartett von Gastgeber Großbritannien geschlagen geben.
Allein am abschließenden Wochenende gewann das deutsche Team drei Titel und viele weitere Medaillen, neben der Goldmedaillen für Ruppert und Petros holte auch Speerwerfer Julian Weber wie schon vor vier Jahren in München den EM-Titel.
Deutsches Team mit so vielen Medaillen wie seit 1998 nicht mehr
Die Medaillenbilanz von Rom übertraf der Deutsche Leichtathletik-Verband locker. 2024 hatte es einschließlich der nicht olympischen Teamwertungen im Marathon elf Podestplätze gegeben, aber nur einmal Gold durch Mihambo. Und selbst die stimmungsvolle EM in München vor vier Jahren blieb mit 16 Top-Drei-Plätzen hinter Birmingham zurück. Damals gab es sechsmal Gold. Zuletzt holte das deutsche Team 1998 in Budapest mehr Medaillen. In der ungarischen Hauptstadt gab es 23 Plaketten, darunter sogar achtmal Gold.
„Die deutsche Leichtathletik ist geil. Wir sind unfassbar stark“, sagte Weber, nachdem ihm am Samstag mit 90,40 Metern im letzten Versuch noch ein grandioser Gold-Wurf gelungen war. Bis dahin hatte überraschend der erst 21 Jahre alte Stuttgarter Nick Thumm knapp geführt, er gewann Silber.
Wie zuvor schon die deutsche Sprint-Staffel - und das, obwohl der von einer Sperre bedrohte 200-Meter-Europameister Owen Ansah vorsichtshalber gar nicht aufgestellt wurde. Ansah war auch EM-Dritter über 100 Meter. „Das ist historisch. Wir sind einfach stolz auf uns“, sagte Schlussläufer Lucas Ansah-Peprah.
„Geschlossenes Team“, „großartige Leistungen“, aber...
Zwei Jahre vor Olympia in Los Angeles sieht sich der DLV auf dem richtigen Weg, in einigen Disziplinen aber auch noch Raum nach oben. „Wir haben ein geschlossenes Team erlebt, eine hervorragende Stimmung und viele großartige Leistungen. Gleichzeitig wissen wir sehr genau, dass der Weg in einigen Disziplinen bis zur internationalen Spitze - gerade mit Blick auf die Weltspitze - noch weit ist“, erklärte Leistungssport-Vorstand Jörg Bügner.