PferdesportReit-WM: 40.000 toben bei Werths nächster Medaille

Standing Ovations im größten Reitstadion der Welt: Nach einer schwungvollen Kür mit Wendy holt die Rekordreiterin ihre vierzehnte WM-Medaille.
Auch Isabell Werth musste über die alte und neue Weltmeisterin lachen. „Ich habe immer Angst vor Isabell“, sagte Charlotte Fry und sorgte für schallendes Gelächter. Die britische Dressurreiterin hatte zuvor auf ihren WM-Sieg noch einige Minuten warten müssen, denn Rekordreiterin Werth war als letzte Starterin die letzte Konkurrentin beim Kampf um Gold.
„Wenn Isabell noch reitet, muss man mit allem rechnen“, sagte Fry. „Ich weiß, was sie zu leisten im Stande ist.“ Aber dieses Mal reichte es für Werth nicht zum Sieg, sie wurde Dritte. Zufrieden war die deutsche Rekordreiterin trotzdem.
„Risiko, Risiko, Risiko“
„Ich hatte tatsächlich jetzt nicht gedacht, das wird reichen“, erzählte Werth über ihre Gold-Ambitionen. „Aber ich wollte unbedingt natürlich irgendwie noch ein Plätzchen auf dem Podium ergattern.“ Daher lautete ihr Motto: „Flucht nach vorn und Risiko, Risiko, Risiko.“
Und das gelang ihr zur Freude der 40.000 Zuschauer, die schon vor den letzten Lektionen von Werths Kür tobten. Sie bedachten den Publikumsliebling mit Standing Ovations und klatschten nach dem Ende der Prüfung minutenlang. „Das Publikum hat uns so getragen, das war toll“, schwärmte die Bronze-Gewinnerin.
Eindrucksvolle Medaillen-Sammlung
Werth erweiterte zum Abschluss der Dressurwettbewerbe in Aachen ihre eindrucksvolle Medaillen-Sammlung noch einmal. Für die 57 Jahre alte Reiterin war Bronze in der Kür die insgesamt vierzehnte WM-Medaille ihrer bemerkenswerten Karriere, zehn davon sind aus Gold.
Sie selbst kommt bei ihren Statistiken regelmäßig durcheinander und will sich „demnächst“ darum kümmern, wie sie vergnügt ankündigte. „Ist ja nicht so wichtig!“
Dressur unter Flutlicht mit Fußball-Stimmung
Wichtiger sind ihr die Emotionen und der Wettkampf. „Ich habe nichts unversucht gelassen“, sagte Werth: „Und das war einfach ein unglaublich tolles Gefühl.“ Auch wenn ihr früh klar gewesen sei, „dass das jetzt nicht für Gold reicht“.
Begeistert war Werth vom enthusiastischen Publikum, das bei Flutlicht für Fußball-Stimmung sorgte. „Das war einfach nochmal so sensationell“, schwärmte sie. 20 Jahre nach dem Pferdesport-Sommermärchen an gleicher Stelle bei der WM 2006 genoss die erfolgreichste Reiterin der Welt erneut die unvergleichliche Stimmung in Aachen. Die von der alten und neuen Weltmeisterin aus Großbritannien mit vier Wörtern zusammenfasst wurde: „Das war einfach wow!“
Die Titelverteidigerin gewann mit Glamourdale wie am Vortag im Grand Prix Special vor der Dänin Cathrine Laudrup-Dufour mit Freestyle. „Die gesamte Kür war das großartigste Gefühl der Welt“, berichtete die überwältigte Fry. „In diesen Vibe hineinzureiten, Wahnsinn“, sagte die 40 Jahre alte Doppel-Weltmeisterin von 2022 und 2026. Ihr Glamourdale „hat keinen Huf falsch gesetzt“.
Die Bronze-Gewinnerin verzichtete
Die deutsche Team-Weltmeisterin Katharina Hemmer hatte nach Einzel-Bronze im Grand Prix Special auf die Chance verzichtet, in der Kür eine weitere Medaille zu gewinnen. Sie trat am Samstagabend nicht an. Sie begründete das mit einer zwischenzeitlichen Verletzungspause ihres Denoix. „Dementsprechend ist es nicht so vorbereitet, wie ich es gerne hätte, um hier bei einer Weltmeisterschaft eine Kür zu zeigen.“
Die beiden Männer im deutschen Team hatten in der Kür mit den Medaillen nichts zu tun. WM-Neuling Raphael Netz ritt mit Camelot auf Platz acht. Frederic Wandres kam mit Bluetooth auf Rang 15.