Kölner Forum für Kultur im Dialog wird ausgezeichnet„SHALOM-MUSIK.KOELN“ eröffnet - Festival will jüdische Kultur sichtbar machen
Mit einem Konzert in der Flora ist am Dienstagabend (01.09.) das Festival SHALOM-MUSIK.KOELN eröffnet worden. Beatbox, Gesang, Horn und jiddische Chansons prägten den Auftakt. Zugleich gab es für die Veranstalter einen besonderen Grund zur Freude: Das Kölner Forum für Kultur im Dialog erhielt in Berlin den Ehrenamtspreis für jüdisches Leben in Deutschland.
Jiddischer Evergreen
Sharon Brauner sang am Dienstagabend (01.09.) „Bei mir bistu sheyn“ in der jiddischen Originalfassung. Das Lied war 1938 in der Swing-Ära international erfolgreich geworden. Weltweit bekannt wurde damals vor allem die englische Version. Brauner holte den Titel nun in seine ursprüngliche Sprach- und Kulturwelt zurück. Jiddisch entstand vor etwa tausend Jahren im heutigen deutschen Sprachraum. Die Sprache hat das Deutsche bis heute geprägt. Wörter wie „malochen“, „Zoff“ und „Tacheles reden“ sind Beispiele dafür. Die in Berlin geborene Sängerin kann Jiddisch singen, aber nicht sprechen. Für sie ist die Sprache eng mit ihrem Vater verbunden. Er sprach sie mit Freunden, während die Tochter als Kind zunächst glaubte, es handle sich um eine Geheimsprache. „Das war die Mameloschn, also die Muttersprache meines Vaters“, sagte Brauner. Ihr Vater habe Jiddisch mit Freunden gesprochen, die alle Holocaustüberlebende gewesen seien. Für sie habe sie begonnen, die Sprache zu singen. Ihre Botschaft: „Es ist nicht vorbei, es geht weiter.“
Schofar und Beatbox
Neben Brauner und dem Kammerchor des Kölner Männer-Gesang-Vereins stand der Beatboxer Paul Brenning auf der Bühne. Seine rhythmischen Vokaltechniken trafen auf den Klang des israelischen Hornisten Bar Zemach. Er spielte neben dem Waldhorn auch den Schofar. Das jüdische Blasinstrument wird seit vorchristlicher Zeit verwendet. Meist besteht es aus einem Widderhorn. Zemachs besonderes Instrument stammt jedoch aus dem Horn einer Kudu-Antilope. Der Schofar hat keine Ventile. Zemach hat deshalb eine eigene Spieltechnik entwickelt. Damit kann er nicht nur einzelne Naturtöne, sondern ganze Melodien erzeugen. Das Instrument hat für ihn eine besondere Botschaft. Es stehe für Liebe, Vergebung und Versöhnung. Gerade an den hohen jüdischen Feiertagen solle sein Klang dazu beitragen, dass Menschen wieder besser miteinander auskommen.
Ehrenamt für jüdisches Leben
Veranstaltet wird das Festival vom Kölner Forum für Kultur im Dialog gemeinsam mit der Synagogen-Gemeinde Köln. Ziel ist es, jüdisches Leben in der Gegenwart sichtbarer zu machen und Begegnungen zu ermöglichen. Das Kölner Forum für Kultur im Dialog erhielt am Mittwochabend (02.09.) in Berlin den Ehrenamtspreis für jüdisches Leben in Deutschland. Vorsitzende des Vereins ist Claudia Hessel. Die langjährige Moderatorin von RTL WEST engagiert sich damit auch außerhalb ihrer journalistischen Arbeit für jüdische Kultur. Ihre Begeisterung erklärt sie mit der besonderen Verbindung von Fröhlichkeit und Schwere in der jüdischen Musik. „Beides vereint Herzschmerz und einen wahnsinnigen Rhythmus“, sagte Hessel. Jüdische Musik müsse man einfach lieben. Der Name des Festivals verweist auf die zentrale Botschaft des Abends: Shalom bedeutet Frieden. Bis zum 10. September stehen in Köln täglich Konzerte auf dem Programm. Am Sonntag (06.09.) sind an verschiedenen Spielorten 15 kostenlose Konzerte über den Tag verteilt geplant.






























