Letzte Chance zum VolltankenStau an der Zapfsäule: Warum der Tankrabatt wenig entlastet hat

von Niklas Bönsch

Kurz vor dem Ende des Tankrabatts herrscht Chaos an den Zapfsäulen, auch an einer Tankstelle in Leverkusen. Autofahrer nehmen Wartezeiten von 40 Minuten und mehr in Kauf, um noch einmal günstiger vollzutanken. Doch die Bilanz der zweimonatigen Steuersenkung fällt ernüchternd aus.

Andrang trotz Stau – Hauptsache volltanken

Bereits am Dienstag (30.06.), einen Tag vor dem offiziellen Ende des Tankrabatts um Mitternacht, rissen die Schlangen an den Tankstellen nicht ab. Manche Fahrer standen nach eigenen Angaben 40 Minuten, andere berichteten von einer halben bis dreiviertel Stunde Wartezeit.

1,6 Milliarden weniger Einnahmen – Ersparnis pro Kopf: mickrig

Der Staat hat durch die Senkung der Energiesteuer im Mai und Juni rund 1,6 Milliarden Euro weniger kassiert. Beim Verbraucher hat sich das kaum im Geldbeutel bemerkbar gemacht und die Entlastung wurde ungleich verteilt: Laut einer Analyse der RWTH Aachen haben die einkommensstärksten zehn Prozent der Haushalte insgesamt 21,64 Euro gespart, die einkommensschwächsten zehn Prozent gerade einmal 6,48 Euro. Die Erklärung ist simpel: Wer mehr verdient, fährt statistisch gesehen mehr Auto und tankt entsprechend öfter.

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Diesel-Konzerne füllten eigene Kassen

Dazu kommt: Auch die Mini-Ersparnis ist kleiner als gedacht, weil ein Teil des Rabatts gar nicht beim Verbraucher ankam. Clemens Fuest, Präsident des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung, erklärt, dass bei Superbenzin der Preisrückgang mit rund 17 Cent nahezu vollständig weitergegeben wurde. Beim Diesel aber wurden nur 73 Prozent des Rabatts tatsächlich an die Kunden durchgereicht. Im Klartext: Die Mineralölindustrie hat sich beim Diesel einen Teil der staatlichen Vergünstigung selbst eingesteckt, zumindest laut den Forschern. Die Branche selbst bestreitet das.

Preise zurück auf Vorkriegsniveau – vorerst

Durch den Rabatt und die Entspannung auf den Weltmärkten kostet Sprit aktuell etwa so viel wie vor dem Iran-Krieg. Diesel liegt derzeit bei rund 1,76 Euro, vor dem Krieg waren es 1,75 Euro. Super E10 stieg nur leicht von 1,78 auf 1,82 Euro. Mit dem Auslaufen des Tankrabatts dürften die 17 Cent wieder obendrauf kommen. Verbraucherschützer warnen darüber hinaus, dass die Konzerne die Preise stärker anheben könnten, als der wegfallende Rabatt es eigentlich rechtfertigt.

Kartellamt kann nicht auf Knopfdruck eingreifen

Schnelle Hilfe vom Bundeskartellamt in Bonn ist nicht zu erwarten. Präsident Andreas Mundt macht deutlich, dass Preisüberprüfungen Zeit brauchen und nicht in wenigen Tagen abgeschlossen werden können. Preise ließen sich eben nicht einfach per Knopfdruck senken. Wer also noch einmal vom günstigeren Preis profitieren möchte, hat Mittwochvormittag (01.07.) noch eine letzte Chance: Der Tankrabatt endet zwar offiziell um Mitternacht, Preiserhöhungen dürfen Tankstellen wegen der sogenannten Zwölf-Uhr-Regel aber wohl erst ab mittags vornehmen.

Im Video: Interview mit Herbert Rabl (Tankstellen-Interessenverband)