Pendler, Konzert-Gäste und andere Reisende an Bahnhöfen gestrandetBahnverkehr eingestellt! Panne im Funksystem legt Züge bundesweit lahm

von Patricia Brinkmann, Sebastian Reddig, Stefan Efferth und Niklas Bönsch

Nach einem Konzert im Ruhrgebiet wollten Tausende Fans nach Hause, strandeten aber am Bahnhof. Gegen 22:30 Uhr brach am Dienstagabend (23.06.) bundesweit der Schienenverkehr zusammen. Er stand rund zwei Stunden still. Ursache war ein Defekt im digitalen Bahnfunksystem, das noch auf 2G-Technik aus den 1990er-Jahren basiert.

Ratlos statt atemlos – Fans stranden nach dem Konzert

Für viele Besucher des Helene Fischer-Konzerts in Gelsenkirchen endete der Dienstagabend (23.06.) nicht mit Euphorie, sondern mit Verwirrung und Sorge. Eine 73-Jährige beschreibt: „Da hat man Angst“. Andere wussten schlicht nicht mehr weiter, wollten zurück zu Ehemann und Kindern. DB-Mitarbeiter beruhigten aufgebrachte Reisende und verteilten Hotel- und Taxigutscheine. Einer Gruppe in Köln gelang es, relativ schnell einen der begehrten Zettel – im Wert von mehr als 1.200 Euro – zu ergattern. Mit dem Taxi ging es für sie nach Berlin, um von dort aus zu einem Festival weiterzureisen. Zu acht im Taxi sei es „sehr eng“, räumte Studentin Concetta Vivacqua ein, aber immerhin ging es überhaupt irgendwie weiter. Andere hatten weniger Glück: Ein Mann strandete am Bahnhof Bonn-Bad Godesberg, wo es keine Information von der DB gab.

Fehler an Zentralkomponente – Backup greift nicht

Als Ursache für den bundesweiten Ausfall stellt sich ein Defekt im digitalen Bahnfunksystem heraus. Über dieses System kommunizieren Lokführer, Fahrdienstleiter und Stellwerke miteinander. Philipp Nagl, Vorstandsvorsitzender der DB InfraGO, erklärt: Bei Arbeiten an einer Zentralkomponente sei ein Fehler aufgetreten, der dazu geführt habe, dass diese Komponente nicht mehr korrekt funktioniert. Weil auch das vorgesehene Backup nicht funktionierte, zog die Bahn zur Sicherheit die Notbremse und ließ den gesamten Verkehr ruhen, bis die Reparatur abgeschlossen war. Der Güterverkehr war noch bis in den Mittwoch (24.06.) stark beeinträchtigt. Pendler spürten kaum noch Auswirkungen.

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2G-Technik aus dem Handynetz der Neunziger

Hinter dem riesigen Ausfall liegt veraltete Technik. Das Bahnfunksystem arbeitet noch mit 2G-Standard, dem Standard der ersten Mobiltelefone aus den 1990er-Jahren. Weil kaum noch Ersatzteile für diese Technologie produziert werden, kauft die Deutsche Bahn Bauteile aus aller Welt zusammen, um das System am Laufen zu halten, so ein Medienbericht. Fahrgäste am Bahnhof bringen es auf den Punkt: „Alles etwas veraltet“, „Marode” und „Vielleicht könnte man das mal modernisieren“ lauten die Reaktionen.

5G bis 2035 – aber es braucht 20.000 Masten

Die Deutsche Bahn plant, das veraltete Funknetz bis 2035 auf ein neues 5G-System umzustellen. Kritiker sind skeptisch, ob das tatsächlich gelingt. Ein einfacher Tausch von Sende- und Empfangsgeräten reicht nicht: Entlang der rund 33.000 Kilometer Schienennetz werden bis zu 20.000 neue Masten benötigt. Ob dieser Aufbau bis zum Zieldatum zu schaffen ist, bleibt fraglich, zumal die Bahn gleichzeitig Milliarden in Streckensanierungen, Digitalisierung und den laufenden Betrieb investieren muss.