Internationaler Tag der VerschwundenenWo ist Scarlett? Vater sucht seit fast sechs Jahre nach seiner verschwundenen Tochter
Am Sonntag (30.08.) ist Internationaler Tag der Verschwundenen!
In Deutschland gab es Anfang Januar rund 9.100 Vermisstenfälle, so das Bundeskriminalamt. Viele werden in kurzer Zeit aufgeklärt. Häufig erledigen sich etwa 50 Prozent innerhalb der ersten Woche. Manchmal kann die Polizei Angehörigen aber auch nicht helfen. Ein Vater aus Paderborn sucht seit fast sechs Jahren nach seiner Tochter.
Der Fall Scarlett Salice
Wo ist Scarlett? Jeden Tag stellt sich Ralf Salice diese Frage. Jeden Tag vermisst er seine Tochter und jeden Tag quält ihn die Ungewissheit. Der 10. September 2020 hat sein Leben auf den Kopf gestellt. Seitdem fehlt von Scarlett Salice aus Bad Lippspringe (Kreis Paderborn) jede Spur. Sie war allein im Südschwarzwald unterwegs, fühlte sich mit der Natur verbunden. Es sollte ein weiteres Wanderabenteuer werden. Regelmäßig verschickte sie Sprachnachrichten von ihrer Tour: „Total nett alle hier, also wirklich sehr nett. Ich freue mich jetzt schon drauf, morgen loszulaufen.“
Freundin schlägt Alarm
Seit sie ein kleines Mädchen ist, steckt in Scarlett eine Entdeckerin. Draußen war sie immer gerne. Ihr Vater baute extra ein Baumhaus. Im Erwachsenenalter wollte die junge Frau allein reisen. Durch einen Tipp stieß sie auf den Schluchtensteig. 119 Kilometer quer durch den Südschwarzwald waren ihr Ziel - sechs Etappen Natur pur. Für die Zeit nach dem Wandern hatte sie schon einen neuen Plan: Die junge Frau wollte direkt weiter nach Mainz. Dort war sie zu einem Treffen verabredet. Aber die 26-Jährige tauchte nicht auf. Ihre Freundin schlug bei der Familie Alarm.
Bergwacht kann nichts finden
Für Ralf Salice war es ein Albtraum. Er erfuhr: Scarlett wurde vor ihrer letzten Etappe in Todtmoos in einem Supermarkt gesehen. Dann verliert sich die Spur. Feuerwehr, Polizei und Bergwacht durchkämmten das Gelände mehrere Tage lang. Markus Baumgartner ist bei der Bergwacht und findet den Fall seltsam: Er erklärte: „Wir haben bis heute gar nichts gefunden. Also weder etwas von der Person noch Ausrüstungsgegenstände. Gar nichts. Das ist sehr ungewöhnlich und auch, weil im September bei uns die Hauptwanderzeit ist, dass sie jemand auf dem letzten Stück niemand getroffen hat.“ Scarlett ist auf der letzten Etappe des Schluchtensteigs keinem Wanderer in Erinnerung geblieben. Obwohl sie einen auffälligen roten Rucksack bei sich hatte. Die Suchhunde schlugen nirgends an, auch per Hubschrauber und Wärmebildkamera war die junge Frau nicht aufzuspüren. Regelmäßig bekam Ralf Salice von den Beamten Updates: „Das Schlimmste war eigentlich, abends teilweise auch nachts, wenn dann die Kripo kam mit irgendwelchen Gegenständen: ‚Ist das Scarletts Hose?‘, ‚Kann das ihr Schuh sein?‘“
Sonnenbrille von Scarlett?
Ist seine Tochter die letzte Etappe wirklich gelaufen? Die Ermittler können diese Frage nicht beantworten. Einmal wurde eine Sonnenbrille am Wegesrand gefunden. Sie sah aus wie die von Scarlett. DNA von ihr findet die Polizei daran aber nicht. Eine Zeugin war sich sicher, sie habe die Frau aus Bad Lippspringe auf einem Stein sitzen sehen, auf einem Parkplatz. Er unterbricht die letzte Etappe. Am 01. Januar 2026 waren laut Bundeskriminalamt rund 9.100 Fälle vermisster Menschen in Deutschland registriert. Der Anteil der Leute, die länger als ein Jahr weg sind, liegt bei nur etwa drei Prozent. Ist Scarlett Opfer eines Verbrechens geworden oder verunglückt? Lebt sie vielleicht noch? Fast sechs Jahre wartet Ralf Salice schon auf Antworten. Er hofft weiter auf neue Hinweise. Ihm ist wichtig, dass seine Tochter nicht vergessen wird.






























