An Aschermittwoch ist Schluss mit KarnevalNubbelverbrennung in Köln - wenn der Sündenbock brennt

von Annalena Kirsten

Schluss mit lustig im Rheinland: Am Aschermittwoch ist der Karneval vorbei. In Düsseldorf wurde deshalb der Hoppeditz beerdigt, der in der Landeshauptstadt das Jeckentum verkörpert. Auch in Köln wird Abschied genommen. In der Nacht brannte vielerorts der Nubbel, der als Sündenbock der Karnevalstage herhalten muss.

Sause im Sion

Jecke fackeln nicht lang – und traditionell muss er es ausbaden: der Nubbel. Mit ihm sollen all die kleinen und großen Verfehlungen der Session in Rauch aufgehen. Doch bevor der Strohmann dran glauben musste, war er erstmal heimlicher Star des Abends: beliebtes Selfie-Motiv, letzter stiller Zeuge des bunten Treibens. Im Kölner Brauhaus Sion wurde der Fastelovend am Dienstagabend (17.02.) bis zur allerletzten Sekunde ausgekostet. Für den Soundtrack des letzten Abends sorgte auch in diesem Jahr die Band Lupo.

Nubbel müssen büßen

In Köln gehört die Nubbelverbrennung traditionell zum Ende des Karnevals. Die lebensgroße Strohpuppe hängt während der Karnevalstage in zahlreichen Kneipen und nimmt stellvertretend alle Sünden auf sich. In der Nacht zu Aschermittwoch wird dem Strohkerl dann der Prozess gemacht. Kabarettist Jürgen Becker hielt im Brauhaus Sion traditionell die Trauerrede und machte den Nubbel mit viel Witz für aktuelle Ereignisse verantwortlich. So fragte er etwa, wer schuld sei, dass Wölfe statt Ziegen und Schafe plötzlich Kamelle und Strüßjer (Kölsch für Blumensträuße) fressen – die Gemeinde antwortete im Chor: „Dä Nubbel!“ Auch für den russischen Prozess gegen den Düsseldorfer Wagenbauer Jacques Tilly – oder wie Becker es ausdrückte: „Putins Panik vor Pappmaché“ – musste der Nubbel herhalten . Am Ende quittierte wurde das Ganze mit einem lautstarken „Die Drecksau!“quittiert.

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Beichtfaul, aber ehrlich: Kölner Sünden in Flammen

Als die Flammen schließlich hochschlugen, gingen auch in diesem Jahr wieder alle Schandtaten symbolisch in Rauch auf. Zur Beichte zog es aber die wenigsten. „Ich erzähle meine Sünden auf gar keinen Fall“, sagt eine Besucherin. Eine andere behauptet lachend: „Bei mir gibt es nichts“. Und dann wird es ehrlich: „Hauptsächlich der Alkohol und natürlich das viele Essen. Der Nubbel ist schuld, dass ich zugenommen habe“, erklärte ein Kölner.

Köbes-Nubbel und 265 Tage Karnevalspause

Für das Brauhaus Sion ist der hauseigene Prügelknabe fester Bestandteil des Programms. Jedes Jahr bekommt der Nubbel einen neuen Look, doch eins bleibt Pflicht: die Kellnermontur. „Natürlich war der Köbes. Was soll es sonst gewesen sein? Es ist klar, dass wir hier einen Köbes verbrennen“, sagt Brauhauschef René Sion augenzwinkernd. Mit der Nubbelverbrennung endet im Rheinland die fünfte Jahreszeit – für exakt 265 Tage heißt es erst einmal: Schluss mit lustig. Am 11.11. beginnt der Karneval dann von vorne und der nächste Nubbel wartet schon darauf, all die jecken Sünden auf sich zu nehmen.