Hochzeit aus 1908 bringt Liebls in BedrängnisTrotz deutschem Pass - Familie aus Togo soll Siegen verlassen

von Marc Sommer und Valerio Magno

Sie leben seit Jahren in Siegen, gehen zur Schule und gelten als gut integriert. Trotzdem sollen drei Frauen und fünf Kinder in eine Erstaufnahmeeinrichtung nach Karlsruhe ziehen. Der Grund liegt in einem Rechtsstreit um die deutsche Staatsangehörigkeit, der bis in die deutsche Kolonialzeit zurückreicht.

Gut integriert, aber rechtlich umstritten

Für Teko Folly-Ady Liebl und seine Familie ist Siegen längst zur Heimat geworden. Der gebürtige Togolese lebt seit mehreren Jahren mit seiner Frau, seinen drei Kindern, zwei Schwestern und deren Kindern in der Stadt. Während Teko Folly-Ady mit einer Duldung arbeiten darf, droht dem Rest der Familie nun die Verlegung in eine Erstaufnahmeeinrichtung nach Karlsruhe. Für die Betroffenen ist das ein schwerer Einschnitt, denn sie haben sich in ihrer neuen Heimat ein Leben aufgebaut. Die Familie gilt in Siegen als bestens integriert. Die Kinder besuchen Schulen, engagieren sich in Sportvereinen und haben Freundschaften geschlossen. Der älteste Sohn bereitet sich derzeit auf das Abitur vor. Dennoch werden die Familienmitglieder rechtlich als unerlaubt eingereiste Ausländer eingestuft. Der Fall ist kompliziert und beschäftigt schon seit Jahren Behörden und Gerichte.

Streit um die deutsche Staatsangehörigkeit

Als die Familie 2020 nach Deutschland kam, verfügten alle Angehörigen über deutsche Reisepässe, die von der deutschen Vertretung in Togo ausgestellt worden waren. Auch gültige Personalausweise wurden später in Siegen ausgestellt. Diese wurden jedoch 2021 wieder eingezogen. Hintergrund ist ein Streit um die deutsche Staatsangehörigkeit, die sich die Familie von einem Vorfahren, dem Kolonialbeamten Friedrich Liebl, ableitet. Deutsche Gerichte kamen jedoch zu dem Ergebnis, dass dessen Ehe mit einer togolesischen Frau im Jahr 1908 rechtlich nicht anerkannt werden könne. Damit entfalle auch die Grundlage für die Weitergabe der deutschen Staatsbürgerschaft an die Nachkommen.

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Hoffnung auf eine Zukunft in Deutschland

Während Teko Folly-Ady Liebl weiterhin in Siegen arbeiten darf, sollen die Frauen und Kinder nach Karlsruhe umziehen. Besonders schwer wiegt dies, weil die Familie in den vergangenen Jahren ein stabiles Umfeld aufgebaut hat. Der 45-Jährige arbeitet beim Unternehmen MD Print, das ihn als wichtigen Mitarbeiter schätzt. Der Anwalt der Familie hat inzwischen beantragt, den Verteilungsbescheid aufzuheben. Langfristiges Ziel sind eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis sowie Arbeitserlaubnisse für die Frauen. Für die Familie steht viel auf dem Spiel: Sie möchte ihr Leben in Siegen fortsetzen und dort bleiben, wo sie sich längst zuhause fühlt.