Alarm bei Tennis-Match in Halle„Ich habe mich scheußlich gefühlt “ – defekter Sensor zwingt Zverev in die Knie

Zum vierten Mal nacheinander scheitert Alexander Zverev im Halbfinale des Tennisturniers in Halle. Doch für die Niederlage hat der Diabetiker eine Erklärung: Ein defekter Sensor zwingt ihn dazu, viel Zucker einzunehmen.
Als drei Stunden Marter in Bullenhitze ein Ende hatten, konnte Alexander Zverev zumindest noch optimistisch auf den Klassiker in Wimbledon blicken. Die Falsch-Anzeige seines Insulinsensors, sagte der Diabetiker, habe ihm zwar das Halbfinale des Tennisturniers von Halle zur Hölle gemacht, bleibe aber wohl ohne Auswirkungen auf den Rasen-Grand-Slam: „Ich denke nicht, dass es wegen der Sache Probleme geben wird.“
Beim 7:6 (7:4), 4:6, 5:7 gegen seinen Angstgegner Taylor Fritz hatte es den French-Open-Champion gleich doppelt erwischt. Zunächst machte der Rücken zu, dann hatte Zverev auch noch Schwierigkeiten mit seinem Sensor für die Insulin-Zufuhr. „Ich hatte extreme Probleme mit meinem Zucker, weil der Sensor einen falschen Wert angezeigt hat“, berichtete er. „Ich habe viel zu viel Insulin gespritzt. Ich habe mich scheußlich gefühlt.“
Kurz vor dem Match habe er schon gewusst, dass es „ein schwieriger Tag“ werden würde. „Das Gerät zeigte extrem hohen Zucker an, aber ich habe mich eher gefühlt, als hätte ich niedrigen Zucker.“ Er habe per Piekser selbst nachgemessen, „und er war tatsächlich sehr niedrig“.
Zverev nahm also in den ersten 45 Minuten des Duells „knapp 350 Gramm Zucker über Glukose-Gels“ zu sich, er hatte keine Wahl: „Sonst wäre ich die ganze Zeit unterzuckert gewesen.“ Im ersten Satz ging er zudem in Behandlungspause, er ließ sich den Rücken einrenken. Am Ende stand die siebte Niederlage gegen Fritz in Serie.
„Taylor hat besser gespielt als ich und verdient gewonnen.“ Fritz trifft im Endspiel von Halle am Sonntag auf seinen Landsmann Frances Tiafoe. Der US-Amerikaner gewann das zweite Halbfinale mit 6:1, 6:3 gegen den mit einer Wildcard überraschend bis ins Halbfinale vorgedrungenen Deutschen Daniel Altmaier. Altmaier steht dafür im Doppel mit dem Brasilianer João Fonseca im Endspiel. Im Halbfinale am späten Abend setzte sich das Duo 7:6 (8:6), 6:7 (14:16), 11:9 gegen French-Open-Finalist Flavio Cobolli aus Italien und Ben Shelton aus den USA durch.
Zverev hatte gegen Fritz ein frühes Break zur 2:1-Führung genutzt. Dann ließ seine Energie schlagartig nach. Fritz gewann nach 1:3-Rückstand drei Spiele hintereinander. Bei 3:4 und Einstand unterbrach Zverev das Match und verließ den Platz zur Behandlung. Nach acht Minuten kehrte er zurück und erreichte in klar besserer Verfassung den Tiebreak, den er unter dem Jubel des Publikums 7:4 gewann.
Im zweiten Satz blieb Zverev zunächst auf Augenhöhe, machte körperlich aber einen zunehmend erschöpften Eindruck. Er verlor den Durchgang 4:6. Nach zehnminütiger Erholungspause vor dem dritten Satz machte Fritz in der Hitzeschlacht gegen den tapfer kämpfenden Zverev mit 7:5 alles klar.
Zverev muss damit weiter auf seinen ersten Rasentitel warten. 2016 verlor er in Halle das Finale gegen seinen Landsmann Florian Mayer, 2017 gegen den Schweizer Roger Federer. Nun schied er zum vierten Mal nacheinander im Halbfinale aus. 2016 triumphierte bei dem Turnier zum bislang letzten von sieben Malen ein deutscher Spieler.
Verwendete Quellen: tno/dpa/sid


