Streit um geplante ReformTelefonische Krankschreibung vor dem Aus? Koalition sorgt mit Plänen für Verwirrung
Die Bundesregierung will die telefonische Krankschreibung abschaffen und Beschäftigte künftig gesetzlich dazu verpflichten, schon ab dem ersten Krankheitstag eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorzulegen. Doch keine zehn Stunden nach dem vorgestellten Beschluss sorgt die Kommunikation innerhalb der Koalition für Verwirrung. Während Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) einen klaren Kurs vorgibt, relativieren andere Regierungsmitglieder die Pläne.
Merz kündigt weitreichende Änderungen an
Beim Koalitionsausschuss in Berlin stellte Bundeskanzler Friedrich Merz am Donnerstag (02.07.) gemeinsam mit den Spitzen von CDU, CSU und SPD ein umfangreiches Reformpaket vor. Ein zentraler Punkt: Die telefonische Krankschreibung soll abgeschafft werden. Außerdem soll künftig schon ab dem ersten Krankheitstag eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) erforderlich sein. Die Bundesregierung begründet den Schritt mit wirtschaftlichen Interessen. Lange krankheitsbedingte Ausfälle seien ein Wettbewerbsnachteil für Unternehmen.
SPD sorgt für Irritationen
Keine 10 Stunden später klingen die Aussagen aus der Bundesregierung deutlich differenzierter. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) verweist am Donnerstagabend (02.07.) auf Äußerungen der Bundesgesundheitsministerin und betonte, dass niemand der krank sei, zwingend eine Arztpraxis aufsuchen müsse. Wie die geplanten Änderungen konkret ausgestaltet werden sollen, müsse nun erst im Gesetzgebungsverfahren geregelt werden. Die unterschiedlichen Aussagen sorgen bei vielen Bürgern für Verwirrung. Einige kritisieren vor allem die widersprüchliche Kommunikation innerhalb der Koalition.
Hausärzte warnen vor überfüllten Praxen
Auch Hausärzte reagieren kritisch auf die Pläne. Zwar können Arbeitgeber schon heute individuell festlegen, ab wann eine Krankschreibung nötig ist. Sollte die telefonische Krankschreibung jedoch vollständig entfallen, rechnen Ärzte mit deutlich mehr Patienten in den Praxen. Kanzleramtschef Thorsten Frei (CDU) sieht darin zunächst kein grundsätzliches Problem. Hausarztpraxen hätten eine solche Situation schon früher bewältigt und würden das auch in Zukunft schaffen. Bei Bedarf könnte später nachgesteuert werden.
Ärzte sprechen von realitätsfernen Plänen
Die Kassenärztliche Bundesvereinigung widerspricht dieser Einschätzung deutlich. Der Vorsitzende Andreas Gassen warnt, dass täglich mehr als 100.000 zusätzliche Patienten in die Arztpraxen kommen könnten. Aus seiner Sicht würden die geplanten Regelungen die medizinische Versorgung zusätzlich belasten und für Versicherte längere Wartezeiten bedeuten.
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Gesetz muss erst noch beschlossen werden
Fest steht bislang nur: in Stein gemeißelt, ist noch nichts. Zunächst müssen die Pläne der Bundesregierung in einen konkreten Gesetzentwurf umgesetzt und anschließend vom Bundestag beraten werden. Bis dahin bleibt offen, wie die neuen Regelungen am Ende tatsächlich aussehen werden. Schon jetzt zeigt die Debatte jedoch, dass die Bundesregierung ihre Reformpläne noch genauer konkretisieren muss.































































