Vater ermordet, Bruder verschlepptAymen Hussein schreibt WM-Märchen – nach unvorstellbarer Leidenszeit

Aymen Hussein
Aymen Hussein erzielte beim 1:4 gegen Norwegen das erste WM-Tor für den Irak seit 40 Jahren.
Imago

Seine Mutter bat ihn, trotz allem nicht mit dem Fußball aufzuhören.
Aymen Husseins (30) Lebensgeschichte ist geprägt von Krieg, Tod und unermesslichem Leid. Kaum tragbar für einen Menschen. Eigentlich. Doch Aymen Hussein lernte, mit seinem Schicksal zu leben. Lernte sogar, damit Fußball zu spielen. Bis der irakische Nationalspieler in der Nacht zu Mittwoch (17. Juni) sein WM-Märchen schrieb.

Hussein wollte mit dem Fußball aufhören, um seine Familie zu ernähren

Der Vater wurde von Al-Qaida ermordet, sein Bruder verschleppt, er wollte gar kein Fußballer mehr sein. Und doch hielt Aymen Hussein durch. Bei der WM, auf der ganz großen Bühne, belohnte sich der 30-Jährige nun selbst. Mit seinem Treffer zum zwischenzeitlichen 1:1 beim 1:4 (1:2) gegen Norwegen stieg der Angreifer endgültig zum Fußball-Helden des Irak auf.

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„Ich bin sehr, sehr froh und stolz auf ihn”, sagte sein Trainer Graham Arnold. Schließlich kennt auch der Australier die tragische Lebensgeschichte von Hussein nur zu gut.

Nach der Invasion der USA 2003 wuchs Hussein im Krieg auf, sein Vater wurde 2008 von Al-Qaida getötet. Da war er gerade einmal zwölf Jahre alt. „Es war eine Katastrophe für uns alle”, sagte Hussein in einem Interview mit dem Sender Al Jazeera.

Doch es war längst nicht die einzige Tragödie im Hause Hussein. 2014 wurde sein Bruder vom Islamischen Staat entführt, sein Schicksal ist bis heute ungeklärt. Hussein wollte mit dem Fußball aufhören, um seine Familie zu ernähren. Doch seine Mutter bat ihn, es nicht zu tun. Und der Sohn wurde Profi. 

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Für Hussein war es ein langer Weg voller Leid zur WM, bei der Einreise mit dem Team in Chicago wurde er ja zudem von den US-Einwanderungsbeamten beiseite genommen und sieben Stunden lang festgehalten. Doch Hussein kann so leicht nichts mehr erschüttern. „Wir sind Bombenangriffe und Kugeln gewohnt”, sagte er: „Wir haben gelernt, dass ohne Warten und Geduld nichts Gutes geschieht.”

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In der 39. Minute macht sich Hussein unsterblich

Und in der 39. Minute gegen Norwegen geschah dann etwas Gutes. Hussein schraubte sich nach einer Flanke in die Luft, drei Gegenspieler konnten ihn nicht stoppen – und Hussein köpfte ein zum ersten WM-Tor für den Irak seit 40 Jahren, zum erst zweiten überhaupt. Grenzenloser Jubel bei den Löwen Mesopotamiens. Dass sie das Spiel am Ende verloren und Hussein noch ein unglückliches Eigentor unterlief? Geschenkt.

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Schließlich haben sie es nur ihm zu verdanken, dass der Irak überhaupt bei dieser WM dabei ist. Hussein gelang in der Qualifikation der entscheidende Treffer gegen Bolivien. Jetzt sein Tor gegen Norwegen, mit dem er endgültig zum Nationalhelden des Irak wurde.

Und spätestens jetzt wird seine ganze Heimat auch seiner Mutter dankbar sein ...

Verwendete Quellen: sid, t-online.de, RTL-eigene Recherche